Elektrosmog

von Uwe Münzenberg erschienen in Hagia Chora 21/2005

Die schwachen elektromagnetischen Felder des so genannten Elektrosmogs sind deshalb so problematisch, weil sie mit den feinen, auf Elektromagnetismus beruhenden Regulationsvorgängen unseres Körpers interferieren. Doch das rechtfertigt nicht, den Elektrosmog als "feinstoffliches" Problem zu behandeln, sagt der Baubiologe Uwe Münzenberg. Er plädiert dafür, das Problem an der Wurzel zu packen.

Der Begriff "Elektrosmog" - heute in aller Munde - ist ein unglücklicher Ausdruck, denn unter "Smog" stellen sich viele etwas unfassbar Nebulöses vor. Dabei verstecken sich hinter dieser umgangssprachlichen Bezeichnung klar definierbare physikalische Felder: einerseits solche, die durch unsere Haushaltsgeräte, Stromversorgung oder Elektroinstallationen verursacht werden, andererseits die elektromagnetischen Felder des Mobilfunks, drahtlosen Datenaustauschs, Radars etc. Physikalisch müssen die einzelnen Felder, wenn es um deren Beurteilung geht, penibel auseinander gehalten werden, um effektive Konzepte zur Vermeidung zu erarbeiten. Eine ins Blaue geplante Abschirmmaßnahme kann nämlich durchaus gegenteilige Effekte auslösen. Liegt eine Belastung durch magnetische Felder vor, nützt es nichts, Abschirmprodukte, die gegen elektrische Felder wirken, anzubringen. Mit einer unfachmännischen Hochfrequenz-Abschirmung wiederum kann man sich massive Einkopplungen elektrischer Felder einhandeln.
In der Regel können wir elektrische und magnetische Felder nicht mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen. Sie verlaufen nach komplexen Gesetzmäßigkeiten im dreidimensionalen Raum. Man unterscheidet Gleich- und Wechselfelder: Ein typisches Gleichfeld ist beispielsweise das natürliche Erdmagnetfeld. Ein Wechselfeld entsteht dadurch, dass mit einer bestimmten Frequenz (= Häufigkeit) die Polarität (+/-) wechselt. Ein aus dem täglichen Leben bekanntes Beispiel für einen Verursacher von Wechselfeldern ist das normale Haushaltsstromnetz. Jeder hat schon einmal die Angabe "Wechselspannung mit 230 Volt, 50 Hertz" auf einem Elektrogerät gesehen. "50 Hertz" (abgekürzt Hz) ist dabei die Frequenzangabe und bedeutet, dass die Polarität 50 Mal in der Sekunde wechselt.
Für die Praxis sind folgende wesentliche Zusammenhänge zwischen elektrischen und magnetischen Feldern relevant:
!Elektrische Wechselfelder gibt es überall dort, wo eine Wechselspannung anliegt. Im Haushalt beispielsweise entstehen sie um alle Stromkabel bis zum angeschlossenen Elektrogerät bzw. dessen Schalter - und dies auch, wenn das Gerät ausgeschaltet ist.
!Zusätzlich entstehen magnetische Wechselfelder ab dem Augenblick, in dem ein Elektrogerät eingeschaltet wird, also sobald der Strom fließt. Es hat dieselbe Frequenz wie das entsprechende elektrische Feld.
Frequenzen bis 30 Kilohertz werden im Gesamtspektrum der Wechselfelder noch als niedrig, also niederfrequent bezeichnet. Hiervon unterscheidet man die Hochfrequenzfelder (HF-Felder) im Frequenzbereich ab einigen hunderttausend Hertz (Kilohertz) bis zu Milliarden Hertz (Gigahertz). Bei diesen hohen Frequenzen spricht man nun von elektromagnetischen Feldern bzw. elektromagnetischen Wellen, weil hier das elektrische und das magnetische Feld nicht mehr getrennt sind, sondern in einer festen Beziehung miteinander stehen. Die typischen Einsatzbereiche von elektromagnetischen Wellen sind z.B. Rundfunk und Fernsehen, Mikrowelle, Mobilfunk("D-Netz", "E-Netz") und digitale Schnurlostelefone ("DECT")

Das Problem der "Entstörapparate"
Zu der Frage nach Abschirmmöglichkeiten gegen Elektrosmog kursieren diverse Meinungen und Gerüchte. Hier tummeln sich verschiedenste Anbieter auf dem Markt, und bei den Betroffenen herrscht in der Regel große Verwirrung. Zunächst ist es wichtig, zu verstehen, dass sich das physikalische Phänomen Elektrosmog nicht durch irgendeinen Apparat beseitigen lässt. Beispielsweise kann ein Netzabkoppler, wo er einsetzbar ist, ein elektrisches Feld vermeiden, bevor es entsteht, und nicht nachträglich beseitigen, wie oft gesagt wird. Und eine professionelle Flächenabschirmung (z.B. von www.biologa.de, www.biosol.de oder www.danell.de) kann ein HF-Feld auf einen winzigen Bruchteil reduzieren, wenn man die Feldquelle, wie beispielsweise einen Mobilfunksender, nicht einfach abstellen kann.
