Den Drachen reiten

Eine kurze Geschichte des Dragon Projects

von Paul Devereux erschienen in Hagia Chora 18/2004

Im Jahr 1977 gründete Paul Devereux gemeinsam mit einer Gruppe weiterer Forscher das "Dragon-Project", um das Wesen der in der damaligen englischen New-Age-Szene in Mode gekommenen Erdenergien zu entschlüsseln. 1988 wurde das Projekt in eine gemein- nützige Stiftung umgewandelt und besteht heute aus einem informellen Konsortium von Fachleuten aus verschiedenen Fakultäten, das weiterhin von Paul Devereux geleitet wird. Als Autor knüpft Paul Devereux immer wieder an die im Dragon Project gewonnenen Erkenntnisse an. Diese begründen auch seine skeptische Haltung der Radiästhesie gegenüber, vor allem, wenn es um die Suche nach hypothetischen Energielinien geht. Zu den berühmten Dragon-Project-Experimenten gehört der oft wiederholte Versuch, bei dem Rutengänger gedachte Objekte fanden- eine faszinierende und für die Interpretation der Rutenausschläge bedeutsame Tatsache. Derzeitiger Forschungsschwerpunkt des Dragon Projects ist das Träumen an heiligen Orten.

Den Drachen reiten
Der Name des Dragon Projects leitet sich von einem Bild aus dem chinesischen Feng Shui ab. Der Drache symbolisiert hier die tellurischen Kräfte. Ursprünglich wurde das Forschungsprojekt ins Leben gerufen, um die angebliche Existenz ungewöhnlicher Kräfte und Energien an prähistorischen Kultstätten zu untersuchen. In jener Phase (1977-1990) bildete der Rollright-Steinkreis nahe Oxford gewissermaßen die Freilandbasis des Projekts, aber wir untersuchten auch andere Orte in Großbritannien und anderen Ländern. Während der 90er-Jahre verlagerte der Dragon Project Trust (DPT) seinen Schwerpunkt in Richtung Traumforschung: Es ging um die Frage, wie das Traumbewusstsein auf solche antiken Stätten reagiert. In diesem Beitrag befassen wir uns mit diesen beiden Hauptaspekten des Projekts.

