Tempel der Ahnen
Johannes Heimrath sprach mit dem Fotografen Johannes Groht
In Ausgabe 17 von Hagia Chora waren starke Bilder von ihm zu sehen: Der Fotograf Johannes Groht hat vier Jahre lang den Geist der megalithischen Tempelplätze Norddeutschlands mit seiner Plattenkamera eingefangen. Jetzt erscheint ein Buch des Künstlers mit seinen einzigartigen Aufnahmen. Johannes Heimrath sprach mit Johannes Groht über den geomantischen Hintergrund seiner Bilder.

Johannes Heimrath: Viele der Orte, die Sie fotografiert haben, sind nicht leicht zu finden, und Sie haben von manchem Abenteuer bei der Suche erzählt. Ich denke, Sie führen, wie wohl die meisten Menschen, bei solchen einsamen Suchgängen auch Selbstgespräche mit Ihrem Selbstbild. Wie kommen Sie sich bei diesen Erkundungsfahrten vor? Gibt es vielleicht einen Helden aus Ihrer Kinderzeit, der mit von der Partie ist?
Johannes Groht: Nein, einen Helden sehe ich nicht, obwohl es manchmal schon heldenhaft ist, sich einen Weg durch all die Hindernisse zu bahnen. Aber intensive Gespräche mit mir, die führe ich schon - mit einem Teil von mir selbst, der im Alltag eher zu kurz kommt. Und es ist auch ein gewisser Trotz dabei - vielleicht ist das etwas Jugendliches? Dieser Trotz will sich dem zuwenden, was andere vergessen und links liegen gelassen haben.
Im Unterschied zu anderen Ländern, wie beispielsweise England oder Polen, sind die vorgeschichtlichen Heiligtümer in Deutschland der vollständigen Profanierung anheimgefallen. Sie liegen im dichten Wald, werden in Äckern isoliert, dienen an Straßen als Picknickplätze. Richtet sich der Trotz auch dagegen?
Ja, das spielt eine wichtige Rolle. Es ist freilich schön, wenn man, wie mein berühmter Kollege Paul Caponigro, mit Fördergeldern zu den eindrucksvollsten Plätzen Europas fahren und dort arbeiten kann. Aber das war nun einmal nicht mein Weg. Mir geht es um das Hünengrab um die Ecke, ich habe den Ehrgeiz, auch von unscheinbaren Plätzen starke Bilder zu machen.
Die archaischen Steine sind in unserer Glas-Beton-Zeit im Grunde fremdartige Objekte, sie stammen aus einer längst verhallten Epoche. Durch die Kamera geschaut, scheinen sie zunächst nur Objekte zu sein, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie objekthaft fotografiert sind. Wie sind Sie verbunden mit diesen scheinbaren Objekten?
Mir geht es um die frühen Spuren des menschlichen Geists in der Landschaft, und die Kraft dieser alten, von Menschen geschaffenen Plätze ist eine andere als die reiner Naturobjekte. Oft habe ich das Gefühl, dass diese Orte ein Konzentrat der Landschaft sind. Die Grabhügel sind oft sehr weit in der Landschaft sichtbar und fokussieren die Aufmerksamkeit. Dazu kommt, dass Menschen dort etwas getan haben, das den Orten Zentrums-Charakter verliehen hat. Die Ruinen regen mich an, über Grundfragen unserer Existenz nachzudenken. Sie wecken in mir eine Idee von der Bedeutung der Ahnen und der Heiligkeit der Menschheit als Ganzer, die zu bewahren und zu entwickeln unsere Aufgabe ist.
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