Der Mensch ist der wichtigste Ort der Kraft
Radiästhesie im Spannungsfeld zwischen subjektivem Empfinden und Messbarkeit. Andrea Felder sprach mit Jörg Purner.
Im Rahmen seines Dissertationsthemas "Radiästhetische Untersuchungen an Kirchen und Kultstätten" hat sich Jörg Purner bereits vor über zwanzig Jahren wissenschaftlich fundiert mit der Radiästhesie auseinandergesetzt. Damit gingen für ihn zum einen ernüchternde Erfahrungen einher, zumindest vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet. Zum anderen hat er über die Radiästhesie einen Zugang zu seiner Wahrnehmungsfähigkeit für feine atmosphärische Nuancen und für normalerweise unsichtbare Wirklichkeiten entwickelt. Von diesem Weg berichtet nachvollziehbar sein Buch "Radiästhesie - ein Weg zum Licht?". In seinem jüngsten Buch "Im Zeichen der Wandlung" spielt die wissenschaftliche Überprüfbarkeit radiästhetischer Phänomene gar keine Rolle mehr. Purner berichtet vielmehr über "wesentliche Entwicklungsstufen und Erfahrungen, die nicht so recht ins Weltbild eines normalenâ und aufgeklärtenâ Menschen unseres Kulturkreises passen".

Der Mensch ist der wichtigste Ort der Kraft
Andrea Felder: Ihre wissenschaftliche Beschäftigung mit der Radiästhesie hat das starke Spannungsfeld, in dem man sich bei der Untersuchung radiästhetischer Phänomene bewegt - Subjektivität und Messbarkeit -, deutlich aufgezeigt. Welche Wirklichkeit haben Sie dabei erfahren?
Jörg Purner: Beleuchtet man das Gebiet der Radiästhesie wissenschaftlich oder messtechnisch, so wird deutlich, dass sich das Phänomen der "Fühligkeit" nicht auf bestimmte physikalische Wirkungskomponenten zurückführen lässt, sondern lediglich im Sinn des Ausdrucks eines ortsabhängigen, subjektiven Reagierens nachweisbar ist. Wir haben dazu in den 70er-Jahren an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Rutengänger in Blind- und Doppelblindversuchen einen Raum nach gängigen radiästhetischen Zonen wie Gitternetzen, Wasseradern etc. ausloten lassen. Das Ergebnis war ernüchternd: Es gab praktisch keine Übereinstimmungen. Es konnte lediglich der wissenschaftliche Nachweis erbracht werden, dass es Menschen gibt, die in überzufälliger Weise fähig sind, ihre einmal gemuteten Zonen wiederzufinden. Darüber berichtet auch der Wünschelrutenreport (München 1989). Dabei ist zu erwähnen, dass sich derartige Zonen auch verändern können, so dass bereits der Anspruch, ein "Fühliger" müsse seine gemuteten Zonen wieder finden, zu hoch angesetzt sein kann.
Wodurch können sich diese Zonen verändern? Sprechen Sie damit Ihre Feststellung an, dass Störzonen von Menschen selbst verursacht werden können, wenn deren Lebensenergie-Verhältnisse gestört sind, wie Sie dies auch in Ihrem jüngsten Buch "Im Zeichen der Wandlung" anhand von Beispielen beschreiben?
Das ist einer der Aspekte. - Ein äußerst spannendes Thema, insbesondere deshalb, weil man inzwischen weiß und auch im wissenschaftlichen Zusammenhang anerkennt, dass sich im Untersuchungsergebnis und seiner Interpretation letztlich immer auch der Untersuchende, seine Sichtweise, Annahmen und Modellvorstellungen u. a. m. widerspiegeln. Ein Rutengänger verändert schon dadurch etwas im "feinstofflichen" Sinn, weil er durch seine Auffassung und Aufmerksamkeit dem anvisierten Phänomen gegenüber energetisch etwas in Gang setzt. Er beschwört damit "substanziell" etwas herauf, aktiviert in subtiler Weise eine Art Wirkungspotenzial. So ist mir bei Rutengängerkursen aufgefallen, dass sich Reaktionszonen im Lauf der Beschäftigung mit ihnen verstärken. Ich sehe in solchen intensiveren Manifestationen standortspezifischer Zonen ein psychodynamisches Phänomen. Ich konnte auch feststellen, dass Reaktionszonen allein schon dadurch auftreten können, weil ein Mutender die Auffassung vertritt, diese Zonen seien vorhanden.
Der Rutengänger projiziert seine Erwartungen also mental auf die von ihm untersuchte Zone und beeinflusst somit das Mutungsergebnis?
Ja, ortspezifische Reaktionszonen können lediglich im Sinn einer Mentalprojektion bestehen. Das ist allerdings nicht so zu verstehen, dass sich ein Rutengänger diese Zonen nur einbildet. Sie können unter Umständen auch einen anderen Rutengänger zu einem Rutenausschlag bewegen und damit "handfest" da sein. Wenn ein Fühliger auf so eine Zone aufmerksam gemacht wird, ist es für ihn sogar schwierig, auf diese Projektion nicht anzusprechen. Man kennt derartige Phänomene auch in der Psychologie. Ich demonstriere meinen Studenten derartige Wirkungszusammenhänge zum Beispiel dadurch, indem ich sie mit der Projektion eines Bildes konfrontiere, das nur als Gefüge aus dunklen und hellen Flächen besteht und ansonsten keinen Inhalt aufweist. Doch wenn ich die Frage stelle: "Sieht jemand den Hund?", ohne hinzuweisen, wo sich dieser befinden soll, sind immer einige Studenten dabei, die dies bejahen. Nach und nach bestätigen auch andere, den Hund zu sehen. Das Erstaunliche ist nun, dass ihn schließlich alle sehen, wenn ich darauf zeige, in welchem Bereich er sich befinden soll. Wenn wir uns schließlich alle einig sind, den Hund an einer bestimmten Stelle zu sehen, ist es Jahrpraktisch nicht mehr möglich, ihn wieder loszuwerden, also ihn nicht mehr zu sehen. Wir bewegen uns sozusagen im Bann des hineininterpretierten Inhalts, eines mental hervorgerufenen Phänomens. Einer ähnlichen Grundproblematik begegnen wir in der Radiästhesie, denn auch in einer radiästhetisch angezeigten "Störzone" kann ein derartiger Hund begraben sein. Der größte Teil der von Rutengängern aufgefundenen Phänomene wird in der Praxis nie auf ihre tatsächliche Existenz hin überprüft. Ja, sie sind zumeist auch gar nicht überprüfbar. Beispielsweise haben die meisten Rutengänger, die ihre Reaktionszone als "Wasserader" bezeichnen, noch nie nach Wasser gebohrt und damit überprüft, ob sie auf eine echte, physikalische Wasserader angesprochen haben. Im Rahmen der Mutung nach "Störzonen" wird so manche Rutenreaktion als Wasserader verkauft, wo im handfesten Sinne weit und breit keine Wasserader vorhanden ist. Im übrigen sind Wasseradern im Sinn der Definition eines "aderförmigen, geschlossenen Gerinnes im Untergrund" eher selten zu finden. Normalerweise bewegen sich unterirdische Wasserführungen in anderen Bahnen. Ist die Interpretation einer radiästhetisch ermittelten Zone aber einmal als "Wasserader" festgelegt, hat auch ein anderer Rutengänger kaum eine Chance, nicht ebenfalls darauf anzusprechen.
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