Magnetische Anziehung
Im Rahmen physikalischer Untersuchungen entdeckte der DPT zwei Arten von magnetischen Anomalien an Steinen mancher prähistorischer Anlagen: eine ortsgebundene magnetische Anomalie und eine temporäre, fluktuierende magnetische Aktivität. Erstere war leicht festzustellen, da Kompassnadeln in der Nähe eines derart magnetisch wirksamen Steins abgelenkt werden. Dies ist nichts Geheimnisvolles: Solche Anomalien treten auf, weil der Eisenanteil bestimmter Gesteine eine feste magnetische Orientierung besitzt, die in ferner geologischer Vergangenheit festgelegt wurde, als die Linien des Erdmagnetfelds gegenüber dem heutigen Norden in einem anderen Winkel verliefen. Für den DPT war besonders interessant, dass sich diese magnetisch auffälligen Steine typischerweise in Schlüsselpositionen befanden, z.B. in einer Haupthimmelsrichtung eines Steinkreises oder als Stein, der "aus der Reihe tanzt". Beispielsweise ist im Steinkreis Gors Fawr im Preseli-Gebirge in Südwestwales der weiter entfernte von zwei vorgelagerten Steinen, welche die Richtung des Sonnenaufgangs zu Mittsommer markieren, magnetisch. Dieser Stein ist wie ein Sitz geformt, und wenn man sich darauf niederlässt, lehnt der Kopf an dem magnetisch aktivsten Teil des Steins. (Nebenbei ist interessant, dass Gors Fawr unterhalb des Bergrückens von Carn Meini liegt, dem Ort, von dem die Bluestones von Stonehenge stammen.) Es stellte sich auch heraus, dass manche als Kultstätten genutzte Naturplätze ebenfalls magnetische Anomalien aufweisen. Ein weiterer Bergrücken in den Preseli-Bergen, Carn Ingli, der "Engelshügel", ist so ein Beispiel. Sein Name geht auf St. Brynach, einen christlichen Heiligen des 6. Jahrhunderts zurück, der diesen Ort aufsuchte, um zu meditieren und mit Engeln zu sprechen, die ihm auf dem Gipfel erschienen. Allerdings versammelten sich schon lange vor St. Brynach Menschen auf diesem Gipfel. Archäologische Untersuchungen zeigten, dass die Nutzung dieses Ortes mindestens 7000 Jahre zurückreicht. Ein örtlicher Journalist, dem zu Ohren gekommen war, dass manche Menschen auf Carn Ingli seltsame tranceähnliche Zustände erlebten, machte uns auf diesen Ort aufmerksam. Bei Untersuchungen fanden wir auf dem Bergrücken zahlreiche Punkte mit starken magnetischen Anomalien. Wenn man Kompassnadeln frei in der Luft aufhängte, rotierten diese dramatisch. Ähnliche Effekte wurden auch in anderen Ländern gefunden, z. B. an einigen indianischen "Kraftorten" mit magnetischen Anomalien in Nord- und Südamerika. Einer dieser Plätze ist eine Aushöhlung in grünem Serpentin auf dem Mount Tamalpais nahe San Francisco in Kalifornien. Ein Teil der Höhlung nahm durch Verwitterung oder früheren Gebrauch die Form eines Sitzes an, und wenn man sich dort niederlässt, befinden sich Kopf und Steißbein in zwei unterschiedlichen Magnetfeldern. Um die andere Art von magnetischer Anomalie bei Megalithen festzustellen, benötigt man raffinierteres Gerät als einen Kompass. Der erste Hinweis auf diese subtilere Anomalie wurde 1976 an dem 4,6 Meter hohen Llangynidr-Stein nahe Crickhowell in Wales gefunden. Der walisische Meister-Rutengänger Bill Lewis stellte auf dem Stein etwas fest, das er "Energieknoten" nannte und mit Kreide markierte. In der Folge von Wissenschaftlern des Londoner Imperial College durchgeführte magnetometrische Untersuchungen wiesen die markierten Knoten als Punkte mit magnetischer Anomalie aus. Diese war jedoch keine dauerhafte Eigenschaft des Steins, denn bei späteren Überprüfungen mit einem Magnetometer durch den DPT fanden wir keine Abweichungen mehr vor. Entsprechend verunsichert führte der DPT in der Folgezeit weitere Messungen zu willkürlichen Zeitpunkten durch, wobei in der Regel nichts Ungewöhnliches festzustellen war. Wir fanden jedoch im Lauf der Zeit noch den einen oder anderen Stein, der fluktuierende magnetische Werte lieferte. Solche magnetischen Störungen dauerten etwa eine oder zwei Stunden an. Unabhängige Forschungen des Ingenieurs Charles Brooker bestätigten 1980 diese Fluktuationen auch für den Rollright-Steinkreis. Ihre Ursache wurde allerdings bisher nicht enträtselt. Die Tatsache, dass an manchen Orten magnetische Anomalien feststellbar sind, beweist nicht, dass solche Plätze von Menschen der Vorzeit bewusst genutzt wurden, doch sie lässt dies möglich erscheinen. Aber wie sollten die Menschen jener Zeit den Magnetismus ohne entsprechende Messinstrumente festgestellt haben? Wir wissen heute, dass viele Organismen direkt auf Magnetfelder reagieren, und Bill Lewis’ Mutung der "Knoten" auf dem Llangynidr- Stein lässt vermuten, dass manche Rutengänger geringe magnetische Veränderungen feststellen können. Tatsächlich reagiert das menschliche Gehirn erstaunlich sensibel auf kleinste magnetische Feldveränderungen. Seine magnetisch empfindlichsten Bereiche sind die Temporallappen, in denen Erinnerung, Gefühle und das Träumen verankert sind. Dies wurde unter anderen von Professor Michael Persinger von der Laurentian University in Ontario, Kanada, experimentell untersucht, indem er schwache Magnetfelder ähnlich jenen an den heiligen Stätten einsetzte. Eines seiner Geräte ist ein Spezialhelm, der komplexe computergesteuerte, pulsierende Magnetfeldmuster tief in den Temporalcortex sendet. Es brachte Versuchspersonen dazu, mit geschlossenen Augen eigenartige visuelle Muster zu sehen, lebendige, detaillierte Kindheitserinnerungen nachzuerleben und die Gegenwart von unheimlichen, mächtigen Wesenheiten zu spüren. Es ist möglich, dass Menschen in prähistorischer Zeit aus solchen Effekten empirisch lernten, dass solche Gesteine tranceähnliche Zustände hervorrufen konnten. Möglicherweise waren sie als Spirit Rocks über lange Zeiten hinweg bekannt, und in manchen Fällen hat man sie in Monumente eingebaut, die später in der Nähe der ursprünglichen Natur-Kultplätze errichtet wurden.