Ob eine Belastung durch elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder vorliegt, lässt sich mit quantitativen Messmethoden nachweisen. Um bei einer entsprechenden Belastung zielorientierte Lösungen zu finden, benötigt man eine mit professioneller Messtechnik ermittelte, verlässliche Datengrundlage. Nur so ist für den Kunden die Planungssicherheit gewährleistet.
Elektrosmog wird jedoch häufig auch mit einer "nicht-physikalischen" Ebene in Verbindung gebracht. Viele Hersteller von Entstörgeräten argumentieren, dass ihre Apparate auf der "feinstofflichen" Ebene wirken, denn der Elektrosmog irritiere ein feinstoffliches Informationsfeld des Körpers. Dies ist insofern verwirrend, als elektromagnetische Strahlung tatsächlich die subtile Kommunikation der Zellen in einem Organismus stört. Die Ursache des Elektrosmogs bleibt aber nichtsdestotrotz ein physikalisches Phänomen. Sollten nicht Probleme auf der Ebene gelöst werden, auf der auch ihre Ursachen zu finden sind? Sollte der Elektrosmog nicht dort beseitigt werden, wo er entsteht, und weniger an seinen schädlichen Auswirkungen herumexperimentiert werden? Kein Arzt würde bei einer akuten Vergiftung mit Tollkirschen zu homöopathischen Mitteln greifen. So kann ein "Entstöraufkleber" auf einem Handy dem Nutzer ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko bescheren, da er glaubt, keiner Strahlung mehr ausgesetzt zu sein - was blanker Unsinn ist. Das ist, als würde man seinen Hamster in der Mikrowelle trocknen können, weil sie angeblich "entstört" ist. Die Entstörung müsste den Hamster mit wahrlich übernatürlichen Kräften ausstatten, sollte er das unbeschadet überstehen.
Elektrosmog lässt sich mit physikalischen Messgeräten messen und mit physikalisch nachweisbar wirksamen Materialien abschirmen. Selbst wenn es so sein sollte, dass es Geräte oder Apparaturen gibt, die auf einer von uns Baubiologen nicht nachvollziehbaren "feinstofflichen" Ebene wirken, so ist das Problem auf der rein materiellen Ebene damit noch nicht behoben. In diesem Bereich gibt es Missverständnisse, die gerade im heutigen esoterischen Umfeld - oft aus Idealismus, oft aber auch aus rein verkaufsorientierten Gründen - erhebliche Probleme schaffen.
Es bleibt darüber hinaus ja noch ein weites Feld an nicht so einfach messbaren Dingen, die unser Wohnumfeld beeinflussen, und denen wir uns auf andere Weise annähern müssen. Hier suchen aufgeschlossene Baubiologen zunehmend die Zusammenarbeit mit qualifizierten Geomanten und raumenergetischen Beratern, die ihr Feld ebenso sicher beherrschen und abzugrenzen verstehen, wie wir uns dies von Baubiologen wünschen.

Was "strahlt" am stärksten?
Auch in der Frage, wodurch der meiste Elektrosmog verursacht wird, herrscht bei den Betroffenen wenig Klarheit. Wenn es um das häusliche Umfeld geht, höre ich oft von Kunden Fragen wie: "Vor unserem Schlafzimmerfenster sehen wir einen Sendemast", oder "wir haben aber einen Computer im Haus", oder "wir haben einen Fernseher im Schlafzimmer, haben denn dann Messungen noch einen Sinn?"
