Raumqualität

Über die Wechselwirkung zwischen Mensch und Ort

von Noemi Kempe erschienen in Hagia Chora 18/2004

Die Qualität eines Raums, die Menschen offenbar mit ihrem "sechsten Sinn" wahrnehmen, ist für die Physikerin Noemi Kempe ein essenzieller Faktor in allen Lebensprozessen. Sie sucht nach Möglichkeiten, Aspekte dieser ganzheitlichen Wahrnehmung wissenschaftlich nachvollziehbar zu machen.

Die Qualität eines Raums, die Menschen offenbar mit ihrem "sechsten Sinn" wahrnehmen, ist für die Physikerin Noemi Kempe ein essenzieller Faktor in allen Lebensprozessen. Sie sucht nach Möglichkeiten, Aspekte dieser ganzheitlichen Wahrnehmung wissenschaftlich nachvollziehbar zu machen.

In der Geschichte aller Kulturen finden wir Hinweise darauf, dass unsere Vorfahren sehr bewusst die Plätze für Wohnen, für Viehweiden, für mediale Tätigkeit, für Friedhöfe und für die Kommunikation mit dem Universum - so genannte Kultplätze - ausgewählt haben. Im Zug der Entfaltung eines wissenschaftlichen Denkens, das noch lange Zeit magische Aspekte integrierte, sprachen viele Gelehrten von der Einheit aller lebenden Wesen und der Erde. So entstand z. B. in China die Feng-Shui-Lehre über die Energien in Lebensräumen und deren Bedeutung für Menschen. Gehen wir in der Geschichte weit genug zurück, stoßen wir auf die nur schwer nachvollziehbaren megalithischen Steinsetzungen auf dem ganzen Erdball, deren Alter oft mehr als 5 000 Jahre beträgt. Noch heute spüren die Menschen die besondere Ausstrahlung solcher Orte; man spricht von "Orten der Kraft", da man subjektiv meist ein Wohlbe- finden, manchmal aber auch negative Emp- findungen auf solchen Plätzen verspürt.

Wahrnehmung der Raumqualität
Ein großer Gelehrter des 20. Jahrhunderts, der Biochemiker und Geobiologe Wladimir I. Wernadskij führte den Begriff der Noosphäre für den Raum um die Erde ein, in dem Leben existiert und sich weiter entwickelt (Wernadskij 1962). Moderne Wissenschaften wie Kosmobiologie, Biokybernetik, Biosoziologie, Kosmogonie, Physik usw. sind sich heute einig, dass selbstregulierende, offene, evolutive biologische Systeme (Mensch, Pflanze, Tier) für alle Lebensvorgänge und die damit verbundenen Aufgaben äußere Signale (Felder) brauchen, in denen die essenzielle Information zur Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der Homöostase (Gleichgewicht der physiologischen Körperfunktionen) und Homöorese (evolutionäre Entwicklung des Organismus) enthalten ist. Diese Information ist sehr vielfältig und untersteht bestimmten kosmischen Gesetzen und Hierarchien. So brauchen z. B. alle Lebewesen für ihre Existenz einige Informationen, die unmittelbar von der Erde stammen: das Erdmagnetfeld, so genannte Schumannresonanzen und bestimmte subtile Signale von Erdmineralien. Ebenso benötigen wir eine Reihe kosmischer Informationen, die von jedem einzelnem Individuum zu bestimmten Zeiten und am besten an bestimmten Orten in Empfang genommen werden sollten. Unsere Erde und alles auf ihr Lebende ist ein komplexes lebendiges, sich entwickelndes System. Das Wissen darüber ist in jedem Menschen vorhanden, doch haben die stürmische Entwicklung der Technik und der anwendungsbezogenen Wissenschaften unser Leben so verändert, dass dieses Wissen weit ins Unbewusste verdrängt wurde. In den letzten zwanzig Jahren zeichnet sich jedoch der erfreuliche Trend ab, dass Menschen wieder Sensibilität gegenüber ihrer Umwelt entwickeln. Inzwischen wird dieses Interesse für Raum- und Zeitqualität immer mehr Ziel wissenschaftlicher Überlegungen, Untersuchungen und Experimente. Entsprechend wächst auch das Interesse an der Radiästhesie als einer möglichen Methode, die Qualität des Lebensraums zu erkunden. Allerdings tut sich die Lehrwissenschaft schwer, die Wirkung verschiedener Raumqualitäten anzuerkennen. Man wünscht "messbare Beweise". Die Raumqualität ist allerdings nicht einfach zu messen; der Mensch mit seinen Sinnen ist hier der Technik nach wie vor weit überlegen. Deshalb besteht unsere Forschung darin, diesen nur mit dem "sechsten Sinn" bestimmbaren Qualitäten mehr Objektivität zu verleihen. Seit über zehn Jahren beschäftigt sich unser Institut bereits mit dieser Problematik. Wir untersuchen gemutete Orte auf ihre Wirkung auf den menschlichen Organismus und führen dort Messungen des Erdmagnetfelds mit sehr guten und sensiblen Messinstrumenten durch. (Kempe 2000). Solche Experimente haben wir schon an vielen Orten im In- und Ausland durchgeführt (Kempe 1998).

