Gut, dass wir nicht alles wissen

Eine Art Vorwort zu dieser Ausgabe

von Johannes Heimrath , Lara Mallien erschienen in Hagia Chora 18/2004

Gut, dass wir nicht alles wissen
Während wir mit einer kleinen Reisegruppe die irische Abteiruine Boyle studienhalber radiästhetisch untersuchten-Boyle Abbey ist ein Beispiel für gezielt verlegte Wasserleitungen unter dem Chor - beobachtete uns eine Gruppe Bauarbeiter mit wachsendem Interesse. "What the hell are you doing?" fragten sie bald, und statt einer Erklärung drückten wir zweien von ihnen einfache Winkelruten in die Hand. Der eine ging schwer und sorgsam mit den Ruten auf und ab, und sehr zu seinem Kummer bewegte sich gar nichts. Der andere setzte ein irisches Lächeln auf und begann zu strahlen wie ein Honigkuchenpferd, als sich die Ruten in der Mitte des Kirchenschiffs kreuzten. Radiästhesie ist für uns - bei allem Ernst, mit dem wir hier an das Thema herangehen - eine heitere Kunst. "Hurra, wir basteln uns eine Theorie", ist unser wichtigster Merksatz, wenn wir gemeinsam mit befreundeten Radiästheten über das Wie und Warum alter Kultstätten rätseln. Aufrechte Wissenschaftler wissen: Sie tun nichts anderes.

In den Hagia-Chora-Ausgaben der letzten beiden Jahre ging es selten um einzelne messbare Phänomene, sondern um den Blick auf das Ganze. Wir suchten Kontakt mit dem ganzen, wilden, unbegrenzten Leben in all seinen diesseitigen und andersweltlichen Aspekten. Die unbekannten, unbewussten, höchstens fühlbaren Bereiche des menschlichen Bewusstseins, denen man als rational geprägter Europäer nur schwer näherkommt, waren die wichtigen Bezugspunkte unserer Autorinnen und Autoren. Nach Klärung in den Heften 10 und 11, was Geomantie überhaupt sei, folgten die Ausgaben 12 bis 17 einer Art aufsteigend-zyklischer Komposition über verschiedene Lebensaspekte: Geschichte, Landwirtschaft, Ökologie, Siedlungskultur und Kunst. Der Zyklus begann bei der "Archäologie des Unsichtbaren" (HC12/13), die sich dem Gefühl unserer frühen Ahnen für ihren Landschaftsraum annäherte, gefolgt von einem ebenso elementaren Thema, dem geomantischen Blick auf die Erde als Nahrungsspenderin (HC14). Dann wendeten wir uns der Natur als Ganze zu, es ging um ein neues Verständnis von Ökologie und Naturschutz, das aus einer mit allen Sinnen erschlossenen Verwobenheit von Natur und Bewusstsein entspringt (HC15). Daran schloss sich die Frage an, wie der Mensch in einer so verstandenen Natur leben und siedeln kann (HC16), und schließlich, welche Ausdrucksformen die transmateriellen Anteile jenes neuen Verstehens in Form von Kunstwerken in und mit der Natur finden (HC17). Im Vergleich zur Breite jener Themen erscheint die einfache Frage, die wir in dieser Ausgabe unter anderen stellen, nämlich "Gibt es messbare Phänomene in der Geomantie?" fast trivial - haben wir doch lange davon gesprochen, dass Messungen uns die Wirklichkeit kaum näherbringen. Es gibt aber auch keinen Grund dafür, diese Ebene auszuklammern. In einer auf Zusammenführung unsinnig getrennter Bereiche bedachten Sicht spielt auch - wie der Intellekt im großen Bewusstsein - das Messbare seine ihm angemessene Rolle. Es bekommt nur nicht jenen immens einzig-bedeutenden, alles beherrschenden Nimbus angeheftet, den ihm der modernistische Teil der Wissenschaften heute noch - mit immerhin beginnendem Decrescendo - verleiht.

