Radiästhesie und Musik

Wenn Musik unter die Haut geht

von Eike Georg Hensch erschienen in Hagia Chora 18/2004

Musik war immer ein magisches Medium. Großartig geschöpfte Musik kann in einen Menschen hineingreifen und tief Verborgenes hervorholen, wie keine andere Kraft. Der Radiästhesie-Exeperte Eike Hensch lauscht als Mitglied eines Ensembles für Alte Musik dem Geheimnis jener Kräfte auch mit seinen radiästhetischen Instrumenten mit großer Virtuosität nach.

Radiästhesie und Musik
Mancher denkt beim Thema Radiästhesie und Musik an die schlechte Hörsamkeit von Räumen und Konzertsälen durch linkszirkular abstrahlende Wasseradern. Dieses Phänomen lässt sich tatsächlich beobachten, doch im Folgenden möchte ich bemerkenswerte, auf geistiger Ebene wirkende Themen ansprechen. Wer den Umgang mit der H3-Antenne oder der Lecherantenne beherrscht, wird bald bemerken, dass viele Dinge in unserem Umfeld eine geistige Handschrift haben. Das kann ein bedeutsames Gebäude sein, wenn dem Architekten ein entsprechendes geistiges Potenzial gegeben war. So ist es auch in der Musik, wenn hinter einer Komposition ein großer Mensch stand, der aufgrund seines Gedankenpotenzials mit seiner Musik noch lange nach seinem Tod Konzertsäle und Kirchen füllt. Meine radiästhetischen Untersuchungen an Werken der Komponisten Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven und Gustav Mahler haben ergeben, dass bestimmte Teile von Partituren radiästhetisch erfassbare Schwingungen im biokybernetischen Bereich erzeugen, d. h. sie wirken unmittelbar sowohl auf die körperliche wie auf die seelisch- geistige Ebene des Menschen ein. Mit der Lecher- oder der H3-Antenne sind entsprechende Reaktionen feststellbar, sowohl wenn man die Rute über eine bestimmte Partiturstelle bewegt als auch beim Hören der Musik im Konzert oder als Aufnahme.

Heinrich Schütz
Erstes Beispiel ist das vierstimmige Magnifi- cat von Heinrich Schütz (1585-1672). Hier beginn der Diskant (die höchste bzw. Sopranstimme) um eine Viertelnote verspätet. Der Musikdozent Peter Thalmeier verglich diese Geste mit der Situation, in der ein Ehepaar einer Kleinstadt wenige Sekunden vor Beginn der Veranstaltung in den Konzertsaal tritt, um für einen kurzen Moment alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Untersuchen wir dieses Werk radiästhetisch, finden wir genau erfassbare kapazitive Schwingungen, die mehr als nur phonetische Ausdruckskraft oder Klangsprache im Sinne Nikolaus Harnoncourts sind. Der Begriff "kapazitiv" ist aus der Elektrotechnik entlehnt und bezeichnet dort ein durch Strom erzeugtes elektrisches Feld. Durch den Strom entsteht um die Leitung herum ein induktives Magnetfeld. In der psychodynamischen Radiästhesie (nach Lüdeling), die über die Untersuchung elektromagnetischer Phänomene hinausgeht, verwendet man die Begriffe induktiv und kapazitiv im übertragenen Sinn. Auch bei den Menschen gibt es "Kapazitäten" und "Hinterherläufer". Etwas Kapazitives ist in diesem Verständnis ein geistig erzeugtes Feld, das konstant bleibt, d. h. nicht mit der Zeit schwächer zu werden scheint, während induktive Felder Folgeerscheinungen darstellen. Zur Beurteilung der Qualität solcher kapazitiver, also geistiger Wirkungen, eignet sich die Skala der Lecher- und der H3- Antenne, deren Werte nicht nur natürlichen Phänomenen, sondern auch verschiedenen geistigen Zuständen zugeordnet sind. Der Theologe und Radiästhet Candi sagt: "In der Radiästhesie begegnen sich Geist und Materie." Genau um diese Begegnung geht es mir, wenn ich über die Wirkung von Musik spreche. Ich meine weder rein ästhetische oder akustische Wirkungen, sondern ich meine die Ebene der Musik, die unter die Haut geht, die einem bei einem kühnen Klang eine Gänsehaut über den Rücken jagt oder unwillkürlich Gefühle von Glück oder Traurigkeit hervorrufen kann. Solche Wirkungen erfassen den Menschen als Ganzes, und etwas Ganzheitliches ist eben nicht mit den reduktionistischen Methoden der Wissenschaft messbar oder einzuordnen. Wir können mit radiästhetischen Werkzeugen eine Meta-Ebene betreten, die uns differenzierte Aussagen über die jeweilige Qualität dieser ganzheitlichen Wirkung der Musik erlaubt. Wenn durch höhere Gewalt die Mächtigen vom Stuhl purzeln, wie es im Magnificat in den Takten 87 bis 91 heißt, reagiert auch die H3-Antenne in der Partitur entsprechend (LA/H3 7,4 cm, "Risse, Zerstörung"). Die biokybernetische Wirkung der Passage "und erhöhet die Niedrigen" (Takt 92 ff.) ist der geomantischen Wirkung von Höhenzügen und Bergen vergleichbar. Diese sind Entstehungszonen rechtszirkular geomantischer Zonen, die die Landschaftsregion gut und göttlich beeinflussen (LA/ H3 5,35 cm). An anderer Stelle finden wir im Magnificat eine leere Quinte, also einen Schlussakkord ohne füllende Terz, wie auch alle Schlussakkorde des Requiems von Mozart diese leere Quinte aufweisen. Bei Heinrich Schütz ist dieser leere Schlussakkord bezeichnenderweise auf die Silbe "leer" komponiert. Wenn dann gegen Ende der Vater Abraham in homophoner Klangsprache in Erscheinung tritt, wirkt dies wie ein Leuchtturm im Meer und strahlt zugleich Lebenskraft ab (LA/H3 6,9 cm).

