Elektrosmog

von Uwe Münzenberg erschienen in Hagia Chora 21/2005

Die schwachen elektromagnetischen Felder des so genannten Elektrosmogs sind deshalb so problematisch, weil sie mit den feinen, auf Elektromagnetismus beruhenden Regulationsvorgängen unseres Körpers interferieren. Doch das rechtfertigt nicht, den Elektrosmog als "feinstoffliches" Problem zu behandeln, sagt der Baubiologe Uwe Münzenberg. Er plädiert dafür, das Problem an der Wurzel zu packen.

Der Begriff "Elektrosmog" - heute in aller Munde - ist ein unglücklicher Ausdruck, denn unter "Smog" stellen sich viele etwas unfassbar Nebulöses vor. Dabei verstecken sich hinter dieser umgangssprachlichen Bezeichnung klar definierbare physikalische Felder: einerseits solche, die durch unsere Haushaltsgeräte, Stromversorgung oder Elektroinstallationen verursacht werden, andererseits die elektromagnetischen Felder des Mobilfunks, drahtlosen Datenaustauschs, Radars etc. Physikalisch müssen die einzelnen Felder, wenn es um deren Beurteilung geht, penibel auseinander gehalten werden, um effektive Konzepte zur Vermeidung zu erarbeiten. Eine ins Blaue geplante Abschirmmaßnahme kann nämlich durchaus gegenteilige Effekte auslösen. Liegt eine Belastung durch magnetische Felder vor, nützt es nichts, Abschirmprodukte, die gegen elektrische Felder wirken, anzubringen. Mit einer unfachmännischen Hochfrequenz-Abschirmung wiederum kann man sich massive Einkopplungen elektrischer Felder einhandeln.
In der Regel können wir elektrische und magnetische Felder nicht mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen. Sie verlaufen nach komplexen Gesetzmäßigkeiten im dreidimensionalen Raum. Man unterscheidet Gleich- und Wechselfelder: Ein typisches Gleichfeld ist beispielsweise das natürliche Erdmagnetfeld. Ein Wechselfeld entsteht dadurch, dass mit einer bestimmten Frequenz (= Häufigkeit) die Polarität (+/-) wechselt. Ein aus dem täglichen Leben bekanntes Beispiel für einen Verursacher von Wechselfeldern ist das normale Haushaltsstromnetz. Jeder hat schon einmal die Angabe "Wechselspannung mit 230 Volt, 50 Hertz" auf einem Elektrogerät gesehen. "50 Hertz" (abgekürzt Hz) ist dabei die Frequenzangabe und bedeutet, dass die Polarität 50 Mal in der Sekunde wechselt.
Für die Praxis sind folgende wesentliche Zusammenhänge zwischen elektrischen und magnetischen Feldern relevant:
!Elektrische Wechselfelder gibt es überall dort, wo eine Wechselspannung anliegt. Im Haushalt beispielsweise entstehen sie um alle Stromkabel bis zum angeschlossenen Elektrogerät bzw. dessen Schalter - und dies auch, wenn das Gerät ausgeschaltet ist.
!Zusätzlich entstehen magnetische Wechselfelder ab dem Augenblick, in dem ein Elektrogerät eingeschaltet wird, also sobald der Strom fließt. Es hat dieselbe Frequenz wie das entsprechende elektrische Feld.
Frequenzen bis 30 Kilohertz werden im Gesamtspektrum der Wechselfelder noch als niedrig, also niederfrequent bezeichnet. Hiervon unterscheidet man die Hochfrequenzfelder (HF-Felder) im Frequenzbereich ab einigen hunderttausend Hertz (Kilohertz) bis zu Milliarden Hertz (Gigahertz). Bei diesen hohen Frequenzen spricht man nun von elektromagnetischen Feldern bzw. elektromagnetischen Wellen, weil hier das elektrische und das magnetische Feld nicht mehr getrennt sind, sondern in einer festen Beziehung miteinander stehen. Die typischen Einsatzbereiche von elektromagnetischen Wellen sind z.B. Rundfunk und Fernsehen, Mikrowelle, Mobilfunk("D-Netz", "E-Netz") und digitale Schnurlostelefone ("DECT")