Visionäre Strahlung
Erhöhte natürliche Radioaktivität ist eine weitere auffallende energetische Anomalie, die häufig an prähistorischen Kultplätzen zu finden ist. Hintergrund-Radioaktivität entsteht zum einen aus ionisierter Strahlung, die aus bestimmten Gesteinen und Mineralien aus dem Untergrund austritt, zum anderen durch die Sekundärteilchen, die aufgrund des ständigen Bombardements der oberen Erdatmosphäre mit kosmischer Strahlung entstehen. Die meisten der von uns gemessenen Strahlungsanomalien traten in Verbindung mit Granit auf, einem besonders radioaktiven Gestein. Geschlossene Räume in Monumenten aus Granit weisen Strahlungswerte auf, die um ein Mehrfaches über der äußeren Hintergrundstrahlung liegen. Dies trifft für megalithische Monumente aus Granit und sogar für die Königskammer in der großen Pyramide von Gizeh zu. Die große Pyramide besteht aus Kalkstein, einem Gestein mit minimaler Radioaktivität, aber das Innere der Königskammer ist mit polierten und fein bearbeiteten Granitplatten ausgekleidet, die aus dem 1000 km südlich gelegenen Aswan stammen. Warum trieben die alten Ägypter solchen Aufwand, um diesen Granit zu beschaffen? Man weiß, dass sie Granit als ma’at, spirituelle Substanz, betrachteten, wogegen Kalkstein weltliches Material war. Die Messungen des DPT im Inneren der Königskammer zeigten erhöhte Radioaktivität, und zwar merkwürdigerweise exakt dieselben Werte, wie im Inneren eines neolithischen Dolmen in Cornwall, der als Chun Quoit bekannt ist. Aber nicht nur in umbauten Räumen fand der DPT erhöhte Radioaktivität, auch einige Steine des kumbrischen Steinkreises Long Meg and Her Daughters erwiesen sich als erstaunlich radioaktiv. Wir untersuchten den Ort, weil ein örtlicher Verwaltungsbeamter berichtet hatte, dass er im nordwestlichen Teil der Anlage unfreiwillig in einen tranceähnlichen Zustand geraten war. Messungen mit dem Geigerzähler zeigten, dass die Granitsteine in diesem Teil radioaktiver waren als anderswo in diesem Monument, und einer Umgebung stellte der DPT fest, dass an einem 100 Meter langen Abschnitt der Landstraße der Geigerzähler erhöhte Messwerte lieferte, die vermutlich von besonders radioaktivem Schotter im Unterbau der Straße verursacht wurden. Während zwei Wochen wurde der Rollright Kreis rund um die Uhr überwacht. In dieser Zeit berichteten drei freiwillige Mitarbeiter zu verschiedenen Zeiten unabhängig voneinander von kurzen visionären Erfahrungen in der Nähe des radioaktiven Abschnitts der Straße. Einer von ihnen, ein ausgebildeter Wissenschaftler, sah, wie sich ein riesiger grauer Hund materialisierte, einem weiteren erschien für kurze Zeit ein alter Zigeunerwagen, und der dritte beobachtete, wie sich ein Auto mit zwei Insassen in Luft auflöste. Wenn die Radioaktivität, die von Granit ausgeht, tatsächlich auf manche Menschen derartige mentale Effekte hat, erstaunt es nicht, dass die alten Ägypter Granit sozusagen für geistdurchtränkt hielten. Viele Leute vermuten in der Königskammer einen Ort der Initiation, und dann wäre es nur logisch, sie mit einem Gestein auszukleiden, das zu visionären Erfahrungen verhilft. (Seit der Pionierarbeit des DPT in der Untersuchung natürlicher Strahlung an alten Kultorten hat die amerikanische Geologin Marsha Adams herausgefunden, dass sich die präkolumbianischen Felskunstwerke in Arizona und Nevada an Orten hoher Hintergrundstrahlung befinden. Sie entdeckte ein besonderes Felsmotiv, das diese Orte zu markieren scheint. Zudem hat der amerikanische Parapsychologe Dean Radin auf dem Gelände eines bekannten Spukschlosses in Schweden hohe Werte von Hintergrundradioaktivität festgestellt; ebenso verhält es sich in tibetischen Tempelanlagen.)

