Fremde Zeichen

Traditionelle chinesische Wissenschaften und die Schwierigkeiten der chinesischen Sprache

von Manfred Kubny erschienen in Feng Shui Journal 5/2003

Kulturtransfer ist schon zwischen zwei europäischen Ländern nicht leicht. Ein möglichst verlustarmer Transfer der auf einer 2000 Jahre langen Kontinuität basierenden traditionellen chinesischen Wissenschaften in den Westen ist erheblich schwieriger. Die bedeutendste Hürde, die dabei überwunden werden muss, ist die chinesische Sprache und ihre Schrift.

Das Geschäft mit dem Wissen der chinesischen Kultur boomt, sowohl in Europa als auch in den USA. In allen westlichen Ländern verbreiten sich Techniken, Ansichten, Schulen sowie auch ganz gewöhnliche Meinungen, die ihren Ursprung in China haben. Seit dem Beginn der großflächigen Ausbreitung der Akupunktur im Westen in den 60er- und 70er-Jahren folgten in den 80er-Jahren die Technik des Taiji Quan und Ende der 80er-Jahre die des Qigong. Seit Anfang der 90er-Jahre wurde Feng Shui immer bekannter, und gegenwärtig gewinnt auch die traditionelle chinesische Astrologie bzw. Psychologie Bazi Suanming (Vier-Säulen-Astrologie) immer mehr Anhänger und Interessierte. Die Übernahme und Annahme der jeweiligen Techniken erfolgte (mit Ausnahme der Akupunktur) meist recht schnell und unkontrolliert und oftmals auf sehr unsicherem wissenschaftlichen Boden, so dass sich, wie beim Feng Shui augenscheinlich, eine große Viefalt an so genannten Schulen und Meinungen ergab, die miteinander konkurrieren und viel Verwirrung schaffen. Aus diesem Grund ist dieser Artikel den grundsätzlichen Schwierigkeiten gewidmet, die sich bei der Übertragung einer traditionellen chinesischen Wissenschaft zwangsläufig ergeben. Als Sinologe, der einen gewissen Anteil an dieser Verbreitung hat, sehe ich mich aufgefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten, um massive Missverständnisse im Umgang mit chinesischen Kulturgütern auszuräumen und das allgemeine Diskussionsniveau in Richtung einer sachlichen Korrektheit zu heben.

Wunschdenken und Mystizismus

Zunächst ist zu sagen, dass die chinesische Kultur einerseits für den westlichen Menschen als ein vollständig anderer Kosmos menschlicher Zivilisation erscheint, andererseits in vielen Belangen auch wiederum nicht so anders sein kann - schließlich handelt es sich um Menschen und Menschenwerk. So ist zum Beispiel das sich in Techniken wie dem Feng Shui stark ausprägende Anliegen, größtmöglichen materiellen Wohlstand zu schaffen, nicht eine ausschließlich chinesische Eigenschaft, sondern dieses Bestreben kommt auch in westlichen Gesellschaften vor und ist daher ein Ausdruck menschlicher Gesellschaft schlechthin. Dasselbe gilt ebenso für den Wunsch, gesund bleiben zu wollen, einen möglichst passenden Partner zu finden, verstanden zu werden, beruflich erfolgreich zu sein und schließlich als gesunder Mensch so alt wie möglich zu werden. Lediglich die Lösungsangebote, wie Wege zur Realisierung dieser menschlichen Grundbedürfnisse gefunden werden können, sind von Kultur zu Kultur unterschiedlich, was fremde Kulturen schließlich auch so spannend macht. Von Einblicken in die Techniken der chinesischen Kultur erhofft sich der westliche Mensch in der Regel die Aufdeckung unerhörter Geheimnisse, mit Hilfe derer man sich viele Vorteile verschaffen könnte. Der Westen pflegt ein stark idealisiertes Bild von China, was hierzulande Entwicklungen zulässt, die man schlicht als Wildwuchs bezeichnen kann. Die Einführung einer traditionellen chinesischen Technik bewegt sich zwischen hohen Erwartungen des westlichen Publikums und einer hohen Hürde der kulturellen Andersartigkeit Chinas, so dass sich Wunschdenken und Mystizismus gegenseitig stimulieren.

