Spüren, was uns die Erde gibt
Ein Spazierweg sollte die Freiflächen in der dicht besiedelten "Mainspitze", der Landzunge an der Mündung des Main in den Rhein, verbinden. Gemeinsam mit den Gemeindeverwaltungen wurden entlang des Wegs Steinsetzungen verwirklicht, die zur Kommunikation mit der Erde einladen.

Als ich angefragt wurde, die Planung und Erstellung des Regional-parkwegs in der Mainspitze energetisch zu begleiten, war ich sowohl interessiert als auch skeptisch. Meine Skepsis bezog sich auf den Zustand des Gebiets: Es ist geprägt von Lärmbelästigung und Umweltbelastungen durch die Lage in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens, durch das Autobahndreieck, stark befahrene Eisenbahnstrecken und bizarre, unwirtliche Industrie-landschaften.
Eine erste Fahrt mit dem Auto in das Gebiet bestätigte alle Vorurteile. In unberührteren Landschaften ist es ein Leichtes, in ein Gespräch mit der Erde zu kommen, aber würden an einem solchen Ort überhaupt Heilung und Kommunikation mit der Erde möglich sein? Wenn das gelingen sollte, musste ich einen anderen Blickwinkel gewinnen und mich mit meinen Vorurteilen auseinandersetzen.
Auf jeden Fall war mein Interesse geweckt, und bei Wanderungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad erschlossen sich die kleinen Schönheiten und Energiereservoire der Region. Im Lauf der gemeinsamen Arbeit im Team mit Hildegunde Henrich und Hans Henrich entstand eine immer engere Beziehung zu dieser Landschaft.
Die Untersuchung
Bei unseren erdenergetischen Untersuchungen gehen wir von der Überzeugung aus, dass die Erde ein Lebewesen ist. Die Erde hat einen physischen Körper mit einem ungeheuer komplexen Organismus, der unzählige Lebewesen miteinander und voneinander leben lässt. Wir nehmen ein Bewusstsein der Erde, der Natur wahr, mit dem wir kommunizieren können. Wenn wir uns darum kümmern, antwortet uns die Natur. Schamanen haben das zu allen Zeiten praktiziert. Zur Kommunikation gehört die Fähigkeit des Zuhörens. Gebäude und Straßen bauen wir mit den Materialien der Erde, nehmen und gestalten sie nach unseren Vorlieben und Nützlichkeitskriterien, aber wir haben in der Regel verlernt, die Erde als Gesprächspartner zu sehen. Dabei ist ihre Lebendigkeit offenkundig, und wir verlassen uns wie selbstverständlich darauf, dass Pflanzen wachsen, dass Wasser und Luft für uns bereitstehen.
Bei unseren Untersuchungen nehmen wir an, dass es ähnlich wie in der Akupunktur für den menschlichen Körper auch auf dem Erdkörper Punkte und Linienverläufe gibt, in denen sich die Erdenergie sammelt und bewegt. So entstand eine Art Energielandkarte, die uns zeigte, welche Probleme und Potenziale die Landschaft besitzt. Insbesondere Wind, Wetter und Wasser als Ausdrucksformen der Erdvitalität und landschaftsprägenden Kräfte versuchten wir zu erfassen.
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