Wie so oft spielen die Dinge, die wir sehen, nicht die entscheidende Rolle. Eine Hochspannungsleitung oder ein Sendemast erscheinen oft beeindruckend gefährlich. Doch die wahren "Strahler" sind in der Regel diejenigen, welche wir nicht im Verdacht haben und die nicht gleich in unser persönliches Feindbild passen. So kann, auch wenn es nach maßloser Übertreibung klingt, ein schnurloses Telefon in der Nachbarwohnung zehnmal mehr Strahlung verursachen als ein Mobilfunksender in 100 m Entfernung. Ein Trafo unter dem Bett hat ein zehnfach stärkeres Magnetfeld als eine Hochspannungsleitung in 100 m Entfernung, denn die Feldstärke nimmt mit wachsendem Abstand zur Quelle überproportional schnell ab. Computerbildschirme heutiger Bauart sind so abgeschirmt, dass nur noch ein Bruchteil der Strahlung frei wird, haushaltstypische Elektroinstallationen hingegen nicht, mit der Folge, dass diese eine vielfach höhere Belastung erzeugen können als der Computerbildschirm.
In diesem Bereich besteht ein hoher Aufklärungsbedarf. Wenn wir kreative und innovative Lösungen für technisch veraltete Strukturen oder Systeme schaffen, könnten wir 80 Prozent unseres täglichen Elektrosmogs ohne jeglichen Komfortverlust vermeiden, d.h. 80 Prozent der Felder in unserer Umwelt sind völlig unnötig. Warum müssen alle elektrischen Leitungen in einem Gebäude und alle Geräte in einem Haus unter Spannung stehen, wenn sich dies z.B. durch intelligente Netzsysteme vermeiden ließe? Nebenbei würden wir noch das eine oder andere Atomkraftwerk abschalten können, da unnötiger Stromverbrauch durch Standby-Schaltungen vermieden würde, und die Brandgefahr durch Stromunfälle ginge deutlich zurück. Neue Standards im Bereich der Elektroinstallation an Wohn- und Arbeitsplatz wären eine wirkliche Win-Win-Situation für alle, auch für die Handwerksbetriebe und die Hersteller - und für die Umwelt. Was den Stand der Technik der häuslichen Stromversorgung angeht, hat man eher den Eindruck, dass diese seit Edison nicht wirklich reifer geworden ist.
Elektrosmog wird unterschätzt, weil er so schrecklich alltäglich ist. Eine niedliche Lampe für das Kinderbett mit einem ungeerdeten Kabel wird millionenfach verkauft. Es ist für den Einzelnen schwer nachvollziehbar, dass diese Lampe die Normen für Computerarbeitsplätze um das Zehnfache überschreitet. Immer wieder stelle ich ein gesundes Misstrauen gegenüber Mobilfunkstationen fest. Mit Recht steht die Zunahme der Strahlendosis im Mittelpunkt zahlreicher ernstzunehmender Forschungen. Doch wie gering ist die Strahlungsdosis eines Mobilfunksenders im Vergleich zu der Strahlungsdosis, der sich eine Sekretärin, die in ihrer Arbeit mehrere Stunden am Tag mit einem schnurlosen Telefon telefoniert, aussetzt? Letzteres halten wir zwar in unserer Gesellschaft für inzwischen völlig normal, aber die Tatsache, dass Millionen Menschen sich unsinnigerweise einer hohen Strahlung aussetzen, macht sie nicht weniger brisant.

Grenzwerte und Risiken
Es gibt zwar Grenzwerte für Hochspannungsleitungen, jedoch nicht für Geräte wie schnurlose Telefone oder Elektroleitungen im eigenen Haus. Wieviele Menschen leben direkt unter einer Hochspannungsleitung, und wieviele Menschen haben elektrischen Strom in ihren vier Wänden? Die Grenzwerte sind zum einen durch ihren Geltungsbereich so massiv eingeschränkt, dass sie praktisch nur sehr selten greifen, weil sie z.B. nur für einen Teil der öffentlichen Stromversorgung gelten, jedoch nicht für die Elektroinstallation im Haus oder für Gebrauchsgegenstände. Und wenn sie dann doch einmal greifen, sind sie so hoch, dass man sich schon direkt auf ein Trafohaus setzen müsste, um in den Bereich der deutschen Grenzwerte zu gelangen. Das ist mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen von 350 km/h zu vergleichen: Man bräuchte einen Formel-1-Wagen, um "grenzwertig" werden zu können. Die Praxis der deutschen Grenzwerte ist besonders problematisch, wenn man bedenkt, dass im Juni 2001 eine Arbeitsgruppe wissenschaftlicher Experten der International Agency for Research on Cancer (IARC), einer Teilorganisation der WHO mit Sitz in Lyon, niederfrequente magnetische Wechselfelder aufgrund von epidemiologischen Studien über kindliche Leukämien als möglicherweise krebserregend für Menschen eingestuft wurden. Die deutschen Grenzwerte hat dies in keiner Weise berührt.
