Elektrosmog und Information

Sie sind nicht direkt messbar: Nur über den Umweg durch das menschliche Gehirn lassen sich Effekte so genannter Entstörungs-Maßnahmen sichtbar machen. Lara Mallien und Johannes Heimrath sprachen mit dem Gehirnforscher Günter Haff

von Günter Haffelder , Johannes Heimrath , Lara Mallien erschienen in Hagia Chora 18/2004

Das Thema "Entstörung" ist eines der heikelsten in der Geomantie. Kein anderer Bereich löst so heftige Kontroversen aus und gibt dem Vorwurf des Handels mit des Kaisers neuen Kleidern so billig Nahrung. Die "gefährlichen" Phänomene selbst sind ja kaum fassbar - da sollen hypothetische Erdstrahlen, Gitternetze, Wasseradern oder gar andersweltliche geistige Beziehungen mit simplen Mitteln wie Kupferdraht, speziellen Decken oder geheimnisvollen Plättchen, Stäbchen und Aufkleberchen, auf die jemand eine ominöse "Information" draufgedacht hat, neutralisiert werden. Um überhaupt einen ersten "Henkel" dieses Fragenkreises zu fassen zu bekommen, versuchten wir im Gespräch mit dem Gehirnforscher Günter Haffelder eine vorsichtige Annäherung an den bislang greifbarsten Aspekt des Themas: die Belastung durch Elektrosmog. Unzählige Messungen an menschlichen "Empfänger"-Gehirnen zeigen, dass sich die Mikrowellenstrahlung von keiner Entstörmaßnahme außer durch physikalische Abschirmung beeindrucken lässt. Allerdings - und das sollte zu weiterer Forschung anregen - scheint unser Gehirn für gewisse mentale Informierungen empfänglich zu sein und unter solchem Einfluss nicht mehr so stark mit den schädlichen Frequenzen in Resonanz zu geraten. Was aber wagt man, wenn man seinen Mind den nicht kontrollierbaren "informierten" Produkten anonymer Unternehmer aussetzt?

Hagia Chora: Herr Haffelder, Sie werden gerufen, wenn sich Bauherren davon überzeugen möchten, dass die Maßnahmen, die sie gegen Elektrosmog ergriffen haben, auch wirksam waren. Möchten Sie kurz erzählen, wer dabei meistens Ihre Auftraggeber sind?

Günter Haffelder: Es sind ganz verschiedene: Hotels, Praxis- oder Seminarhausbetreiber, Firmengebäude und Schulen. Dabei geht es um die Strahlung von nahegelegenen Mobilfunkmasten, von Eisenbahntrassen oder auch um ganz normalen Wechselstrom.

Sie messen den Vorher- und den Nachher- Zustand - deuten Sie eine Veränderung so, dass tatsächlich weniger Elektrosmog im Raum ist?

Nein! Wenn ein Raum entstört wird, hat sich - physikalisch gesehen - nichts verändert. Die Schwingungen sind nicht anders geworden. Unsere Messungen am Gehirn legen aber das erstaunliche Phänomen nahe, dass der Organismus nach der "Entstörung" anders mit der Situation umgeht. Wir bewegen uns hier in einer Grenzzone, wo wir die alte Physik, die ja in sich wunderbar stimmig ist, verlassen und uns einer neuen Physik nähern. In diesem Bereich stehen wir noch ganz am Anfang und müssen neue, indirekte Messmethoden entwickeln, um erste Informationen zu gewinnen. Es ist nicht möglich, mit normalen physikalischen Strahlungs- Messgeräten die Wirkung eines Entstör- Chips für ein Mobiltelefon zu messen.

Wie gehen Sie konkret bei solchen Messungen vor?

Zunächst stellen wir mit normalen Frequenzmessgeräten fest, ob eine Elektrosmogbelastung vorliegt. Wenn dies der Fall ist, schicken wir einen Probanden in den Raum, der an unsere Geräte angeschlossen ist. Die Wirkung des Elektrosmogs zeigt sich daran, dass die normalen Gehirnschwingungen von der Strahlungsbelastung fast vollständig überlagert werden. Bei unseren Geräten kommen teilweise keine verwertbaren Signale mehr an. Das Gehirn gerät in Resonanz mit den dominanten Frequenzen des Elektrosmogs und sendet dieses eine Frequenzband so stark in unsere Messapparaturen, dass alles andere im Rauschen untergeht. Das Messgerät versucht, durch Hochregeln noch differenzierte Signale einzufangen, hat aber keinen Erfolg mehr. Vor der nächsten Messphase wird die Raumentstörung vorgenommen. An diesem Vorgang sind wir nicht beteiligt, wir wissen auch nichts über die postulierten Wirkmechanismen der Entstörung. Wenn wir anschließend Probanden in den Raum schicken, zeigt sich meistens, dass das Gehirn nun sehr viel mehr Aufnahmemöglichkeiten hat. Die Messung deutet meist zwar immer noch auf eine Belastung hin, aber der Mensch scheint besser damit umgehen zu können. Nach einer erfolgreichen Entstörungsmaßnahme müssen wir mit unseren Gehirnstrommessgeräten ein deutlich klareres Signal erhalten als vorher. Aber wohlgemerkt: Unsere Frequenzmessgeräte, die ja die rein technische Elektrosmogbealstung messen, werden nach wie vor genau das gleiche Resultat liefern wie bei der ersten Untersuchung des Raums.