Die Erklärungsfalle
Die Begeisterung des sich in der westlichen Kultur zu Hause dünkenden Menschen für Messergebnisse ist in der Tat erstaunlich. Da steht beispielsweise jemand - und das kommt ja aller Ratio zum Trotz doch vor: gedankenverloren - an einen alten Menhir gelehnt und erlebt eine tief berührende Vision. Später erfährt die Person, dass dieser Stein ein ungewöhnliches Magnetfeld besitzt - aha, das war also der Grund für die Trance. Allzu schnell hakt man die nun erklärte Sache ab und steckt sie in eine innere Schublade mit dem Etikett "magnetfeldinduzierte Wahrnehmungsbeeinflussung". Die Vision reduziert sich auf eine von geophysikalischen Faktoren ausgelöste biochemische Reaktion des Gehirns. Und sei es auch auf der stofflichen Ebene tatsächlich so: Wäre es nicht größer, natürlicher, menschlicher gewesen, der Stein hätte sein Geheimnis bewahrt, und der Mensch hätte sich unzersplittert von seiner ihn ganz erfüllenden Vision inspirieren lassen? Dabei ist - bei laufendem Verstand - keineswegs erwiesen, dass es das spezielle Magnetfeld war, das sein besonderes Erlebnis bewirkt hat. Auf mehr als auf durch Empirie einigermaßen gestützte Annahmen sind Ursache-Wirkungs-Ketten beim besten Willen nicht zu gründen! Im übrigen wäre die Erkenntnis über das Vorhandensein einer solchen Wirkung im Grunde ebenso selbstverständlich wie die Wirkung des Sonnenlichts auf das menschliche Gemüt. Jede "Erklärung" für ein authentisches Erlebnis - gleich, ob ein Magnetfeld, eine geomantische Zone, ein Landschaftsengel, ein kosmischer Einstrahlungspunkt oder ein anderer Ganzheitsgefühle auslösender Schock als Ursache für die Erfahrung herangezogen wird - birgt die Gefahr, die unvoreingenommene, träumerische, Frieden bewahrende innere Transformation durch das Erlebte zu beenden oder zumindest zu verschatten. Die Frage nach dem Sinn der Erfahrung wird verdrängt von der Frage nach ihrer Ursache. Dabei ist die Erfahrung selbst - das sagt die Logik - immer unerklärlich, unerklärbar, geheimnisvoll und einzigartig. Es ist die Erfahrung eines Menschen, und das Phänomen Mensch ist ebenso unfassbar wie das Phänomen der Existenz überhaupt, der Existenz des Weltalls, der Existenz von Bewusstsein, Kreativität, Leben. Es ist unser starker Wunsch, dieses Heft möge in diesem Sinn keinen Schaden anrichten: dass beim Lesen der spannenden Forschungsergebnisse die Begeisterung für "den Beweis" nicht den Blick auf das Ganze versperrt, sondern als Freude spendender Lichtreflex im riesigen Kaleidoskop des Nicht-Verstandenen ihren angemessen bescheidenen Platz findet. Zu einer derart vorsichtigen und entspannt fragenden Haltung möchten wir vor allem beim Umgang mit dem Begriff der "geopathogenen Zone" anregen. Die Geomantie- Literatur der letzten beiden Jahrzehnte weist oft genug darauf hin, wie fatal es ist, Gaias feinstofflichen Körper als Sammelsurium lebensfeindlicher Störzonen zu betrachten, die nur darauf lauern, in lebenden Organismen Unheil zu bewirken. Unsere Redaktionsarbeit war von dem Gedanken beseelt, dass die Beiträge, von denen sich einige mit der Auswirkung solcher Zonen beschäftigen, nicht zu einer derart reduzierten Sicht beitragen mögen. Unsere Autorinnen und Autoren vermitteln jedenfalls nicht das Bild, es gäbe da eine bestimmte Art von besonders gefährlichen "Erdstrahlen" (ein Begriff, der von den meisten wissenschaftlich orientierten Forscherinnen und Forschern vermieden wird), vielmehr scheint es nach wie vor ungeklärt zu sein, was eine "geopathogene Zone", physikalisch gesehen, ist. Man kann heute lediglich konstatieren, dass "etwas dran" zu sein scheint, wenn Rutengänger die Existenz von bestimmten biologisch wirksamen Standorten postulieren.