Weitere Befunde
Von den vielen weiteren energetischen Anomalien, die der DPT entdeckte, seien noch einige kurz erwähnt: Zu offenbar zufälligen Zeitpunkten während des Sonnenaufgangs wurde auf dem Gelände des Rollright-Steinkreises Ultraschall (eine Frequenz, die über dem menschlichen Hörbereich liegt) festgestellt. Die genauere Untersuchung eines solchen Phänomens zeigte, dass der Ultraschall mit einer Frequenz von 37 kHz aus einem etwa meterbreiten Streifen um die Mitte des höchsten Steins herum austrat. Diese Erscheinung hörte nach etwa einer Stunde auf. Was diesen Ultraschall erzeugt haben mag, konnte nicht festgestellt werden. Im Steinkreis von Rollright und an anderen Orten führten wir auch Infrarot-Untersuchungen mit Hilfe von Filmen und optischen Messgeräten durch. Innerhalb des Rollright-Komplexes wurden auf verschiedenen Infrarotfilmen für das bloße Auge unsichtbare, wolkenartige Anomalien festgehalten. Auch am Kit’s-Coty-Dolmen in Kent haben wir eine ähnliche Erscheinung fotografiert. Diese sind bisher unerklärt. Der Geologe Paul McCartney untersuchte für den DPT eine Reihe von Megalith-Anlagen in England und Wales. Dabei stellte sich heraus, dass sich insbesondere Steinkreise und stehende Steine in der Regel auf oder in der Nähe bedeutender örtlicher Verwerfungen befanden. Diese Orte wurden oft mit anomalen Lichtphänomenen in Verbindung gebracht. Es existieren z.B. mehrere Augenzeugenberichte über Kugeln aus weißem Licht mit zwei Metern Durchmesser, die über dem Steinkreis von Castlerigg in Cumbria (dem Lake District) tanzten. Mit seinen beschränkten Mitteln kann der DPT lediglich hoffen, dass er durch seine physikalischen Untersuchungen auf Orte hinweisen konnte, denen sich zukünftig besser ausgestattete Forschungsteams widmen. Es handelte sich hier lediglich um eine Pilotstudie. Leider hat eine solche weiterführende Arbeit noch nicht stattgefunden.

