Geschichte der Radiästhesie
Teil 1: Von der Antike bis zum Beginn der Aufklärung
Der folgende Überblick über die Geschichte der radiästhetischer Theorien ist die bisher noch nich veröffentlichte Langfassung eines Kapitels aus Marco Bischofs jünstem Buch über feinstoffliche Felder. Der erste Teil zeigt, dass die Diskussion, ob physikalische oder eher mentale Wirkungen den Rutenausschlag auslösen, bereits im 17. Jahrhundert begann.

Geschichte der Radiästhesie
Die Radiästhesie, die Ruten- und Pendelkunde, übte einen beträchtlichen Einfluss auf das heutige Gedankengut über feinstoffliche Felder aus (Kiesewetter 1891-95, 1895; Klinckowstroem & Maltzahn 1931; Barrett & Besterman 1968; Bird 1981; Bischof 1987-88; Knoblauch 1991). Je nachdem, wie die Radiästhesie definiert wird, wird sie von verschiedenen Autoren entweder als eine sehr alte Tradition bezeichnet (wenn vorwissenschaftliche magische und divinatorische Praktiken berücksichtigt werden), oder ihre Entstehung wird erst im 15. Jahrhundert (Verwendung der Wünschelrute im Bergbau und zur Wassersuche) oder gar im frühen 20. Jahrhundert (Entstehung der eigentlichen Radiästhesie) angesetzt. Bei einer nicht zu engen Definition müssen mehrere unterschiedliche Praktiken und Vorstellungen als Ursprung der Radiästhesie betrachtet werden. Generell lässt sich sagen, dass die Radiästhesie aus der Magie und aus den alten Divinationsmethoden hervorgegegangen ist, d. h. aus einer Reihe verschiedener Orakelund Wahrsagemethoden, deren Ursprung sich im Nebel der Vorgeschichte verliert. Dabei spielen vor allem die Rhabdomantie (Anwendung magischer Zauberstäbe) eine Rolle sowie jene Divinationsmethoden, die auf der Deutung "magischer", d. h. nicht durch eine physikalische Ursache vermittelter Bewegungen beruht (Kiesewetter 1895). Zu den Vorstellungen, die dabei eine zentrale Rolle spielen, gehören die antike Sympathie- Lehre, wonach alle Dinge durch ein Beziehungsnetz von Sympathien und Af- finitäten miteinander verbunden sind und aufeinander einwirken können. Als Folge davon wurde es als möglich angesehen, aus den einen Dingen Informationen über räumlich entfernte, aber mit ihnen durch Sympathie verbundene andere Dinge zu erhalten. Im Zusammenhang mit der Vorstellung, dass die Verbindungen in diesem Beziehungsnetz durch ein universelles feinstoffliches Fluidum hergestellt werden, steht das radiästhetische Konzept, dass auch von jedem Objekt und jedem Lebewesen eine Kraft oder ein solches Fluidum ausgehe, das seine "Signatur" trage bzw. die Informationen enthalte, an denen man es (auch auf Distanz) erkennen und identifizieren könne. Damit verbunden ist die radiästhetische Vorstellung, dass Substanzen nicht nur an ihrem feinstofflichen Feld erkannt werden können, sondern sich auch durch spezifische Wechselwirkungen mit dem universellen Fluidum und damit durch bestimmte feinstoffliche Wirkungen auf den Menschen und andere Lebewesen auszeichnen. Diese Vorstellungen bildeten die Grundlage von Orakelmethoden und Praktiken der Alchemie zur Identifikation von Substanzen und ihren Eigenschaften, lange bevor die Wissenschaft die heute bekannten chemischen Elemente und ihre Analyse entdeckte.
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