Die Kraft der Heiterkeit
Ein multikulturelles Kunstwerk wird zum Kraftort
Eva-Gesine Wegners Skulpturen sind geprägt von der Suche nach dem Kraft gebenden Aspekt -eines Ortes. Ihre Gestaltungen sind nicht im Voraus festgelegt, sie entspringen der lebendigen Ortserfahrung

Im Rahmen der "Sozialen Stadt", einem von Bund, dem Land Hessen und der Stadt Rüsselsheim geförderten Projekt, ging es um eine erweiterte Kontaktaufnahme zu den Bürgern und Bürgerinnen des multikulturellen Rüsselsheimer Stadtteils "Dicker Busch". Ich sollte dort als Bildhauerin mitarbeiten. Mitten im Dicken Busch würde ich vor Ort mehrere Wochen an einem bestimmten Platz einen Stein bearbeiten und ihn in Kommunikation mit den dort lebenden Menschen in eine Skulptur für sie verwandeln. Da es - wie immer bei meinen Arbeiten - keinen vorausgeplanten Entwurf gab, ich also die fertige Skulptur genauso wenig vorher kannte wie die Betrachter, handelte es sich um weit mehr als um öffentliches Bildhauern. Die Skulptur entwuchs vielmehr einem Kreislauf: Ausgehend vom Stein wollte ich mich für die Einflüsse der Natur um ihn herum und den ständigen Wandel des Geschehens vor Ort offen halten, so dass all das in mich hinein- und durch mich hindurchfließen und schließlich wieder beim Stein ankommen konnte. Mitten zwischen den Hochhäusern am -Dicken Busch, wo es vor Kulturen und Migranten nur so wimmelt - und wovon sich viele deutsche Mit- und Drumherum-Bewohner völlig überfordert fühlen -, gibt es einen schönen Platz mit einem Restbestand alter Kiefern und Eichen, dem ursprünglichen Wald vor der Bebauung. In diese Spannung von Schönheit und Kon-flikt zog es mich für mein Arbeiten. Mehrfaches Aufsuchen des "Wäldchens" erzählte mir von der Vielfalt der Kulturen, dem Ruf nach Kommunikation. Das also sind die Themen des Ortes.
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