Das schriftliche Erbe Chinas

Die wohl auffälligsten Abweichungen der chinesischen Kultur von den kulturellen Errungenschaften des Westens sind die Sprache und die Schrift. Die chinesische Kultur verfügt über unzählige schriftliche Hinterlassenschaften, die ihren Anfang mutmaßlich zwischen 2000 bis 1000 v.Chr. genommen haben müssen. Chinesen und einige dankbare Westler neigen dazu, den kulturellen Ursprung Chinas weit früher anzulegen, als es die wissenschaftlichen Erkenntnisse nahelegen. Die ältesten Schriften, die so genannten Orakelknochen, waren divinatorischer Natur und dienten der Befragung von Naturkräften und Geistern. Sie stammen aus der Yin-Dynastie (1766-1122 v.Chr.) und sind in Schildkrötenpanzer eingeritzte Symbole und Zeichen. Man nennt sie "Schild"- oder "Knocheninschriften" (jiaguwen). Aus der Zhou-Dynastie (1027-256 v.Chr.) kennt man bronzene Sakralgefäße, auf denen ausführliche Inschriften verfasst wurden. Diese Variante der chinesischen Schrift nennt man "Metall-Schrift" â-¢Ëœ§Â (jinwen) oder "Bronzeschrift" §Â (zhong dingwen). Daneben existieren zahlreiche weitere Schriftvarianten der chinesischen Zeichen. (Siehe folgender Artikel von Wang Ning) Erst allmählich wurden Schriften auf Seide, Reispapier oder auf Bambusplättchen verfasst. Nach der Bücherverbrennung 213 v.Chr. durch Qin Shi Huangdi, bei der sehr viel divinatorisches Material verloren ging, wuchs die Literatur beständig und wurde über Jahrhunderte kopiert, verbessert, erneuert und gesammelt. Daher sind die schriftlichen Quellen der chinesischen Kultur die authentischen Zeugnisse ihrer Techniken und wissenschaftlichen Vorstellungen, so wie sie im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind.

