Der Kristallplanet, Teil 10

Ideengeschichte der globalen Gitternetze

von Marco Bischof erschienen in Hagia Chora 18/2004

Die Idee von einem ursprünglichen kosmischen Ordnungsprinzip, auf dem die Schöpfung beruht, und das sich in der Geometrie oder in der Musik offenbart, bildet die Grundidee der Kristallplanet-Theorien. Marco Bischof stellt in dieser Folge Forschungen vor, die eine Existenz solcher Vorstellungen in archaischen Kulturen nahel egen, abgeleitet aus deren mythologisch verschlüsseltem astronomischem Wissen und musikalischen Traditionen.

Der Kristallplanet
Unsere Serie führt uns weiter durch die pythagoräisch-platonischen Hintergründe der Vorstellungen vom Kristallplaneten. Wir befassen uns, wie auch in den vorigen Beiträgen, mit der mathematisch-musikalischen Mystik der pythagoräischen Tradition, die auch die Konzepte von der kristallinen Struktur der Erde inspiriert hat. Diese Tradition kommt einerseits dem archaischen Denken der alten Kulturen näher als viele andere Ansätze, weist andererseits aber auch eine fundamentale Verwandtschaft mit der neuen wissenschaftlichen Logik der Quantentheorie auf, wie eine Reihe von Forschern der vergangenen Jahrzehnte festgestellt haben. Diese und die nächste Folge beschäftigen sich mit der Arbeit von fünf Wissenschaftlern, die sich in jüngster Zeit mit der akustischen Kosmologie der archaischen Kulturen beschäftigt haben, nämlich Giorgio de Santillana, Hertha von Dechend, Marius Schneider, Antonio T. de Nicolás und Ernest G. McClain. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Wissenschaftsgeschichte der jüngsten Zeit ist wohl diejenige, dass der Ursprung der Wissenschaft weit früher anzusetzen ist, als man noch vor kurzem annahm; er geht offenbar zurück bis in die archaische Periode weit vor der Erfindung der Schrift. Einen der frühesten und wertvollsten Hinweise darauf verdanken wir den beiden Wissenschaftshistorikern Giorgio de Santillana (1902-1974), der Professor für Wissenschaftsgeschichte am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston war, und Hertha von Dechend (1915-2001), bis zu ihrem Tod Inhaberin des Lehrstuhls für Wissenschaftsgeschichte an der Universität Frankfurt.