Licht in der Erde
Einer Landschaft, in der man lebt, wächst über die Jahre ein ungleich tieferes Verstehen zu als Regionen, die nur Reisebekanntschaften bleiben. Sabine Mayer hat mit ihrer Heimat, dem Fichtel-gebirge, eine lange Geschichte.

Geboren und aufgewachsen im Fichtelgebirge, verbindet mich vieles mit diesem Landstrich. Vier Flüsse entspringen hier, die sich ihren Weg nach Norden, Süden, Osten und Westen bahnen, um sich dort mit größeren Flüssen zu vereinen: nach Süden die Naab, die später die Donau bis zum schwarzen Meer begleitet, nach Norden die Saale und nach Osten die Eger - beide strömen mit der Elbe in die Nordsee - und nach Westen der weiße Main, der sich später mit dem roten Main und dann mit dem Rhein vereint, um auch in der Nordsee zu münden. Viele Sagen und Geschichten ranken sich um dieses Gebiet, die in sehr alte Zeit zurückreichen. Ob es bereits in Zeiten matriarchaler Kulturen eine Bedeutung hatte, lässt sich schwerlich sagen. Es gibt durchaus Hinweise, z.B. viele Schalen- und Näpfchensteine wie die Venedigerschüssel im Bachbett der Gregnitz bei Grünlas oder die Druidenschüssel in Hochwald und in den Stein gehauene Treppenstufen oder Sitze etc., doch wann diese Bearbeitungen entstanden sind, ist archäologisch nicht belegt.
Meine Beschäftigung mit dem Fichtelgebirge betrachte ich weniger als ein Projekt, in dem ich ein Untersuchungsobjekt erforsche, sondern als eine Begegnung. Eine Begegnung, die mir vielleicht irgendwann ein Verstehen ermöglicht, und ein solches Verstehen braucht Zeit. Meine Begegnungsreise führte mich nicht nur an verschiedene Orte in dieser Region, sondern auch an Orte im eigenen Inneren.
Geologisch ist das Fichtelgebirge eine europäische Wasserscheide zwischen Nordsee und schwarzem Meer. Vielleicht wird aus diesem Gebiet, in dem früher Radarstationen für den großen Lauschangriff Richtung Osten installiert waren, in Zukunft ein Verknüpfungspunkt zwischen Ost und West. Einige Ansätze in dieser Richtung gibt es bereits, wie sein Status als Euro-Region "Egrensis" oder das Comenius-Projekt, in dem Schulen aus dem Hofer Raum mit Schulen in Tschechien, Frankreich und Polen zusammenarbeiten, andeuten.
Inneres Gold
Der zentrale Berg der Region ist der Schneeberg. Er ist leicht zu erkennen, da den Gipfel eine ehemalige Radar-Überwachungsanlage der Bundeswehr krönt. Vor dem Fall der Mauer lag er im Sperrgebiet, erst jetzt ist eine Begehung bis zum Gipfel möglich. Als ich mit einem Begleiter dort wanderte, schien uns dieses Gebiet wider Erwarten sehr kontaktfreudig und ursprünglich. Es war leicht, in eine intuitive Symbolwelt einzutauchen, in der wir am Fuß des Berges die Präsenz einer männlichen Gottheit wahrnahmen. Für mich war es ein schöner Kontakt, allerdings ein sehr kurzer, da ich gleich an die Göttin des Ortes weiterverwiesen wurde. Sie erzählte mir in der inneren Schau:
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