Hunderte von internationalen Studien befassen sich mit dem Zusammenhang zwischen der Belastung durch elektromagnetische Felder und ihre biologischen Effekte. Unabhängige Universitäten und Behörden führten über viele Jahre hinweg Studien durch und sind in der Summe zu alarmierenden Ergebnissen gekommen, die inzwischen ganze -Datenbanken füllen. Umfassend und dazu noch allgemeinverständlich informiert z.B. das Gesundheitsamt des Landes Salzburg auf seiner Internetseite: http://www.salzburg.gv.at/themen/gs/gesundheit/umweltmedizin/elektrosmog/elektrosmog_und_gesundheit/elektrosmogstudien.htm.
Neben dem Krebsrisiko rückt in den letzten Jahren zunehmend die Untersuchung der ursächlichen Auswirkungen des Elektrosmogs auf Zellebene in den Vordergrund. So wird nach jüngsten Forschungsergebnissen insbesondere dem Einfluss auf Hormonhaushalt, Immunsystem und Biorhythmus große Bedeutung beigemessen. Dabei scheint gerade der unter Feldeinfluss oft deutlich abgesenkte Melatoninspiegel eine zentrale Rolle für die als erstes wahrgenommenen Beeinträchtigungen wie verringerte Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen, dauerndes Kopfweh und psychische Veränderungen (z.B. Depressionen) zu spielen. Besonderes Aufsehen haben in jüngster Zeit in Verbindung mit Mobilfunk die sogenannte REFLEX- und die niederländische TNO-Studie ausgelöst. REFLEX ist der Kurzname für das von der EU im 5. Rahmenprogramm geförderte Forschungsvorhaben von 12 Ländern: Risk Evaluation of Potential Environmental Hazards From Low Energy Electromagnetic Field Exposure Using Sensitive in vitro Methods. Ergebnis der Studie ist z.B., dass elektromagnetische Felder unterhalb der geltenden Grenzwerte fähig sind, in bestimmten lebenden Zellen DNA-Strangbrüche zu erzeugen.
Bei der Niederländischen TNO-Studie zu GSM und UMTS ("Effects of Global Communication system radio-frequency fields on Well Being and Cognitive Functions of human subjects with and without subjective complaints"; TNO-report FEL-03-C148, September 2003), handelt es sich um eine Doppelblind-Studie, bei der Teilnehmer zweier unterschiedlicher Personengruppen einzeln in einer geschirmten Expositionskammer gegenüber hochfrequenter Strahlung exponiert und ihre geistigen und körperlichen Reaktionen dokumentiert wurden.
Es geht also nicht wirklich um die Frage, ob Elektrosmog gefährlich ist oder nicht, sondern es geht darum, inwieweit unsere Gesellschaft bereit ist, sich mit dem Thema sachlich auseinanderzusetzen. Es ist ein gesellschaftliches Problem, kein wissenschaftliches. Ähnlich verhielt es sich z.B. mit Asbest. Schon 1930 erkannte man in Deutschland die Asbestose als Berufskrankheit an. Man wusste schon vor dem zweiten Weltkrieg, dass das Einatmen von Asbestfasern tödlich enden kann - was jedoch niemanden daran gehindert hat, bis in die 70er-Jahre Tonnen von Asbestfasern in unsere Häuser einzubauen, um sie dann in den 80er-Jahren zu verbieten, mit der Folge von einigen Milliarden an Sanierungskosten in den Neunzigern. Mit dem Thema Elektrosmog kann dies ähnlich enden, besonders seit die Rückversicherer verkündet haben, dass sie Risiken durch Elektrosmog nicht versichern, da nach aktuellem wissenschaftlichem Stand diese Risiken finanziell nicht mehr kalkulierbar sind.