Die gesprochene Sprache

Zunächst wirkt die chinesische Sprache als gesprochenes Wort sehr fremdartig, kann man doch aus den unverständlichen Lauten kaum etwas Strukturierendes heraushören, das nach westlichem Verständnis die Hoffnung auf eine sinnbildende Systematik begründete. Vor allem aber ist es die chinesische Schriftsprache, die das westliche Publikum einerseits fasziniert, und andererseits derart überfordert, dass die persönliche Vorstellung, z.B. die hier zitierten chinesischen Texte über Feng Shui, traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Bazi Suanming oder Qigong direkt aus den chinesischen Originalquellen entnehmen zu können, in der Regel bald in weite Ferne rückt. Tatsächlich ist die chinesische Sprache von grundsätzlich anderer Struktur als die westlichen Sprachen. Sprachwissenschaftlich ausgedrückt, gehört Chinesisch zu den "isolierenden Sprachen", während die meisten romanischen und germanischen Sprachen inklusive des Russischen zu den "konjugierenden Sprachen" sowie Japanisch, Türkisch und Ungarisch überraschenderweise zu derselben Kategorie der "aglutinierenden Sprachen" gehören. Konjugierende Sprachen gehen normalerweise von einer Subjekt-Prädikat-Objekt-Struktur (SPO) aus und verändern im Satz sowohl Nomen, Adjektive und Verben in der Aussprache und damit auch in der Schreibweise passend zum Sinn des Satzes. Das bedeutet, dass z.B. Zeitform, Konjunktiv, Aktiv, Passiv oder logische Bezüge durch verschiedene Fälle ausgedrückt werden.
Die aglutinierenden Sprachen gehen in der Regel von einer Subjekt-Objekt-Prädikat-Struktur (SOP) aus, wobei insbesonders dem Verb, das immer am Ende eines Satzes steht, eine besondere Bedeutung zukommt. Indem man das Verb am Ende des Satzes verändert bzw. konjugiert und ihm Silben und Hilfsverben anhängt (daher die Bezeichnung "aglutinierend"), wird erst der gesamte Satz erklärbar. So kann es vorkommen, dass im Japanischen das Verb am Ende des Satzes unter Umständen länger ist, als alle vor ihm stehenden Nomina und Adjektive zusammen. Isolierende Sprachen wie das klassische und das moderne Chinesisch gehen zwar vage von einer SPO-Struktur aus, jedoch kennen sie keinerlei Form von Konjugation und Deklination oder sonst einer Veränderung irgendeines Wortes im Satz, um damit einen bestimmten Sinnzusammenhang auszudrücken. Die chinesische Sprache nimmt die Worte so, wie sie kommen, und spricht sie als solche auch aus. Das Verb bleibt immer gleich, egal ob man damit ein vergangenes, gegenwärtiges oder zukünftiges Geschehen bezeichnen möchte. Allein die Einfügung von Wörtern wie "gestern", "jetzt" oder "später" indiziert, in welchem zeitlichen Umfeld das Ausgedrückte geschieht. Das hat durchaus Vorteile für denjenigen, der Chinesisch lernen möchte: Durch die Einfachheit des gesprochenen Chinesisch kann man überraschend schnell eine gewisse Kommunikationsfähigkeit für den Alltag erreichen. Ein Europäer, der sich in China aufhält, kann sich bei durchschnittlicher Sprachbegabung in nur drei Monaten einen ausreichenden gesprochenen Wortschatz aneignen, der ihm den Restaurantbesuch oder den Einkauf auf dem Markt ermöglicht. In der Einfachheit der chinesischen Sprache als isolierende Sprache liegt aber auch deren größte Schwierigkeit, denn es ist mit einer so einfachen Sprachstruktur äußerst umständlich, sich differenziert auszudrücken. An diesem Punkt beginnt die chinesische Sprache von jedem, der versucht, sie zu erlernen, die vollständige Unterordnung unter ihre kulturelle Hegemonie zu fordern. In Bezug auf die traditionellen chinesischen Wissenschaften bedeutet diese Forderung, dass nur derjenige sich dem Verständnis einer solchen Wissenschaft annähern kann, der bereit ist, sich das gesamte Weltbild und das soziokulturelle Gefüge Chinas anzueignen, sprich am besten gleich Chinese zu werden. Dies ist ein geradezu diktatorischer Anspruch gegenüber allen, die eine traditionelle chinesische Wissenschaft verstehen möchten. Oft verkörpert und überhöht diesen Anspruch ein nicht kritisierbarer Meister, der in seinem Selbstverständnis die Quelle aller relevanten Informationen per se darstellt.

