Mit anderen Augen sehen
Unser räumliches Vorstellungsvermögen kann nicht nur Lebensräume ganzheitlich fassen. -Heiner Benking sieht auch das Denken als Teil des Lebensraums, der einer -Heilung und Erdung bedarf. Mit dreidimensio-nalen Modellen zeigt er Wege zu einer nachvollziehbaren Pragmatik und Ethik und macht die Verbundenheit in unserem "Welthaus" begreifbar.
Unser Erkennen, Verständnis und Miteinander wird auf allen Ebenen durch die Neuen Medien, Technologien, Mobilität und eine globale Wirtschaft in nie dagewesener Weise herausgefordert. Wir werden dabei nicht nur herausgefordert, unseren Horizont zu erweitern, sondern die vielfältigen Ebenen mit unserem Bewusstsein ganz zu durchdringen und Vernetzungen herzustellen - längs und quer zu vielen Skalen und Dimensionen. Man kann nicht nur eine Nation, nur eine Stadt oder nur ein Dorf betrachten; Probleme werden größer, wenn wir sie verniedlichen oder Lösungen schlicht in andere Welten übertragen werden. Die menschliche Aufmerksamkeit zudem ist in der Regel nur auf kurze Zeithorizonte und einen engen Umkreis fokussiert. Man denke nur an die Redensarten: "Aus den Augen, aus dem Sinnâ oder den Begriff der "Kirchturmpolitik". Wir vergessen leicht, was "nicht auf der Hand liegt" oder "unter den Nägeln" brennt. Nur verbunden mit Betroffenheit und Emotionen werden Situationen oder Muster "wahr-genommen", ins Gedächtnis "eingebrannt" und können uns so bewusst werden, um uns in ähnlichen Situationen zu helfen oder zu warnen.
Goldene Regeln, Moral und Gebote geben den Menschen Sinn und Entscheidungshilfen und auch die notwendige Demut und Zurückhaltung, um sich bewusst und verantwortlich in der Welt zu verhalten. Solche Verhaltensregelwerke stoßen aber an Grenzen, wenn wir uns "aufgeklärt" mit neuen, modernen und oft sehr technischen Existenz- und Rahmenbedingungen, neuen räumlichen Welten und einer anderen physischen und geistigen Beweglichkeit auseinandersetzen wollen.
Wir haben nun mal keine Sinne jenseits des individuellen menschlichen Maßes und damit keine kommunizierbaren Vorstellungen für solche neuen Veränderungen und Wirkungen, Proportionen und Konsequenzen. Nach Gregory Bateson müssen "Antennen" für ökologische und geschichtliche Dimensionen, für ein "Außerhalbâ oder "Zwischen", jenseits des direkt persönlich Erlebten entwickelt werden. In diesem Beitrag stelle ich einen Ordnungsraum und Orientierungsrahmen vor, der hilft, die vielfältigen Zusammenhänge der Welt mit solchen gerichteten "Antennen" aufzuspüren und festzuhalten.
Räumliche, anschauliche Modelle können uns helfen, konkret andere "Dimensionen" einzubeziehen, ohne gleich in eine okkulte Welt abzudriften, sondern stattdessen die Grenze zwischen dem Materiellen und dem Immateriellen zu kultivieren, Grenzflächen zu erkennen, vielleicht sogar aufzulösen oder zu verschieben. Solch ein reales Konstrukt und räumliches oder ausgedehntes Denkmodell soll uns helfen, andere Wahrnehmungen und Erkenntnisse, die jenseits des materiell und direkt Greifbaren und Anschaulichen liegen, bewusst werden zu lassen.
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