Stahlseelen
Edelstahl scheint wenig mit der Natur zu tun zu haben. Für Beate Schroedl ist es das ideale Material für ihre Skulpturen. In die Landschaft oder in die Atmosphäre eines besonderen Ortes eingebettet, führen sie einen behutsamen Dialog mit dem Genius loci.

Wer das Material meiner Arbeiten in meinem Atelier sieht, wird nicht sofort vermuten, wie es eingesetzt wird. Denn Edelstahl, den ich nun seit vielen Jahren verwende, bringt man nicht spontan mit Natur in Verbindung. Aber genau das ist die Quelle meiner aktuellen Arbeit: zu erkunden, welche Verbindungen es zwischen beidem geben kann.
In der Kunst geht es immer darum, für Ideen Formen zu finden. Meine plastischen Ideen finde ich seit längerem in der Auseinandersetzung mit Raumsituationen und mit Orten in der Natur oder im Gegensatz zu ihr. Die Natur ist mein wichtigster Bezugspunkt.
Die Spannung zwischen der Materialität meiner Skulpturen und der Umgebung, in die ich sie versetze, inspirierte mich zunehmend zur Erkundung meines Werkmaterials, seit ich Anfang der 90er-Jahre den Stahl für mich entdeckte. Vorher hatte ich vorwiegend figürlich in Gips gearbeitet. Die Statik der Skulpturen sicherte dabei ein Eisengerüst, das Größe, Proportionen und Haltung festlegte und als Träger für ergänzende Materialien diente. Als ich die eigene Formensprache dieser Gerüste entdeckte, begann ich, diese aufzugreifen und selbst zum Ausdrucksmittel zu machen. So wurde aus einem Hilfsmaterial der Stoff für meine künstlerische Auseinandersetzung.
Zunächst arbeitete ich mit Baustahl. Als ich in Wuppertal mein Atelier bezog, kaufte ich meine erste eigene Schweißanlage und entschied mich für Edelstahl. An ihm schätze ich besonders seine Härte. Er ist widerspenstig und nicht leicht zu verarbeiten. Er setzt mir seine Zähigkeit entgegen und verlangt einen besonders starken Gestaltungswillen. Dabei erlaubt er eine unendliche Vielfalt der Oberflächenbearbeitung. Und er strahlt eine Aura von Unzerstörbarkeit, fast von Unvergänglichkeit aus. Der nicht-rostende Stahl ist für mich das Material des 21. Jahrhunderts, das Haltbarkeit und Beständigkeit garantiert.
Im Einsatz der Technik bin ich eher konservativ. Das Schneiden mit der handgeführten Trennscheibe bevorzuge ich gegenüber den neuen Laser- und Wasserstrahlverfahren einer rein computergesteuerten Bearbeitung. Wichtig ist der direkte manuelle Bezug im künstlerischen Arbeitsprozess. Er unterstützt, dass sich die Ausgangsidee im Prozess der Arbeit so weit entwickeln kann, dass schließlich Vorstellung und Material übereinstimmen. Das Kunstwerk braucht sich nicht an den neuen Technologien zu messen, mit -denen mein Material üblicherweise indust-riell bearbeitet wird. Dort sind Reproduzierbarkeit und Genauigkeit die Maximen. Mir geht es hingegegen um Einmaligkeit und die innere Haltung, die, wie alles, der Wandlung und der Reflexion bedarf. Aus ihr entstehen die Ideen, die den Einsatz der Technik leiten.
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