Träumen an Kultplätzen
Schon in seiner frühen Phase führte der DPT einige vorbereitende Studien zu körperlichen und geistigen Reaktionen an besonderen Orten durch. Beispielsweise lud er zur Untersuchung der Rollright-Anlage mehrere Rutengänger ein und verglich deren Ergebnisse. Diese wurden allerdings nie veröffentlicht, um die Beeinflussung zukünftiger Forschungen zu vermeiden. Dieselbe Vorsichtsmaßnahme galt auch für die Aussagen von Hellsehern, die eingeladen waren, psychometrische Experimente im Steinkreis durchzuführen (unter Psychometrie versteht man den Einsatz "außersinnlicher" Methoden, um Informationen über ein Objekt oder Ort zu erhalten; Anm. d. Red.). Sämtliche Arbeiten dieser Art wurden zusammen mit der physikalischen Untersuchung jener Orte eingestellt, als der DPT sich entschied, die Pilotuntersuchungen als abgeschlossen zu betrachten. 1990 verlagerte der DPT seine ganze Aufmerksamkeit auf das Träumen an solchen Orten. Die Tradition, Kultplätze für prophetisches und heilendes Träumen aufzusuchen, reicht mindestens bis zu den alten Griechen und Ägyptern zurück, wird auch von der heidnischen keltischen Tradition berichtet und setzt sich in manchen indischen Tempeln und bei Stämmen Amazoniens bis heute fort. Unser Programm zur Traumarbeit an antiken Stätten wurde als organisierte und kontrollierte moderne Version solcher altertümlicher Praktiken des Tempelschlafs angelegt. Der Grundgedanke war, mit vielen verschiedenen freiwilligen Träumern an einer Auswahl besonderer Orte zu arbeiten. Eine der Kultstätten in dieser Versuchsreihe war ein Naturplatz, der bereits erwähnte Carn Ingli in Wales, die anderen waren von Menschen errichtete Monumente: Chun Quoit in Wales, Carn Euny (eine eisenzeitliche unterirdische Anlage) sowie Madron Well (ein alter heiliger Brunnen). An allen diese Stätten wurden natürliche magnetische oder radioaktive Anomalien gemessen. Der renommierte Psychologe Stanley Krippner vom Saybrook Institute in San Francisco konnte als Berater für dieses Programm gewonnen werden; er leitete die Analyse der Trauminhalte. Die freiwilligen Träumer und Träumerinnen wurden sorgfältig ausgewählt, so dass sie einander nicht kannten, aus verschiedenen Milieus stammten und einen breiten Altersbereich abdeckten. Viele Leute meldeten sich zunächst freiwillig, sprangen aber später wieder ab. Es war daher ein langwieriger Prozess, genug Menschen für die Traumexperimente vor Ort zu finden. In einer typischen Vor-Ort-Traumsitzung legte sich die Testperson eine ganze Nacht lang zum Schlafen nieder und wurde von mindestens einem Assistenten überwacht. Traumschlaf wird durch schnelle Augenbewegung (REM) bei geschlossenen Augen angezeigt, und wenn der Assistent dies beobachtete, wurde die Person geweckt und seine Erinnerung auf Band aufgezeichnet. Diese Aufnahmen wurden später niedergeschrieben und für Kontrollzwecke Träumen gegenübergestellt, die der bzw. die Freiwillige zu Hause hatte. Die Hauptphase dieser Traumsitzungen endete im Jahr 2000. Ganze Bände mit aufgezeichneten Träumen wurden an Dr. Krippner und sein Team in San Francisco geschickt. Dort begann der lange Analyseprozess durch den statistischen Vergleich der Traummotive nach anerkannten professionellen Methoden. Diese Arbeit wird noch einige Jahre andauern, aber es gibt bereits vorläufige Ergebnisse. Erstens: Die gesam- der Steine wies kleine stark strahlende Bereiche auf, die den Geigerzähler schnelle Signale geben ließen. Könnte dies die Trance dieses Mannes erklären? Der wissenschaftliche Mainstream behauptet zwar, dass lebende Organismen Radioaktivität nicht direkt wahrnehmen können. Dennoch kam der DPT zu der Vermutung, dass sie bei manchen Menschen tatsächlich kurze visionäre oder tranceähnliche Episoden verursachen kann. Zusätzlich zum Beispiel von Long Meg berichteten Mitarbeiter des DPT über seltsame Erfahrungen in Bereichen mit erhöhter Hintergrundstrahlung. Beispielsweise erlebte eine freiwillige Mitarbeiterin im Inneren der absolut dunklen unterirdischen Kammer des eisenzeitlichen Boleigh Fogou in Cornwall - der Zweck dieser Kammer ist den Archäologen bis heute unbekannt - plötzlich die Vision einer Hochzeitsfeier vor einer historischen Kirche, die in strahlendes Sonnenlicht getaucht war. Dieses Bild blieb einige Sekunden präsent, dann war es wieder vollkommen dunkel. Dramatischere Beispiele solcher "Strahlungsvisionen" traten entlang der Landstraße auf, die nahe am Rollright- Steinkreis vorbeiführt. In den Monaten der Messungen an diesem Kreis und in seiner melten Daten enthalten einen hohen Prozentsatz von "luziden" Träumen, das sind Träume, in denen der Träumende bei vollem Bewusstsein ist, obwohl er sich physiologisch im Schlafzustand befindet. Zweitens zeigte der erste Vergleich der Träume vor Ort mit den Kontrollträumen zu Hause einen statistischen Unterschied, der aber zu gering ist, um signifikant zu sein. (Diese Arbeit wurde teilweise dadurch erschwert, dass die Freiwilligen zu wenige Vergleichsträume lieferten. Daher muss eine neue Feldstudie durchgeführt werden, sobald die Finanzierung für eine Wiederholung der Experimente sichergestellt ist.) Die dritte und wirklich wichtige Analyse befasst sich mit der Frage, ob jeder Ort ihm eigene Traumbilder erzeugt, mit anderen Worten, ob es ortsspezi- fische Träume gibt. Dazu wird jeder Traum mit einem komplexen Satz von Kategorien codiert und dann einer Gruppe von urteilenden Personen vorgelegt, die nicht wissen, von welchem Ort der codierte Trauminhalt stammt. Würden auf diese Weise in den Traumdaten spezifische Trends erkannt und hingen diese mit den einzelnen Orten zusammen, wäre erstmals wissenschaftlich erwiesen, dass das Traumbewusstsein an besonderen Orten Informationen aufnehmen kann, die dem normalen Wachbewusstsein unzugänglich (oder unbewusst) sind. Obwohl diese Arbeit noch andauert, weist die vorläufige Betrachtung der Traumdaten auf einige faszinierende Tendenzen hin. Im Folgenden stelle ich Auszüge aus Traumberichten von nur sieben Personen vor, die von der Kultstätte Carn Euny stammen. Man beachte, dass sie von verschiedenen Personen zu verschiedenen Zeiten berichtet wurden. (Die Initialen der Freiwilligen sind angegeben, und die Auszüge sind so angeordnet, dass die Ähnlichkeiten von Themen, Bildern oder Motiven hervorgehoben werden.)