Baubiologische Untersuchungen
Für die Lösung komplexer Aufgabenstellungen bietet sich eine interdisziplinäre Herangehensweise an. Dies gilt auch für baubio-logische Untersuchungen. Die Aufgabe von Baubiologen ist es, gesundheitsbelastende Einflüsse in Gebäuden klar zu definieren, um zielorientierte Strategien zu deren Beseitigung zu erarbeiten. Teillösungen führen dabei nicht zu einem dauerhaft gesunden Arbeits- oder Wohnklima. Vielmehr ist es zwingend, alle Einflussfaktoren zu erfassen, die zu einer Störung des natürlichen Gleichgewichts in einem Gebäude führen. Damit Umweltgefahren sicher erkannt und beseitigt werden, hat der Berufsverband Deutscher Baubiologen - VDB e.V. Richtlinien für das Vorgehen und die Dokumentation bei einer baubiologischen Untersuchung verfasst. Dadurch ist eine Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse gewährleistet.
Der erste Schritt einer baubiologischen Untersuchung besteht in der gründlichen Bestandsaufnahme vor Ort: Begehung der Räumlichkeiten, Ursachenforschung durch Gespräche mit den Bewohnern oder Mitarbeitern, Erfassung von potenziellen Schadstoffquellen anhand von Bau- und Ausstattungsmaterialien und der näheren Umgebung in Bezug auf mögliche Quellen für magnetische- oder elektromagnetische Felder. Aus dem Resultat ergibt sich die weitere Vorgehensweise. Hier bietet die Kombination von Messungen direkt vor Ort mit Laboranalytik die Möglichkeit, genaue Aussagen zu Art und Ausmaß einer Belastung treffen zu können. Auf der Basis dieser Ergebnisse können individuelle Lösungen mit den Betroffenen konzipiert und die Umsetzung begleitet werden. An dieser Stelle wird entschieden, ob z.B. Wände abgeschirmt werden müssen oder ob ein Freischalten von bestimmten Stromkreisen ausreichend ist, um Feldbelastungen zu reduzieren.
Dieses individuelle Vorgehen ist notwendig, denn was für den einen noch eine unbedenkliche Dosis ist, auf die er nicht reagiert, löst bei anderen bereits erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen aus. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Umwelt-risiken sind so individuell wie ihre Lösungen.
Die Felder im häuslichen Bereich lassen sich nicht nach einer Formel berechnen, wie Steckdose mal Abstand gibt V/m. Fünf Steckdosen machen nicht mehr Felder als eine Steckdose, und zehn Kabel machen nicht zehnmal so viele Felder wie ein Kabel, das Gegenteil ist sogar oft der Fall. Wie stark sich Felder im Haus ausbreiten, hängt wesentlich vom technischen Zustand der Installation ab, beispielsweise vom Zustand der Erdung. Ohne konkrete Bestandsaufnahme oder Planung sind die meisten Sanierungsmaßnahmen wirkungslos. So hilft ein Netzfreischalter wenig, wenn dieser das Schlafzimmer zwar vom "Strom" freischaltet, jedoch die Felder durch das Bad im Kopfbereich oder das darunter liegende Gästezimmer nicht berücksichtig werden. Es kann durchaus passieren, dass die Felder nach Einbau eines Netzfreischalters größer sind als vorher, da Kompensationseffekte verschiedener Stromkreise nicht mehr wirken. Bei unfachmännisch einseitig angebrachten Abschirmungen, z.B. unter dem Bett, ist der Verschlimmerungseffekt schon programmiert. Häufig hört man von großflächigen Abschirmungsmaßnahmen, die ohne konkrete Planung durchgeführt werden. Dies ist ein äußerst heikles Thema. Eine mangelhafte Erdung kann beispielsweise leicht die gegenteilige Wirkung erzielen: Die Abschirmung könnte zur Antenne für Felder aller möglichen Frequenzen werden. Umfangreiche und teure Sanierungsmaßnahmen oder gar Umzüge sollten keinesfalls in Erwägung gezogen werden, ohne dass dies durch belastbare Messergebnisse bestätigt worden ist.