Messungen an besonderen Orten
Unsere Untersuchungen laufen immer nach folgendem Muster ab: Mit Hilfe radiästhetischer Messungen werden interessante Plätze und anschließend in der Nähe neutrale Plätze eruiert. Sowohl auf dem neutralen als auf dem radiästhetisch wirksamen Platz vermessen wir Probanden mit dem Expertensystem IMEDIS.* Dazu begeben sich die Versuchspersonen jeweils für 15 bis 30 Minuten auf die beiden getesteten Stellen, wo wir meist drei Tests ausführen: Segmentar- Diagnostik, biofunktionale Organometrie und einen vegetativen Resonanztest. Einige Parameter, die sich daraus ergeben, sind der Grad der geopathogenen, radioaktiven und elektromagnetischen Belastung, der biologische Index sowie der Adaptationsgrad des Organismus. Anschließend vermessen wir das Areal räumlich und zeitlich mit dem Protonenresonanz-Magnetometer G856 der Firma Geometrics. Im Folgenden möchte ich eines unserer jüngsten Experimente in der Nähe der österreichischen Ortschaft Nöstach schildern. Die Idee zu diesem Projekt gab uns der Gemeindehistoriker Alfred Bartak, der in langjähriger Arbeit interessante Orte in der Gemeinde Nöstach entdeckt hat. Drei von ihnen haben wir für unsere Arbeit ausgewählt: den "Kommunikationsplatz" (Abbildung links oben), den Platz neben dem so genannten Wächterstein (dort fanden wir einen "guten" und einen "schlechten" Punkt) sowie den "Krater", an dem wir ungewöhnliche Erdmagnetfeld-Strukturen festgestellt haben. Auf dem Kommunikationsplatz arbeiteten wir mit vier Probanden. Die nebenstehenden Abbildungen zeigen die Resultate der Segmentardiagnostik einer Testperson vor und nach Aufenthalt auf dem Platz. Sie zeigen, dass dieser Ort die Homöostase des Menschen stärkt. Unserer Erfahrung nach deutet dies darauf hin, dass dieser Platz reichlich spezifische Bioinformation besitzt. Sie erhöht die Empfänglichkeit der Menschen für kosmische Information, die in den irdischen Feldern gespeichert ist und an solchen Orten weitergegeben wird. Auch der zweite Platz neben dem Wächterstein brachte interessante Resultate. Wir arbeiteten hier mit fünf Probanden und konnten deutliche Unterschiede in der Wirkung des "guten" und des "schlechten" Platzes feststellen. Bei denjenigen Testpersonen, die über eine stabile Homöostase verfügten, beobachteten wir geringere Dysfunktionen und einen optimierten energetischen Zustand; sogar vorherige Belastungen, auch technogener Art, wurden neutralisiert. Auf dem "schlechten" Platz verschlechterten sich mehrere Parameter der Homöostase, die Dysfunktionen wurden stärker, die Messungen an den Kontrollpunkten der Meridiane zeigten mehr Abweichungen von der Norm etc. Bei Probanden, deren Homöostasezustand von vornherein geschwächt war, wirkten die Plätze ebenfalls. Doch um eine durchgehende Besserung z. B. auf dem guten Platz zu erreichen, mussten sie längere Zeit darauf verweilen. Die Wirkung des guten Platzes hielt noch lange an. Bei Probanden, die sich 20 Minuten dort aufgehalten hatten, zeigte sich anhand anschließender Messungen auf dem schlechten Platz, dass dessen negative Wirkung nur noch gedämpft spürbar war.

