Bilder der Kraft

Vom Aufnehmen feiner Schwingungen

von Johannes Groht erschienen in Hagia Chora 17/2003

Die Megalithtempel in Norddeutschland liegen meist wie in einem Dornröschenschlaf in der Landschaft, als sei ihnen in den vergangenen Zeiten so -wenig Aufmerksamkeit zuteil geworden, dass sie kaum noch zu den Menschen sprechen. Der Fotograf Johannes Groht nimmt in sensiblen Bildern ihre verhaltene, oft nur flüsternde Sprache auf.

Kennen Sie das Dorf Boitin in Mecklenburg-Vorpommern? Dort befindet sich die größte erhaltene Steinkreis-Anlage in Norddeutschland, der "Steintanz von Boitin". Nach meinen ersten Begegnungen mit Megalithkulturen in Großbritannien und auf der Osterinsel wuchs in mir der Wunsch, mich als Fotograf mehr mit den vermeintlich unspektakulären Steinkreisen und Hünengräbern meiner Heimat zu beschäftigen. Die eingewachsenen Hügel und kalten Steine wirkten auf den ersten Blick oft plump, schwer und abweisend. Aber der Schein trog. Je mehr ich mich auf diese Orte einließ und ihrer Atmosphäre nachspürte, desto leichter und fröhlicher schienen manche von ihnen zu sein. Einige Plätze wirkten geradezu strahlend und schienen eine intensive Energie zu verbreiten. Konnte ich von dieser Ausstrahlung etwas aufnehmen, ohne mich kitschiger Filtereffekte oder künstlichen Lichts zu bedienen? Wie konnte ich etwas Unsichtbares fotografieren?

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