Die Erde spricht

Über die Kunst als Ausdrucksmittel des Unsichtbaren

von Johannes Heimrath , Lara Mallien erschienen in Hagia Chora 17/2003

Der Philosoph Henri Bergson meinte, wenn es eine Erkenntnis der metaphysischen Wirklichkeit gebe, müsse sie einen anderen Charakter tragen als alles, was an Wissenschaft -erinnert. Hat er dabei an Kunst gedacht? Das Unsichtbare bildet die gemein-same Grundlage von Geomantie und Kunst, so als schmiegten sich die beiden Wahrnehmungsbereiche wie die Hälften des Gehirns um einen gemeinsamen Nervenstrang: Was die eine Seite ganz erschaut, macht die andere Seite handhabbar. Davon handelt dieses Focusthema.

Kloster Eldena im Riesengebirge" heißt das Gemälde von Caspar David Friedrich, von dem der Ausschnitt auf dieser Seite stammt. Aber Eldena steht gar nicht im Riesengebirge, sondern bei der Stadt Greifswald an der vorpommerschen Ostseeküste. Das Bild kam jüngst von der Restaurierung zurück. Man hatte im Vordergrund eine Strandszene mit Fischernetzen als Untermalung entdeckt, wo nun der Weg durch die Anderswelt eines Hochmoors führt. Der Weg erscheint lang, bis wir bei den beiden plaudernden Menschen mit Hund vor dem höhlenartig überwalmten Hof ankommen. Die Enklave der Menschenwelt inmitten der großartigen Natur ist winzig - das Dach des Hauses verschwindet in der Schattenzone zwischen Kulturland und Wildnis, zu der die mythische Klosterruine eine Art Pforte darstellt. Dann kommen nur noch die in die Zeitlosigkeit ansteigenden Höhenzüge unter dem lichtvollen Himmel.

Hier können Sie einen neuen Kommentar zu diesem Artikel verfassen





Bitte lösen Sie die untenstehende Rechenaufgabe und tragen Sie das richtige Ergebnis ein. Sie helfen damit, den Missbrauch dieses Online-Formulars und Spam zu verhindern. Herzlichen Dank.

sechs minus vier =