Radiästhesie und Physik
Die Suche nach physikalischen Parametern, mit denen sich eine von Rutengängern gemutete und als für den Organismus belastend erklärte Zone bestimmen ließe, scheint schwierig zu sein. Bereits in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts sind solche Untersuchungen durchgeführt worden, z.B. die Feldstärkemessungen von Viktor Rambeau an Verwerfungen in den 30er-Jahren. In den 50er-Jahren stellten Joseph Wüst und Helmut Petschke eine erhebliche Veränderung des elektrischen Bodenwiderstands auf gemuteten "Reizstreifen" fest. Wüst fand später, dass die Feldstärke von UKW-Rundfunksendern in solchen Zonen deutlich von neutralen Bereichen abweicht. Eine ausführliche Darstellung des Verhaltens verschiedener physikalischer und biologischer Parameter an "Reaktionsstellen" - Orte, an denen Rutengänger Ausschläge ihrer jeweiligen radiästhetischen Instrumente feststellen - über Verwerfungen, Grundwasserströmen, wasserführenden Klüften, Kohleflözen etc. erarbeitete Christian Werbik in seiner Diplomarbeit aus dem Jahr 1978. Er stellte Veränderungen der Bodenleitfähigkeit, der Umgebungsstrahlung, der Luftleitfähigkeit, der erdmagnetischen Horizontalfeldstärke, der UKW-Feldstärke, der Infrarotstrahlung des Bodens und des Menschen sowie der Hautleitfähigkeit und der Pulsfrequenz fest. In jüngerer Zeit werden radiästhetisch auffällige Orte oft mit Inhomogenitäten des Erdmagnetfelds in Verbindung gebracht. Aber die Forschungsergebnisse ergeben kein konsistentes Bild. Otto Bergsmann beispielsweise kommt zu dem Ergebnis, dass "zwischen den als geopathogen und den als neutral bezeichneten Messpunkten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der gemessenen magnetischen und elektrischen Feldgrößen zu erkennen sind". Andererseits stellte Bergsmann bei seiner auch in diesem Heft viel zitierten Studie signi- fikante bis hochsignifikante Veränderungen biologischer Parameter bei fast 7000 Untersuchungen an 985 Versuchspersonen fest, die er auf den "belasteten" und den "neutralen" Zonen testete. Auch die Reaktionsgeschwindigkeit bei oszillierenden chemischen Reaktionen war auf beiden Zonen unterschiedlich, ebenso stellte er eine unterschiedliche Sedimentationsgeschwindigkeit von Tonmineralien in Wasser an beiden Messorten fest. Wie viele andere Forscher ist Bergsmann der Meinung, dass man dem Phänomen der radiästhetisch festgestellten Reizzone eher mit der Beobachtung von biologischen Prozessen an solchen Orten auf die Spur kommt als durch direkte Messungen physikalischer Eigenschaften. Bergsmann hält es für unmöglich, "einzelne physikalische Parameter isoliert in Hinblick auf ihre biologische Wirkung zu untersuchen und für die Aktivität der Reizzonen (geopathogenen Zonen) verantwortlich zu machen. Nur die Betrachtung der physikalischen Eigenschaften der Erdoberfläche als Komplex verschiedener physikalischer Parameter scheint zielführend zu sein." Forscher wie Werbik meinen zwar, das Auftreten mehrerer geophysikalischer Anomalien erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass der betreffende Ort von Rutengängern aufgefunden wird. Vermutlich ist es jedoch kaum zu leisten, sämtliche Strahlungs-Phänomene eines Ortes genau bestimmen zu wollen, und da kein Ort der Erde dem anderen gleicht, ließe sich daraus wohl nur schwerlich eine konsistente Systematik entwickeln. Damit erscheint nach wie vor der Mensch selbst als das geeignetste "Messinstrument", aus dessen Reaktionen Aussagen über die Ortsqualität gewonnen werden können. Auch die Industrie bedient sich dieser Fähigkeit, wie die eindrucksvolle