Johann Sebastian Bach
Bei Johann Sebastian Bach (1685-1750) wird die Parallele von musikalischer Wirkung und Architektur deutlich, wenn er über das Filigran der beiden Eingangschöre in der Matthäus-Passion (BWV 244) den strahlenden Choral durch einen Knabenchor im Sinn einer Verbreiterung sämtlicher Stimmen setzt. Hier wirkt ein Zeitmetrum, eine "Vergrößerung", die in der Architektur dem Palladianismus vergleichbar ist: Der italiensche Renaissance-Architekt Andrea Palladio (1508-1580) setzte vor zweigeschoßige Fassaden Säulen oder Halbsäulen, die eine Eingeschoßigkeit suggerieren - in vergrößertem Maßstab. In diesem Passions- Oratorium finden wir in einem Arioso eine markante Stelle, bei der es um die LA/H3- Werte 9,35 cm, rechtsdrehend "Wachheit" und linksdrehend "Schlaf" geht. Die Oboe spielt, und der Sänger singt: "Ich will bei meinem Jesu wachen", wobei bei dem Wort und bei den dazugehörigen Noten "wachen" die H3-Antenne rechtszirkluar und bei dem Text- und Notenteil "so schlafen unsere Sünden ein" linksdrehend reagiert. Spannend wird die radiästhetische Untersuchung an der Partitur der Matthäuspassion bei dem Chor "Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden?". Bach komponiert das Zucken der Blitze in Achtelnoten, die gegenüber dem zweiten Chor um eine Achtelpause versetzt sind. Die instrumentalen Bässe unterstreichen den grollenden Donner durch Folgen von Sechzehntelnotenläufen. Wendet man die radiästhetische Testobjekttechnik an, gehen die Noten und Textteile für "Blitze" und auch der "Donner" mit einem an der Rute befestigten Splitter eines vom Blitz getroffenen Baums, der für geomantische Grundstücks-Untersuchungen eingesetzt wird, in Resonanz und zeigen deutliche Reaktionen. Das Testobjekt "Blitzsplitter" reagiert deshalb auch beim Donner, weil dieses Geräusch ja nichts weiter als das Knistern bei Entladungserscheinungen ist. Bei Hausuntersuchungen verwende ich zwei Takte dieser Partitur zusammengerollt als Testobjekt für Blitzeinschlagstellen. Auch der sprichwörtliche "Gedankenblitz" hängt mit diesem Thema zusammen: An Stellen, die den Blitzeinschlag begünstigen (3. Gitter und rechtsdrehende Wasserader), finden sich üblicherweise Predigtkanzeln der europäischen Kirchen bis etwa zum Ende des 19. Jahrhunderts. Diese geomantische Struktur wird auch "Linie der Beredtsamkeit" genannt (LA/H3: 4,1; 8,2; 3,1 cm). In der Matthäuspassion finden sich im Rezitativ des Evangelisten "Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stück" in den Bässen abwärts eilende Tonleitern von Zweiundreißigstelnoten, die das Zerreißen des Vorhangs artikulieren. Hier reagiert die H3-Antenne auf den Wert 7,4 cm "Risse, Zerstörung". Im nachfolgenden "Und die Erde erbebete, und die Felsen zerrissen" reagiert die Antenne an den Continuo- Noten auf das Prinzip "Verwerfung" (LA/H3-Wert 8,6 und 4,3 cm). Auch in Bachs Johannespassion (BWV 245) findet sich im Rezitativ des Evangelisten, welches das Zerreißen des Vorhangs beschreibt, eine ähnliche Bassfigur mit gleicher radiästhetischer Wirkung. In unserem Haushalt erleben wir diese Schwingung bei zerbrochenem Geschirr oder bei Grundstücken mit Erdspalten. In der Architektur tritt sie bei gekröpften Wandteilen zwischen Schrank und Wand auf, wenn diese nicht genügend Abstand haben. Dasselbe gilt bei gebrochenen Fundamenten. Proportionen, also Verhältnisse zwischen zwei Schwingungslängen, bilden Rechtecke, die man als Flächenantennen mit besonderer Wirkung bezeichnen kann. Am Ende der Matthäuspassion hören wir, musiziert von beiden Doppelchören, einen homophonen Abschnitt, der bis zum Schlussakkord reicht. Dieser Schlussakkord erscheint in der obersten Stimme (Flöte) durch die geblasene Septime als kurzfristige Disharmonie, die hier die drängende Auflösung zur Oktave erforderlich macht. Ebenso wirken die Proportionsverhältnisse der Septime in der Architektur auf den Betrachter unentschieden und finden in der Oktave (zwei übereinandergestellte Quadrate) ihre Erlösung.

