Dem Wind gewogen

Ein Ort des Innehaltens entsteht

von Birgit Kratzheller erschienen in Hagia Chora 17/2003

Die Windwiege der Künstlerin Birgit Kratzheller entstand im November 2000 als Beitrag zu dem von Yi Li und Johann von der Borch initiierten "Nieheimer Kunstpfad" bei Gut Holzhausen/Stadt Nieheim in Nordrhein-Westfalen. Dieser Pfad führt über sanfte, von Buchenwäldern -bewachsene Hügel, Felder und Wiesen durch eine Landschaft, die die kulturelle Geschichte der Region widerspiegelt. Das Projekt verstand sich als Einladung an die Kunst, sich mit der Landschaft zu befassen und Dialoge zwischen Kultur und Natur zu initiieren. Die Windwiege folgt der Einladung mit besonderer Grazie. Statt Ehrfurcht vor dem Kunstwerk vermittelt sie sinnlich-spielerische Erfahrungen.

Der Holster Berg besteht aus drei langgestreckten Erhebungen, die in nord-südlicher Richtung verlaufen. Es war ein Areal mit alten Buchen, das mich besonders beeindruckte. Ein Hallenwald: Die langen, geraden Stämme tragen Säulen gleich das dichte Dach der Laubkronen in enormer Höhe. Faszinierend ist das Geräusch der windbewegten Kronen - gepaart mit dem Anblick der glatten, beruhigenden Stämme geht davon eine besondere Wirkung aus. Hier müsste man in einer Schaukel liegen, das Schwanken der Stämme im Wind spüren und der Musik der Baumkronen lauschen - aus diesem Impuls entstand die Idee der Windwiege. Ich suchte lange nach dem geeigneten Standort und wanderte mehrfach über die Scheitellinie der Hügelkette. Mir war nicht klar, was ich suchte, aber nahe des höchsten Punktes der dritten Erhebung fand ich es.

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