Kunst des Wandels

Metamorphe Objekteund skulpturale Orte

von Herman Prigann erschienen in Hagia Chora 17/2003

Was wir in und für die Landschaft, unseren -Lebensraum, tun, hängt entscheidend davon ab, was wir von ihr wahrnehmen können. Meist wird heute verdrängt, was Landschaft für uns bedeutet, und nur wenige übernehmen Mitverantwortung für ihren Zustand. Dabei formen Strukturen der Landschaft das Leben ihrer -Bewohner: Wir sind nicht nur in Geschichten und Geschichte verstrickt, sondern auch in -Szenarien. Für den Landschaftskünstler Herman Prigann ist unsere Identität immer auch eine Ortsidentität. Mit seinen Werken inszeniert er nicht nur schönen Schein, sondern ihm geht es um eine Revision unserer Einstellung zu Natur und Landschaft. "Terra Nova" ist die programmatische Überschrift seiner Installationen in verlassenen Industriebrachen. Sein Ziel ist -dabei nicht die einzelne künstlerische Aktion, sondern eine langfristige Transformation dieser Wüstungen in für Menschen als lebensvoll -erfahrbare und nutzbare Landschaften, in denen sich wieder hochwertige Biotope entwickeln

Das Flüchtige, sich stetig Wandelnde, aber in dieser Weise Gegenwär-tige war für die Griechen -zentrale Seinserfahrung. Dies wurde nicht nur an den äußeren Dingen erfahren, sondern der Mensch selbst sah sich als Ephemeroi, als einen der Wandlung Unterworfenen. Sokrates und Platon setzten dagegen eine unabhängige und stabile Instanz. Sie sollte gegen das Ausgeliefertsein ein neues Bewusstsein der Eigenverantwortung setzen. Die Seele und der Geist betraten die Bühne unserer geistigen Evolutionsgeschichte. Diese frühe anth-ropologische Innovation, durch die der Mensch seiner Hinfälligkeit in der Welt zu entkommen trachtete, ist für unser europäisches Selbstverständnis prägend geworden. Von der Lehre der Unsterblichkeit der Seele, dem Menschen als einem Vernunftwesen bis zur heutigen Identitätspsychologie zieht sich die Entwicklung jener frühen Ideen. Die Idee des identischen Ichs ist heute die Voraussetzung für gesellschaftliche Normalität. Dennoch, wenn es auch verdrängt wird, wir bleiben und sind Ephemeroi, der Wandlung, der Metamorphose ausgeliefert.

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