Sich berühren und klingen

Milos Sejn und die Phänomenologie der Wahrnehmung

von Jiri Zemanek erschienen in Hagia Chora 17/2003

Sich berühren und klingen" ist die Überschrift über dem Werk des Aktionskünstlers Milo ejn, der die Beziehung zur Landschaft seiner tschechischen Heimat zum Mittelpunkt mystisch--künstlerischer Erfahrungen macht. Der Kunsthistoriker Jiri Zemanek, der in Tschechien mit- -großem Engagement kulturell-kreative Ausstellungen organisiert, erschließt ejns Werk als -Phänomenologie der Wahrnehmung im Sinn von Maurice Merleau-Ponty.

Der Naturphilosoph David Abram hat in seinem Buch "The Spell of the Sensous" eindrucksvoll auf die Verknüpfung der Krise der modernistischen Weltanschauung mit der Entfremdung von unseren Sinnen hingeweisen. Abram stützt sich dabei auf eine ökologische Interpretation von Maurice Merleau-Pontys Phämonenologie der Wahrnehmung. Wenn Merleau-Ponty über den körperlichen und reziproken Charakter der Wahrnehmung und David Abram über organische Voraussetzungen unseres Denkens und Fühlens sprechen, bedeutet dies eine markante Wendung von jener individualistischen Ausschließlichkeit und wissenschaftlichen Abstraktheit des Modernismus, der auf der Dichotomie des Denkens (des Geistes) und der Materie, des Menschen und der Natur, des Subjekts und Objekts beruht. Merleau-Ponty bemerkte in diesem Zusammenhang, dass jenes "Unsichtbare" bei den Menschen, d.h. der Bereich des Denkens und der Idealität, nicht etwas Eigenständiges, in sich Geschlossenes ist, sondern "es ist unentwirrbar mit der metamorphen, intelligenten Natur der umhüllenden Welt verknüpft". David Abram meint dazu: "Wenn Wahrnehmung in uns erst Denken und ein reflektiertes Bewusstsein ermöglicht, geschieht dies nicht allein im menschlichen Gehirn, sondern als offene Antwort des menschlichen Körpers auf Fragen, die durch den subtilen, selbstorganisierten Charakter der natürlichen Umwelt ständig an ihn gestellt werden."

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