Dokumentation von Hans-Dieter Betz, Co-Autor des berühmten "Wünschelruten-Reports", anhand der erfolgreichen Suche nach Brunnenbohrpunkten durch Rutengänger in Trockenzonen der Welt zeigt. Hier war der Rutengänger Hans Schröter für die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GTZ GmbH tätig. Im Vergleich zu gerätebasierten Messungen sparten dessen überdurchschnittlich präzise Mutungsergebnisse enorme Kosten bei der Errichtung von Bewässerungssystemen. Betz schreibt in der Schlussfolgerung seines Berichts: "Längerfristig erscheint die Chance nicht gänzlich unrealistisch, die Fähigkeiten erfolgreicher Rutengänger messtechnisch zu objektivieren und darauf basierende Verfahren zur Prospektion erheblich zu optimieren." Er geht wie viele andere wissenschaftlich orientierte Forscher davon aus, dass das Wünschelrutenphänomen nur dann interessant ist, wenn es sich dabei um von außen durch physikalische Einwirkungen ausgelöste Reaktionen handelt. Jörg Purner nimmt in seinem Buch "Im Zeichen der Wandlung" einen ganz anderen Standpunkt ein. Er hält es für unangebracht, die subjektive Mutung mit einer wissenschaftlichen "Messung" zu vergleichen. Selbst wenn Messung und Rutenausschlag zuweilen korrelierten, folge daraus nicht zwingend, dass beide ursächlich zusammenhingen. Purner meint, der Rutengänger reagiere "normalerweise gar nicht auf die physikalischen Feldverhältnisse eines Ortes ., sondern auf eine Art Feldpotenzial‘, das man eher als ortsgebundene Information‘ bezeichnen müsste, die offenbar im physikalischen und messtechnischen Sinn nicht verifiziert werden kann." Damit sind wir mitten in der Diskussion, die so alt ist, wie Menschen analytisch über das Wünschelrutenphänomen nachdenken. Schon im 17. Jahrhundert wurde darüber diskutiert, ob "hakenförmige Atome" oder die Kraft der Gedanken den Rutenausschlag bewirkten. Die Präzision, mit der manche Rutengänger Brunnenbohrpunkte identifi- zieren, scheint einerseits nahezulegen, dass irgendwelche durch das Wasser verursachte Wirkungen vorliegen. Das Phänomen erfolgreicher Fernmutungen andererseits schließt jeden direkten Ortseinfluss aus.

Von innen betrachtet
Wenn wir - ganz persönlich - unsere eigene Mutungspraxis betrachten, lösen sich die scheinbar gegensätzlichen Standpunkte auf. Es gibt Orte, wo wir unsere Resonanz mit der Umwelt, z. B. mit dem "Feld" eines Steins, so stark mit dem Körper fühlen, dass es als selbstverständlich erscheint, der Rutenausschlag werde unmittelbar von diesem - wie auch immer physikalischen - Feld ausgelöst. Dann wiederum haben wir unzählige Male mit professionellen Rutengängern, die sich der "physikalischen Radiästhesie" verschrieben haben, experimentiert und dabei im Gegensatz zu ihnen Techniken ohne jeden Ortseinfluss angewendet, was unabhängig voneinander dennoch exakt gleiche Mutungsergebnisse erbrachte. Unser frappierendstes Experiment scheint auf der Synchronisierung der Gehirne in unseren beiden Köpfen zu beruhen: Während die eine unfokussiert und mit beruhigten Gedanken die Rute hält, hält der andere still eine Frage als Schwingung im Raum, bis die Rute reagiert. Unser Partner mit der Lecherantenne kommt derweil in seinem eigenen, von uns mental säuberlich freigehaltenen Umfeld zum selben Ergebnis. Dieser allem Anschein nach rein geistige Prozess "fühlt" sich nicht wesentlich anders an als das direkte Einlassen auf ein terrestrisches Phänomen: Auch bei dieser offenbar telepathischen Mutung entsteht die Wahrnehmung eines im Raum vorhandenen Felds. Gerade dies erscheint uns als das eigentlich Interessante an der Kunst der Radiästhesie: dieses Pendeln zwischen dem Eindruck, sich in räumlich verorteten, stofflich fühlbaren Feldern zu bewegen, und der Wahrnehmung von "Information", die von jenseits von Raum und Zeit herzurühren scheint. Sitzen sich beispielsweise zwei Personen auf einer Wiese meditierend gegenüber und versuchen, zwischen ihren Herzen eine Verbindung aufzubauen, lässt sich mit der bloßen Hand eine Linie im Raum zwischen den beiden Körpern wahrnehmen; freilich lässt sie sich auch muten. Ist dieses extern wahrgenommene Phänomen vielleicht nichts anderes als eine etwas substanzhaftere Metapher, die unser Bewusstsein für etwas anbietet, das im Grunde formlos ist wie der Gleichklang zwischen zwei Menschen? Wie die Wahrheit vollkommenen Verbundenseins - mit allem? Wer sich auf die radiästhetische Wahrnehmung sonst unsichtbarer Einflüsse einlässt, bleibt immer weniger bei Phänomenen stehen, für die noch physikalische Erklärungen herangezogen werden könnten. Nicht wenigen geht es wie Jörg Purner, für den die Jagd nach "Wasseradern" und "Störzonen" lediglich sein persönlicher Weg zu einer erweiterten Wahrnehmung war. Wer sich für sonst Unsichtbares zu öffnen versucht, erlebt plötzlich eine Vielzahl feiner und feinster Beziehungen zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen, natürlicher und gebauter Umwelt als erspürbare "Fäden", Farben, Linien oder Felder im Raum, die auf ganz unterschiedlichen Ebenen zu liegen scheinen, angefangen von "handfesten" elektromagnetischen Feldern bis hin zu emotionalen Beziehungen oder einer geistigen Beeinflussung des Raums - eben auf allen Ebenen der Schöpfung. Die Kunst besteht darin, all diese Wahrnehmungen und Ebenen richtig zuzuordnen und zu deuten. Das ist der tiefere Sinn der Divination. Obwohl sich viele - meist männliche - Radiästheten gern wissenschaftlich geben, geraten sie durch die Tatsache, dass die menschliche Wahrnehmung ganzheitlich ist und keine Ebene ausklammert, schneller, als sie wahrhaben möchten, in den changierenden Grenzbereich der vielschichtigen feinstofflichen Felder, der unmessbaren Qualitäten, subtil wirkenden Informationen und feinen Beziehungen. Dies widerspiegeln auch die Grifflängentabellen der am meisten von physikalischen Vorstellungen geprägten radiästhetischen Schule nach Reinhard Schneider. Diese enthalten neben geologischen und weiteren natürlichen Phänomenen, die bestimmten Wellenlängen zugeordnet werden, zahlreiche qualitative, emotionale und geistige Werte, z. B. Weisheit, Angst, Schwermut oder auch die berühmte "Linie der Beredsamkeit". So ist diese Technik ein typischer Zwitter, der die Bewusstseinslage der heutigen Zeit wiedergibt: Man versucht, weiter zu gehen als es die klassische Physik erlaubt, löst sich aber nicht aus ihrem Bezugssystem, obwohl man sich zunehmend zu den Zwischenräumen bekennt, welche die klassische Physik nicht beschreiben kann. So muss man sich von der einen Seite Unwissenschaftlichkeit vorwerfen lassen, und die andere Seite hält einem vor, umfassende geistige Phänomene zu mechanisieren und sie auf bloße Zahlen zu verkürzen. Es besteht jedoch viel Grund zur Hoffnung: Wie die Artikel in dieser Ausgabe zeigen, ist aufgeklärten Radiästheten wohl bewusst, dass sie in Analogien sprechen, wenn sie z. B. Lecherwerte auf geistige Bereiche, wie die Wirkung von Musik, übertragen. Solange wir uns einig sind, dass diese Welt voller Wunder steckt und das größte Wunder wohl unsere Fähigkeit ist, über diese Wunder staunen zu können, werden wir gut damit weiterleben, dass wir nicht alles wissen. In diesem Sinn: "Hurra, wir basteln uns eine Theorie!"