Bis auf wenige Fälle gibt es zum Schutz vor Elektrosmog gute Möglichkeiten, die sich auch in einem vertretbaren finanziellen Rahmen bewegen. Auch ein Haus direkt unter einer Hochspannungsleitung kann man schützen, dabei kann allerdings ein größerer finanzieller Aufwand erforderlich sein. Daher ist eine vollständige Bestandsaufnahme durch Messungen so wichtig, um eine Sanierung fachgerecht planen zu können. Es macht keinen Sinn, nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" alles Mögliche auszuprobieren und damit Geld und Gesundheit zu riskieren, wenn Messungen Klarheit verschaffen können.

Elektrosmog und Geomantie
Der Geomant, der als Berater hinzugezogen wird, sollte sich seiner umfassenden Verantwortung bewusst sein. Die Menschen, die ihn rufen, haben ein Anliegen, oft ein sehr ernstzunehmendes, und erwarten von ihm Lösungen, auch in Bezug auf eine Elektrosmog-Belastung. Der einseitige Einsatz improvisierter "energetischer" Entstörungsgeräte ist hier nicht hilfreich und schafft nicht nur Irritationen und damit Misserfolg, sondern gefährdet tatsächlich die Gesundheit. Wer haftet, wenn jemand aufgrund einer Elektrosmogbelastung an seinem Schlafplatz ernsthaft erkrankt, obwohl z.B. ein "Entstör-Chip" auf seinem Radiowecker klebt? Wer solcherart Entstörung empfiehlt und verkauft, bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Es könnte in Zukunft durchaus Prozesse geben, weil dem Kundenauftrag, den Elektrosmog zu beseitigen, nicht nachgekommen wurde und der Kunde weiter jahrelang einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt war, ohne es zu wissen.
Hier ist der Geomant gefordert, interdisziplinär zu denken und bei entsprechendem Verdacht einen Baubiologen hinzuzuziehen. Meiner Ansicht nach sollten Geomantie- und Feng-Shui-Schulen Baubiologen als Fachdozenten einladen, damit auch auf diesem Bereich verantwortbare und ergebnisorientierte Grundlagenkenntnisse und Untersuchungstechniken vermittelt werden. Kompetente und glaubwürdige Berater kennen ihre Grenzen und wissen, auf welcher Ebene sie arbeiten. Und sie sind fähig, gezielt andere Fachkompetenzen hinzuzuziehen oder sich selbst weiter zu qualifizieren.
Ein krankes Haus benötigt mehr als einen guten Stern. Erst müssen die materiellen Ursachen der "Hauskrankheit" beseitigt werden, bevor wieder Lebensenergie einziehen kann. Versäumt der Geomant dies, wird seine Beratung wohl kaum zum Erfolg führen. Diese Sichtweise schließt andere Ebenen und Bereiche keineswegs aus, sondern ergänzt diese nur sinnvoll. Auch der Baubiologe muss fachübergreifend denken und handeln lernen. Wenn er ganzheitlich handeln möchte, hat er die Möglichkeit, einen Geomanten oder anderen Berater hinzuzuziehen. Denn ein gesunder Körper ohne Seele ist auch nur eine tote Hülle.
Das ist der Grund, weshalb ich mich engagiere, sinnvolle Schnittstellen aufzuzeigen und die Baubiologen und Geomanten fachlich in Kontakt zu bringen. Zusammen mit Hans-Jörg Müller von Axis Mundi veranstalte ich deshalb im Juni zu diesem Thema die Fachkonferenz "Geomantie meets Baubiologie" (siehe dazu die Ankündigung auf Seite 6). Der internationale baubiologische Zukunfts-Kongress über Gesundheit, vitales Wohnen und erfolgreiches Arbeiten setzt genau hier an und versucht neue, zukunftsweisende Themen aufzuzeigen und wünschenswerte Kooperationen zu initiieren. Die Zeit ist mehr als reif dafür, dass eine fachübergreifende Konferenz von Geomanten und Baubiologen stattfindet, denn beide haben die gleichen Wurzeln und die gleichen Ziele.

Der Berufsverband Deutscher Baubiologen - VDB e.V. bietet umfangreiche Informationen unter www.baubiologie.net und Fachberatung unter der bundesweit gebührenfreien Rufnummer (0800) 2001007.

Wissenschaftliche Datenbanken zum Elektrosmog:
Dokumentationsstelle Elektromagnetische Strahlung und Gesundheit (ELMAR): http://131.152.226.42/index.html. • Datenbank über die Einwirkungen elektro-magnetischer Felder auf den Organismus (WBLDB):
http://wbldb.femu.rwth-aachen.de.