Ludwig van Beethoven
Offensichtlich manifestieren sich durch kapazitive Einkoppelung Gedankenschwingungen des Menschen in seinem künstlerischen Werk. So zeigt sich beim letzten Satz der sechsten Symphonie "Pastorale" von Ludwig van Beethoven (1770-1827), opus 68, "Hirtengesang - frohe, dankbare Gefühle nach dem Sturm", bei den Takten 28 und 29 eine radiästhetische Reaktion auf die H3-Werte 3,1, 7,8 und 9,2, die mit dem Wasserthema im Einklang stehen. Mit Hilfe dieser beiden Takte ließ sich eine natürliche Wasserader in ihrer Wirkung (Intensität und Polarisation) beeinflussen. Bei diesem Versuch haben wir die Partitur mit der beschriebenen Seite des Blatts nach unten zeigend auf die Schwerpunktlinie der Wasserader gelegt.

Gustav Mahler
In der Wandlungsphase von der klassischen Orchestermusik zur musikalischen Neuzeit schrieb der Komponist Gustav Mahler (1860-1911) seine Symphonien. Nicht immer geht es hier um reine Klangmacht, die er mit großem Orchesterapparat gelegentlich durchaus erreicht, sondern meist um ein filigranes Klanggewebe, das quasi kammermusikalisch auch in seiner vierten Symphonie gehört werden sollte. Hier tritt der Konzertmeister mit zwei Violinen auf. Eine von ihnen ist um einen Ton höher gestimmt. Diese Violine in Scordatur (umgestimmt) kommt im zweiten Satz ab Takt 6 zum Einsatz. Durch dieses aufgrund der höheren Saitenspannung gegenüber dem Orchesterklang präsenter klingende Instrument entsteht eine Art akustische Vordergründigkeit, vergleichbar mit einem aquarellierten Bild, bei dem warme Farbtöne vordergründig angewendet werden. Bei Mahler wird an dieser Stelle das Horn ab Takt 8 gestopft geblasen. Dieser gedämpfte Klang vermittelt akustische Ferne, die in der bildhaften Darstellung dem Indigoblau eines fernen Horizonts vergleichbar ist. So entsteht räumliche Klangtiefe - ein Beitrag zur Mehrdimensionalität in der Musik. In seiner achten Symphonie, der so genannten Symphonie der Tausend, setzt am Schluss bei Takt 218 ein Fernorchester aus Blechblasinstrumenten ein. Die Partitur gibt hier an: "isoliert postiert". Diese räumliche Mehrdimensionalität verursacht bei vielen Hörern eine Gänsehaut mit dem LA/H3- Wert 3,15 cm, kapazitiv (Dieser Wert steht u. a. für das Phänomen "Gänsehaut"). Musik zeigt Wirkung - nicht nur indem, wie gelegentlich in der Presse berichtet wird, Kühe bei quintenreicher Musik mehr Milch geben. Unsere Untersuchungen mit radiästhetischen Feinmessintrumenten zeigen vielmehr, dass es offenbar eine biokybernetische Wirkung gibt, die Menschen beeinflusst, verändert und wohlgestimmt oder auch aggressiv macht. Dieser Beitrag möge interessierte Musiker wie Radiästheten dazu anregen, sich mit diesem Thema weiter zu beschäftigen.


Literatur:

Schmieder, W. (Hrsg.): Thematisch-systematisches Verzeichnsi der musikalischen Werke von Johann Sebastian Bach, Leipzig 1971

Harnoncourt, Nikolaus: Musik als Klangrede - Wege zu einem neuen Musikverständnis, Salzburg und Wien, 1982

Eike G. Hensch: Geomantische Reisen - Eine Wahrnehmungsschule, Nienburg 2001

Koepf, H.: Baukunst in fünf Jahrtausenden, Stuttgart 1963

Mauthe, R.: Lecher-Antenneneinstellwerte, Anton-Bruckner- Straße 18, D-71083 Herrenberrg, 1998

Lüdeling, Hartmut: H3-Werte-Tabellen, ARGO, Vechtestraße 2, D-33775 Versmold, 2003

Schruff, C.: Als die Töne sprechen lernten - Barockmusik und historische Aufführungspraxis, aus: Zum Hören verführen - Wege zur Musik. Schrift Nr. 2 der katholischen Landvolksschule "Schormlemer Alst", Freckenhorst 1996

Thalheimer, P.: Probenseminar mit dem Ensemble Alte Musik, Nienburg 2003 Werk.