Menschen beeinflussen den Ort
Hochinteressant sind auch einige Erdmagnetfeldmessungen. Schon 1994 entdeckten wir den bemerkenswerten Effekt, dass auf bestimmten Stellen, die wir später "energiesenkende Plätze" nannten, immer wieder die folgende Wechselwirkung zwischen dem Ort und einem Lebewesen zu beobachten war: Der Wert des Magnetfelds, der sonst konstant ist, erfährt langsam ein stetiges Wachsen oder Fallen, wenn auf diesem Platz ein lebendes Wesen, Mensch oder Tier, einige Zeit (10 bis 20 Minuten) verweilt. Wenn ein Mensch auf diesem Platz bestimmte Bewegungen ausführt, verstärkt sich die Wirkung. Wir haben diese Effekte an mehreren Stellen, wie z. B. unter der Kirche St. Georg in Adriach (Steiermark), an bestimmten Stellen im Park neben dem Schloss Eggenberg in Graz, in der Kirche in Irdning (Steiermark), in einer alten Kirche in St. Oswald (Ost-Tirol), in der Nähe des "Skorpion-Steins" (Niederösterreich) und an vielen anderen Plätzen, darunter frühe Kultplätze, festgestellt. Die gemessenen Veränderungen erreichten die enormen Werte von bis zu 500 Nanotesla (nT) Abweichung innerhalb von 15 bis 30 Minuten. Genau diesen Effekt konnten wir auch am "Krater" in Nöstach feststellen. Mit diesen Messungen haben wir eine gewisse Objektivierung der besonderen Situation auf diesen drei Plätzen erbracht. Nach unserer Erfahrung lohnt es sich, diese Plätze den Menschen als besonders beachtenswert vorzustellen und sie dazu anzuregen, dort auf ihre Wahrnehmungen zu achten. Im Jahr 1998 haben wir ähnliche Messungen in der Johanniskapelle in Pürg (Steiermark) durchgeführt und darüber berichtet. In der Folge haben Hunderte von Menschen ihre eigenen Erfahrungen an besonders stark wirkenden Plätzen in der Kapelle gemacht; sie haben gelernt, solche Plätze zu "erfühlen" und dort einen harmonischen seelisch-geistigen Zustand zu finden. Die Rückkehr zur Natur, die Entwicklung des in uns schlummernden Gespürs für die Qualität des Ortes ist für uns Menschen heute lebenswichtig. Jeder der Orte, an denen wir geforscht haben, hielt faszinierende Entdeckungen für uns bereit, die uns weiter motivieren, diese umfangreichen und arbeitsintensiven Messungen fortzuführen. Sie unterstützen uns, immer mehr mit unserer Mutter Erde vertraut zu werden und unseren Platz auf ihr zu finden.

* Das Expertensystem IMEDIS wurde nach rund zwanzigjähriger Erfahrung und wissenschaftlichen Vorforschungen in einem Institut gleichen Namens in Moskau entwickelt. Der Leiter dieses Instituts, Prof. Y. Gotowsky ist gleichzeitig Lehrstuhlinhaber der Fakultät "Systeme und kybernetische Steuerung" an der Moskauer Technischen Universität (MEI). IMEDIS-Geräte werden für Diagnosen und Therapien international eingesetzt. In Russland und in den Ländern der ehemaligen UdSSR sind die Geräte auch von den Gesundheitsbehörden anerkannt

Literatur: W. Wernadskij, Geobiosphäre der Erde (russisch 1962); N. Kempe; Zum Nachweis der Gitternetze mittels Magnetometrie. VI Kongress des IAG 2000; N. Kempe. Bericht zum Forschungsauftrag "Untersuchung der sensorischen Objekt-Subjektbeziehung bei standortabhängigen Reaktionen lebender Organismen", GZ 602.506/6/93; N. Kempe, Bericht zum Forschungsauftrag GZ 140.50773- VII/4/97, Teil I, Teil II und Teil III (siehe auch: N. Kempe, Raumqualität im Leben von Menschen, im Band "1. Interdisziplinäre Fachtagung Vermessungskunstwerk Grimmingsregion" 1998).