Gewagte Praxis
Über den wissenschaftlichen Umgang mit radiästhetischen Verfahren in der Landwirtschaft
Jeder Haustierbesitzer kennt die besondere Sensibilität von Tieren gegenüber Ortseinflüssen. Katzen legen sich beispielsweise gerne an Stellen nieder, die Hunde strikt meiden. Auch Landwirten sind diese Phänomene meist vertraut, doch die exakten Naturwissenschaften tun sich schwer, sie zu erklären. Wie so vieles, steht auch die landwirtschaftliche Praxis im Spannungsfeld von Erfahrungswissen und oft widerstreitender wissenschaftlicher Theorie. In seiner spannenden Diplomarbeit hat sich Daniel Kusche diesem Themazugewandt und die Anwendung radiästhetischer Verfahren und weiterer als transmateriell bezeichneter Techniken in der Landwirtschaft untersucht.

Gewagte Praxis
Rupert Sheldrake hat eindrucksvoll gezeigt, wie die orthodoxe Naturwissenschaft mit Phänomenen umgeht, die ihren eigenen Voraussetzungen widerspechen könnten: Sie werden schlicht außer Betracht gelassen und möglichst weitgehend ignoriert (Sheldrake 1994 und 2000). Das lässt sich auch vom wissenschaftlichen Umgang mit dem Thema der Radiästhesie und den von ihr erfassten Zusammenhängen feststellen. Von einzelnen polemischen Ausfällen abgesehen, vermeidet es der Mainstream wissenschaftlicher Forschung, sich mit der Bedeutung der Radiästhesie ernsthaft zu befassen. Es hat lange gedauert, bis klassische radiästhetische Verfahren in einer wissenschaftlichen Studie überhaupt untersucht wurden. Die Studie von König und Betz aus dem Jahr 1989, ein staatlich gefördertes Projekt mit dem Arbeitstitel: "Errichtung und Betrieb von Testanordnungen mit künstlichen variablen Feldern niedriger Energie zum Studium der Reaktionen in biologischen Makrosystemen" (Bundesministerium für Forschung und Technologie), kommt zu dem statistisch gesicherten Ergebnis, dass bestimmte Rutengänger tatsächlich ortsabhängige Reaktionen nicht normal-sensorischen Ursprungs zu zeigen vermögen. Anzumerken bleibt, dass ein Großteil der Probanden hingegen dazu nicht in der Lage war. Hier stellt sich die Frage nach den Hintergründen. Jahrhundertelang wurden Bauernhäuser, Stallungen und ganze Siedlungen so errichtet und gestaltet, dass ihre menschlichen und tierischen Bewohner frei von belastenden Strahlungen in einem lebensförderlichen Umfeld leben konnten. Radiästhesie- Experten wie Eike Hensch (2001 und 1984) oder Ewald Kalteiß (2000) haben die früher verwendeten Techniken zusammengetragen und dokumentiert. In der bäuerlichen Landwirtschaft hat ein Wissen um die negative Wirkung so genannter Erdstrahlen auf das Verhalten und die Gesundheit von Tieren lange Tradition und gilt - unberührt von allen wissenschaftlichen Kontroversen - weithin als selbstverständlich. (Bielenberg 1962, Holzer 2002).
Wissenschaftliche Studien
Hinrich Bielenberg war einer der ersten Wissenschaftler, die die Erfahrungen der Landwirte und die von ihnen wahrgenommene Problematik ernst nahmen. Er stellt im Rahmen seiner Dissertation fest, dass viele Landwirte auf bestimmte lokale Bereiche in ihren Stallungen verweisen können, an denen es zu einer Häufung von Gesundheitsstörungen komme. Die Landwirte gingen vielfach davon aus, dass Tiere auf vermeintliche "Erdstrahlen" mit Gesundheitsstörungen reagierten. Bielenberg, ehemaliger Professor am Institut für Landwirtschaftsbau und ländliches Siedlungswesen an der Technischen Hochschule Graz bezeichnet das lokale Strahlungsmilieu als einen in der Bauplanung zu berücksichtigenden biologischen Faktor (Purner 1993). In seiner vor mehr als 40 Jahren verfassten Arbeit fordert er den Gebrauch eines erweiterten Qualitätsbegriffs und stellt maßgebliche Forderungen an die Tierhaltung und den Stallbau, um den Ansprüchen einer möglichst artgerechten Haltung nachzukommen. Seine Schlussfolgerungen sind noch heute gültig und nur teilweise eingelöst. Vor allem in der ökologischen Landwirtschaft sind die von ihm festgehaltenen Vorgaben am fortschrittlichsten umgesetzt. Durch Hinrich Bielenberg kam auch Jörg Purner mit der Radiästhesie in Berührung. Als junger wissenschaftlicher Assistent fand er es zunächst merkwürdig, dass er der Wirkung mysteriöser Strahlungen in Schweineställen nachgehen sollte. Später verstand er die grundlegende Bedeutung der Radiästhesie und legte mit seiner Dissertation wegweisende Studien zur geomantisch bestimmten Baugeschichte europäischer Kirchen vor (Purner 1981). Eine kleine Zahl von wissenschaftlichen Studien stützt die erfahrungswissenschaftliche Annahme einer Beeinflussung biologischer