Wie erklären Sie sich solche Entstörvorgänge, wenn diese allein über das menschliche Bewusstsein zu wirken scheinen? Das physikalische Störfeld durchdringt den Körper ja nach wie vor.

Das wissen wir eben nicht genau! Wenn ich eine Hypothese wagen soll, würde ich sagen, bei einer erfolgreichen Entstörung wird eine Art Information gesendet bzw. in dem Raum installiert, die das menschliche Gehirn wahrnehmen kann. Was für eine Information das ist, weiß ich nicht, ich bin nur der Protokollant für die am Gehirn ablesbaren Reaktionen. Ich kann nur feststellen, dass nach der Entstörung plötzlich mehr Informationen ankommen, und das bedeutet, dass die Person weniger mit dem Elektrosmog in Resonanz gerät. Die Filter unserer Geräte müssen nun nicht mehr so stark eingreifen. Häufig stellt sich dieser Effekt nicht sofort ein. Es kann bis zu drei Minuten dauern, bis sich die Wirkung der Entstörung aufgebaut hat. Dann tritt plötzlich diese Klärung im Bild der Gehirnströme auf. Es kann auch sein, dass die Entstörung keinen Erfolg hatte, dann versucht das Entstörungs-Team, ihre Installation anzupassen, bis wir eine Wirkung feststellen.

Wir wissen heute, wie stark ein in eine bestimmte Richtung fokussiertes Bewusstsein Messergebnisse beeinflussen kann. Könnte es sein, dass allein das Wissen des Probanden oder der Messenden über eine stattgefundene Entstörung den beschriebenen ausgleichenden Effekt hat?

Nein, das glaube ich nicht. Unseren Beobachtungen nach ist das Rauschen, das der Elektrosmog erzeugt, so stark, dass es niemand bewusst ausschalten kann. Aber es ist wichtig, solche Messungen auch unter Doppelblind- Bedingungen durchzuführen. Gegenwärtig sind wir an einer solchen - noch dazu randomisierten - Doppelblindstudie beteiligt. Es geht um Handy-Chips von einem österreichischen Hersteller. Sie werden von einem Notar an uns geschickt, so dass wir nicht wissen, ob wir informierte Chips oder Placebos bekommen. Wir messen die Chips mit verschiedenen Testpersonen durch und schicken die Ergebnisse wieder zurück. Dabei kennen wir weder die Personen, die die Messung beauftragen, noch wissen wir irgendetwas über die Funktionsweise der Chips. Die Studie wird deutschlandweit durchgeführt, es sind noch verschiedene andere Institute beteiligt.

Was ist Ihrer Meinung nach "Information"? Darüber wird ja intensiv diskutiert, unter anderem auch über die Frage, was da gespeichert wird, wenn man sagt, z.B. Wasser könne "Information speichern".

Um das beantworten zu können, muss ich ein bisschen in den Bereich dieser anderen, "neuen" Physik hineingehen. Ein weiterführendes Erklärungsmodell liegt für mich in der Vorstellung von nicht-konventionellen Feldern. Möglicherweise gibt es über den bekannten elektromagnetischen Feldern weitere Ebenen - übergeordnete Felder -, die auf die jeweils untergeordneten strukturierend einwirken. Es ist denkbar, dass solche Felder mental erzeugt werden können. Wir alle erleben ja täglich das Phänomen, dass wir durch ein bestimmtes Denken mit bestimmten Menschen in Resonanz geraten, und diese Resonanz ließe sich auch als gemeinsames mentales "Feld" denken. Auch für das Wünschelrutenphänomen passt dieses Bild. Wenn ich einen Rutengänger über ein Feld schicke und ihm sage: "Denke jetzt an deine Freundin", dann wird er kaum eine Reaktion erhalten. Wenn ich ihm aber sage: "Denke an Wasser", dann bildet sich ein kleines mentales Feld, das mit der direkten Umgebung in Resonanz geht, und plötzlich reagiert er auf eine so genannte Wasserader. Wir erkennen solche Felder mit unserem subjektiven Empfinden. Beispielsweise wissen wir genau, wie es sich anfühlt, wenn wir uns unter Gleichgesinnten geborgen wissen. Dieses Feld von Freundschaft, das dann unter den Menschen zu spüren ist, kennen wir, und damit kenne ich die Information "Freundschaft". Genauso kenne ich das Feld "Ablehnung", wenn jemand mir gegenüber negativ eingestellt ist. Übertragen auf unsere Frage nach dem "Entstören" von Elektrosmog, könnte man meinen, die Information, die hier ausgleichend wirkt, greife offenbar auf der Ebene der inneren Bilder, Empfindungen und Gefühle ein. Richtig. Es geht hier um die Bewertung von Gefühlen. Unsere spezifischen Messpunkte am Gehirn sind so gewählt, dass sie genau diesen Bereich des menschlichen Bewusstseins abfragen. Wir messen ja nicht, wie es sonst üblich ist, an der Großhirnrinde, sondern an den so genannten Mastoiden hinter den Ohren, wo wir Zugang zum limbischen System erhalten. Dort findet, gehirnphysiologisch betrachtet, die Beurteilung von Gefühlen statt. In der Großhirnrinde geht es eher um den Bewegungsaparat, z. B. um den Impuls: "Jetzt den Arm heben." Um überhaupt Informationen über den Gefühlsbereich zu erhalten, dürfen wir dort also nicht messen, sonst würden wir zu viele Bewegungsartefakte erhalten.

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