Da lief sie hin und in den Berg hinein .
Der Ethnologe Kurt Derungs kam ursprünglich über seine Märchenstudien zur Beschäftigung mit Landschaftsmythologie und Matriarchatsforschung. In seiner Edition Amalia publiziert er über diese Fachgebiete und leistet damit -einen wichtigen Beitrag zur zeitgenössischen Geo-mantie. Hier greift er eines seiner -Lieblingsthemen, das "Zaubermärchen", auf und erläutert dessen landschaftliche Bezüge.
Geschichten mit magischen Inhalten erleben in den letzten Jahren eine große Verbreitung. Dabei spielen die Verfasser mit Mythenmotiven, die sie wahllos einsetzen und oft arg durcheinander bringen. Dennoch erfinden sie das Rad nicht neu, sondern bedienen sich der Gestalten und Dinge, die auch in tradi-tionellen Überlieferungen vorkommen. Zu diesen Überlieferungen gehören die Märchen, die leider viel zu wenig als geschichtliches Kulturgut Beachtung finden. Vielleicht liegt das daran, dass man sie zu sehr pädagogisiert und zu stark psychologisch gedeutet hat. Galten Märchen früher lediglich als "Ammengeschichten" in der Kinderstube, so werden sie heute als "Seelenspiegel" in der therapeutischen Praxis hochstilisiert. Das Märchen muss sowohl vom Vorurteil der Lügengeschichte als auch aus der Vernutzung als beliebige Projektionsfläche befreit werden. Dazu dient meines Erachtens die kulturgeschichtliche Her-angehensweise, die tatsächlich eine Menge ethnologischer, religionswissenschaftlicher und naturphilosophischer Gesichtspunkte erschließen kann. So entdecken wir in den eigentlichen Märchen - den Zaubermärchen mit ihrem magischen und "übernatürlichen" Weltbild - Spuren einer schamanischen Glaubenswelt, totemistische Anschauungen sowie verkappt Gestalten und Symbole einer matriarchalen Mythologie. Dazu spielen Märchen in einer Landschaft oder berichten wie die Sagen von Bergen, Steinen, Quellen, Bäumen, Höhlen, Früchten und vielen anderen Naturphänomenen.
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