Kraftstrukturen einer Stadt

Zur Geomantie Bremens - Teil 1

von Deert Jakobs , Karina Loos , Maria Ruhl erschienen in Hagia Chora 18/2004

Dieser Artikel ist eine Annäherung von drei Autoren - einer Stadtplanerin, Architektin und Körpertherapeutin, einer Feng-Shui-Beraterin sowie einem Geomanten und Künstler - an das Wesen und an die geomantischen Strukturen Bremens. Nach dem hier wiedergegebenen einführenden Teil werden in der nächsten Ausgabe von Hagia Chora die angeschnittenen Themen vertieft, geomantische Strukturen beschrieben und analysiert. Die Ergebnisse der Geomantie- Symposien der Jahre 2002, 2003 und 2004 fließen in die Betrachtungen ein.

Kraftstrukturen einer Stadt
In Bremen sind alle Plätze klein, die Wege kurz, alles erscheint langsam, und nichts wirkt erschreckend. Will man auf Reisen gehen und Bremen dennoch nicht verlassen, so spuckt man einfach in die Weser oder greift den Schweinen in der Sögestraße an ihre Ringelschwänzchen. So kann man Bremen gleichsam in die Tasche stecken und mit in die Welt nehmen. Vermutlich haben das schon viele getan, viele, die Bremen verlassen haben und die zahlreichen und langen Wege gegangen sind, die die Stadt mit dem Rest der großen Welt verbindet - seien es die ersten christlichen Missionare, die von St. Ansgar ausgingen und Nordeuropa tauften, die Auswanderer, die die Moore gegen die Prärie von Nordamerika eintauschten, oder die Pioniere, die von Bremen aus erst die Meere, dann Afrika und dann das Weltall erkundeten. Vielleicht ist Bremen auch deswegen so klein geblieben, weil jeder Reisende ein Stück der Stadt mit in die Welt nahm. Manchmal kann es passieren, dass einen in Bremen das Gefühl beschleicht, dass es die Stadt gar nicht gibt. Der Ort scheint dann nur noch aus Wegen zu bestehen, die aus der Ferne herführen und wieder in eben diese verschwinden. Auf einem dieser Wege müssen auch jene vier berühmten Musikanten gekommen sein, die den Aufbruch ins Ungewisse wagten und auf die Bremen so stolz ist, dass die Stadt sie zu Ehrenbürgern erhob und ihnen ein Denkmal setzte, obwohl sie nie in Bremen ankamen. Sie bezogen schon am ersten Tag ihrer Wanderschaft ein kleines Häuschen im Walde. Man munkelt, dass die Musikanten noch immer auf einem Hügel vor der Stadt hausen, wo früher ein Galgen stand und heute Krähen kreisen.

Die Stadt und ihr Wasser Vor der Besiedelung gab es im Bremer Landschaftsraum eine Vielzahl von Bächen und Flüssen, die sich aus allen Himmelsrichtungen mit der Weser, dem Hauptstrom, vereinigten. Die Landschaft bestimmte auch das stehende, dunkle, saure und modrige Wasser der Moore, Sümpfe und Tümpel. In Küstennähe wurde das Land bei Sturmfluten bis auf eine Tiefe von 100 km überschwemmt. Dort pulst die Landschaft im Sechs-Stunden-Rhythmus der Tide. Sie wirkt sich nicht nur als Ebbe und Flut über die Flüsse aus (die Weser hat, da sie durch ein Wehr gestaut wird, im Stadtgebiet einen Tidenhub von immerhin 4 Metern), sondern auch über den Grundwasserspiegel. Auch heute noch hebt und senkt sich in den Moor- und Sumpfgebieten der Boden. Hinzu kommt der reichliche Niederschlag, der sich auf den schweren Böden schnell zu großen Wasserflächen staut. Man kann diesen Landstrich also getrost als Wasserland bezeichnen.

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