Lux e tenebris

Das Licht als Brücke zum Immateriellen

von Nigel Pennick erschienen in Hagia Chora 17/2003

Nigel Pennick gehört zu den Wiederentdeckern der Geomantie. Viele kennen ihn aus Büchern als universal gebildeten Fachmann für die europäischen Traditionen, doch seine künstlerische Seite wird selten wahrgenommen. Pennick versteht sich als traditionellen Repräsentanten der spirituellen Künste und Handwerke. Sein Bemühen um die lebendige Fortsetzung der Überlieferung zeigen beispielhaft seine beiden jüngsten Glasfenster.

Die Interaktion von Licht und Dunkelheit ist ein archaisches Thema, das tief in unseren biologischen Ursprüngen verwurzelt ist. Unser Hauptsinn ist das Sehen, was bei allen Sehenden unabänderlich mit dem ersten Erblicken des Lichts bei unserer Geburt verbunden ist. Das Licht, das der Finsternis entspringt, ist weltweit Teil religiöser Praktiken, und Licht als Manifestation des Göttlichen ist ein wesentlicher Bestandteil vieler religiöser Texte. Barddas, der alte walisische spirituelle Text, sagt: "Gott ist in jedem Licht, und der Häuptling jedes Lichts ist die Sonne." Meine Bleiglasarbeiten verstehe ich als spirituelle Fortführung der Arbeiten aller mir vorangegangenen Lichtgestalter. Seit Jahrtausenden wurde Licht bewusst in heilige Stätten hineingeleitet. Die größten megalithischen Ganggräber der Britischen Inseln wie Maeshowe auf Orkney und Newgrange in Irland besitzen lange, schmale Gänge, die präzise nach bestimmten Sonnenaufgängen ausgerichtet sind.

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