Systeme durch terrestrische und radiästhetisch messbare Störzonen: D. Marx und seinem Forschungsteam gelang es in einer vierjährigen Studie, Zusammenhänge zwischen den Gesundheitsstörungen von Schweinen und Rindern und deren belasteten Standplätzen nachzuweisen (Marx 1989). Insbesondere wurden beträchtliche Auswirkungen auf die Gewichtsentwicklung bei Mastbullen beobachtet. Hier sei ein Einzelbeispiel aus dem Versuch herausgegriffen: Ein Bullenstandplatz im Stall wies eine mit einem Magnetometer gemessene Absenkung des Magnetfelds auf. Der auf diesem Standplatz untergebracht Bulle reagierte auf das intervallartige Entstören mit einer speziellen Mattenauflage (nach Wiggenhauser) ebenfalls intervallartig mit gesundheitlichen Reaktionen. Insgesamt aber verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, so dass er vorzeitig geschlachtet werden musste. Auch Brigitte Harsch konnte in ihrer Dissertation bei einer dreijährigen Untersuchung in unterschiedlichen tierhaltenden Betrieben in Baden-Würtemberg und Hessen, bei denen immer wieder Probleme und Krankheiten der Tiere festgestellt wurden, einen Einfluss von Störzonen auf die Gesundheit von Mastbullen, Pferden und Ebern nachweisen (Harsch 1995). Die Störzonen wurden hier ebenfalls mit radiästhetischen Methoden festgestellt. Tiere, die sich auf belasteten Zonen befanden, wiesen eine überproportionale Erkrankungsrate auf, Mastbullen reagierten mit verminderten Gewichtszunahmen. In beiden Studien erfolgte der Nachweis der Störzonen über den indirekten Weg mit einem biologischen Indikator, nämlich den auf dem Standort gehaltenen Tieren. Diese Form des indirekten Nachweises wurde auch in anderen Studien erfolgreich mit Menschen durchgeführt (z. B. Bergsmann 1990). Von allen Autoren, die in dieser Richtung gearbeitet haben, wird der weitere Forschungsbedarf betont. Gabriele Schmidt und Ulrike Pohlmann legten in ihrer Diplomarbeit aus dem Jahr 1990 eine umfassende Literaturauswertung zum Thema des Einflusses von Erdstrahlen auf die Tiergesundheit vor und kamen auch im Rahmen einer Umfrage unter Landwirten und Tierärzten zur Erkenntnis, dass insbesondere in der intensiven Landwirtschaft und den dort üblichen Haltungssystemen (fixierte Tiere oder nur wenig Bewegungsraum), Erdstrahlung als Einflussfaktor für die Tiergesundheit noch relevanter geworden ist. Grundsätzlich möchte ich hier anmerken, dass Störungen und Krankheiten bei landwirtschaftlich gehaltenen Tieren oftmals nicht in Zusammenhang mit Störzonenbelastungen gebracht werden können. Dies erklärt sich wohl auch daraus, dass sich diese erst längerfristig auswirkenden Belastungen bei vielen landwirtschaftlich gehaltenen Tieren aufgrund der zum Teil geringen Lebensspanne kaum zeigen. Krankheitssymptome bilden sich bei belastetem Organismus nicht oder nur subklinisch aus, und die Tiere werden schon bei geringen Anzeichen von Schwäche (kümmerliche Entwicklung oder sonstige Probleme) schnell geschlachtet. So stammt das Allgemeinwissen um Zusammenhänge von Störzonen und Belastungen bei Tieren, bis auf die genannten Ausnahmen (Marx et al. 1989, Harsch 1995), weniger aus der landwirtschaftlichen Veterinärmedizin, als eher aus Kleintierpraxen oder aus der Betreuung von Pferden. Diese Tiere leben erheblich länger, und deren Besitzer investieren meist mehr Geld für die individuelle medizinische Betreuung ihrer Tiere als Landwirte. Weiterhin sind in der Literatur Beobachtungen von Radiästheten (Hartmann 1976, Böckeler 1952) dokumentiert, die Tierkäfi- ge wechselweise auf "belasteten" und "neutralen" Standorten aufstellten. Zum einen wurde die Schlafplatzwahl, zum anderen die Populationsentwicklung von Mäusen auf belastetem und neutralem Standort beobachtet und von einer Bevorzugung des neutralen Standorts bezüglich der "Übernachtungsquote" als auch von einer höheren Nachkommenschaft auf neutralem Standort berichtet. Es existieren zudem umfassende erfahrungswissenschaftliche Erkenntnisse zu Tierverhalten an bestimmten Standorten, die von einer Reihe von Autoren und praktizierenden Radiästheten vorliegen (Pohl 1932, Worsch 2002, u. a). In der radiästhetischen Literatur wird eine Klassifikation von Tieren in Strahlenflüchter und Strahlensucher vorgenommen. Zur ersteren Gruppe der Strahlen- flüchter, die auf "bestrahlten Standorten" Schaden nehmen können und diese somit meiden würden, gehören demzufolge viele landwirtschaftliche Nutztiere wie Rinder, Schweine, Hühner und Pferde sowie als Haustier der Hund.
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