Postmoderne Monumente

Bei meinem ersten Besuch in Stuttgart vor etwa zwanzig Jahren führte mich der Mann, bei dem ich mich aufhielt, mit seinem Hund zum Spazierengehen in den örtlichen Park. Dort deutete er auf einen gewöhnlich aussehenden Rasenfleck, wo, wie man mir erzählte, einst ein Nazidenkmal gestanden hatte. Im Jahr 1945 sei es von der französischen Besatzungsarmee in die Luft gesprengt worden. Indem mein Freund mir dies mitteilte, einem Besucher, der den Park überhaupt nicht kannte, erfüllte er den Zweck dieses Denkmals in virtueller Form. Wenig später traf ich eine Frau, die an einer römisch-katholischen Pilgerfahrt nach Ipswich im Osten Englands teilgenommen hatte. Sie erzählte mir, dass die örtlichen Katholiken jedes Jahr zu einem Schuhgeschäft ziehen, wo sie dann singend und betend auf der Straße stehen, weil an diesem Ort im Mittelalter der allerheiligste Schrein der Madonna stand, der 1536 zerstört wurde.
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