MS: Ich träumte, dass ich wach bin . und diese Leute tauchten auf und hatten diesen Hund dabei. So einen beigen Hund, ähnlich einem kleinen Schaf . es war ein beiger Hund . und da war eine Katze .

AR: Ich fuhr in der Kurve von Carn Euny langsamer. Ich war dort alleine unterwegs. . Vor dem Rammbügel des Jeeps lief etwas vorbei und . Ich nahm an, es war eine Katze. Sie war groß und beige .

MVB: .ich hatte die Wahrnehmung eines Rituals, das darin bestand, von einem Ort zum anderen zu gehen .

AR: . auf diesem ebenen Weg gehe ich mit diesen Leuten, Wanderern, die irgendwohin unterwegs waren . Es waren eindeutig Leute, die eilig irgendwohin gingen .

BH: . es hatte etwas mit Zu-Fuß-Gehen zu tun. Ich war in einer ebenen Landschaft . ja, es ist ganz klar, dass ich in dieser Landschaft herumlaufe . Ich denke nicht, dass ich etwas über irgendjemanden dieser Leute wusste . Es war eine Gruppe von etwa fünf oder sechs Leuten, Jungen und Mädchen . wir liefen alle in diesem Gebiet herum .

DS: Sie halten meine Hände . [Assistent: "Die Leute?"] . Ja . ich glaube, sie werden mich irgendwo hin bringen . Es war in Ordnung . Sie waren nett .

BH: Dort waren ziemlich viele Leute, und es hatte etwas mit Essen zu tun .

AR: Diese Person fing an, Eiscreme und andere Sachen zu verkaufen .

MVB: Ein sehr großer Schokoladenkuchen . Ein keilförmiges Kuchenstück .

DS: Wir sind in ein neues Grab irgendwo hier in der Nähe eingebrochen . Dieses Riesige, in Stein Gehauene . mit großen Fangzähnen und Augen, gemalten Augen .

GH: . ein kleiner Junge mit einem alten, entstellten Gesicht oder so etwas Ähnlichem . [undeutlich] . es war ein wenig wie ein Alptraum.

BH: . auf der Mauer . war ein großes, rotes Ding befestigt und es hatte ein Gesicht . Es war nicht wirklich ein menschliches Gesicht . Es hatte große, rundliche Augen .

THS: . dieser Kerl bringt die Leute auf der Bühne zum Lachen . ich bin unter den Zuschauern . da ist noch jemand, der gerade eine Aufführung beendet, ein Sänger oder so jemand Ähnliches .

BH: . sah eine laufende Aufführung, eine Art Spiel, aber die Leute machten irgendwie dabei mit . wir saßen unter den Zuschauern . Wenn wir die Fülle derartigen Materials auf uns wirken lassen, schauen wir dann auf transpersonale, ortsspezifische Erinnerungen, die sich verschwommen und verzerrt durch individuelle Traumerinnerungen hindurch abzeichnen? Beinhalten Kultstätten mehr oder andere Information als säkulare Orte? Verfügen Kultstätten über artspezifische "Erinnerungsfelder" gemäß Rupert Sheldrakes Theorie der morphischen Resonanz, durch die eine Person bzw. jeder individuelle Organismus informiert wird? Diese Fragen kann nur die Zukunft beantworten, wenn dieser einzigartige Bestand von Traumdaten vollständig analysiert sein wird. In der Zwischenzeit räkelt sich der Drache in seiner Höhle und denkt darüber nach, welchen neuen Forschungsprojekten er seine Aufmerksamkeit widmen soll .

Übersetzung aus dem Englischen: Eberhard Hierse.

Das Buch "Places of Power" von Paul Devereux gibt einen umfassenden Einblick in die Phase der physikalischen Untersuchungen des Dragon Projects. Es ist für 29 Euro inkl. Versandkosten erhältlich bei Paul Devereux, P O B 11, Moreton- in-Marsh, GL56 0ZF, U.K.