Das geschriebene Chinesisch

Das geschriebene Chinesisch unterteilt sich in moderne chinesische Schriftsprache und klassische chinesische Schriftsprache. Es ist ungleich schwieriger, Chinesisch lesen als sprechen zu lernen, denn Chinesisch ist nicht nur eine isolierende Sprache im Satzgefüge, sondern darüber hinaus auch noch eine piktographische Sprache, die nicht Wörter aus Buchstaben bildet, sondern deren geschriebene Wörter Bilder darstellen, die aus archaischen Bildzeichen im Lauf der Zeit sublimiert, komponiert und stilisiert worden sind, bis es zu den heutigen Zeichen kam. Es ist dabei einem chinesischen Zeichen nicht unbedingt anzusehen, wie es ausgesprochen wird, ebensowenig kann man dem Zeichen ansehen, was es bedeuten könnte. Zwar gibt es tatsächlich Schriftzeichen, die ein Bild darstellen und auch dieses Bild bedeuten. Diese Paradebeispiele werden gerne am Anfang eines Sprachkurses vorgeführt, so dass der Eindruck ensteht, dass sich die Bedeutung aller Zeichen so erschließt. Für einige sehr alte Schriftzeichen trifft dies zu, doch der Sprachgebrauch hat im Lauf der Jahrhunderte Bilder geschaffen, die keinesfalls mehr intuitiv erfasst werden können. "Das chinesische Schriftsystem ist ein sehr kompliziertes Produkt. Zunächst sind die Schriftzeichen durchaus nicht alle nach gleichen Prinzipien gebildet: im Verlauf der vielen Jahrhunderte ihres Frühstadiums entwickelte sich die Schrift so, dass nicht weniger als drei Haupttypen von Zeichen entstanden, die sich in der Art und Weise ihrer Bildung unterschieden."1 Das Nachzeichnen von Gegenständen ergab Bildzeichen: Dies sind die gebräuchlichsten aller chinesischen Zeichen. Sie werden tatsächlich "Abbild" (xiang) genannt und bezeichnen genau das, was sie darstellen. Jedoch ist in vielen Fällen das ursprüngliche Bild in der heutigen Form des Schriftzeichens nicht mehr wiederzuerkennen. Zu dieser Gruppe gehören z.B. die Schriftzeichen "Sonne" (ri), "Mond" (yue), "Regen" (yü), "Frucht" (guo), "Mund" (kou), "Schaf" (yang) oder "Pferd" (ma). Doch Bildzeichen eignen sich oftmals nur für konkrete Dinge und nicht für abstrakte Sachverhalte.
Eine Methode zur Darstellung von abstrakten Begriffen war die Entlehnung von Zeichen: Man zog für einen abstrakten Begriff ein gleichklingendes anderes konkretes Wort heran. Das Schriftzeichen für "kommen" ®â€ (lai) ist zum Beispiel dem Bildzeichen "Weizen" ?¡ (mai) entlehnt, weil beide im Altertum mit demselben Laut und Ton ausgesprochen wurden. "Eine andere Möglichkeit der Entlehnung bestand darin, dass das Bild eines konkreten Gegenstands eine mit demselben innig verbundene oder mit dem betreffenden Gegenstand eindeutig assoziierte abstrakte Idee symbolisierte."2 Für den Begriff "Norden" (bei) haben wir als Bild zwei mit dem Rücken zueinander stehende Menschen, weil in China der Norden immer als das "hintere" angesehen wurde, das sich im Rücken befindet. Doch mit welcher Hintergründigkeit man auch solche Zeichen erschuf, sie reichten dennoch nicht aus, die Vielzahl abstrakter Begriffe, die der menschliche Geist hervorbringt, zu erfassen. Dies gelang erst durch die zusammengesetzten Zeichen ?|?q (hui yi), bei denen zwei oder mehrere einfache Bilder zusammengefügt wurden, so dass die Bedeutung dieser logischen Verbindungen sich als Symbol für eine neue Idee eignete. Das Zeichen "hell" (ming), das aus den Zeichen für Sonne und Mond besteht, den beiden hellsten Gestirnen, ist ein Beispiel, wie die gemeinsame Eigenschaft zweier Objekte den Sinn des neuen Zeichens bestimmen. Es gab auch die Zusammensetzung von Zeichen, die eine gemeinsame Idee beinhalten, wie das Zeichen "gut" (hao), das aus den Zeichen "Frau" (nü) und "Kind" (zi) besteht. Auch wurden situationsbezeichnende Schriftzeichen zusammengesetzt, z.B. zeigt das Zeichen "ausruhen" (xiu) einen "Menschen" (ren), der sich im Schatten eines "Baumes" (mu) ausruht. Ein Prinzip der chinesischen Schrift lautet, dass der linke Teil eines Schriftzeichens die thematische Bedeutung des Begriffs beschreibt und der rechte Teil den Laut zur Aussprache beisteuert. Aber auch das ist ein Prinzip, das jederzeit gebrochen werden kann. Darüber hinaus vermehrten sich die Schriftzeichen auch durch die Ungenauigkeit der Anwender. Häufig wurden die Schriftzeichen beim handschriftlichen Kopieren der Texte falsch geschrieben und spukten alsbald als Variante zum ursprünglichen Schriftzeichen durch die Texte. Desweiteren stieg die Fähigkeit des Schreibens im Lauf der Zeit in der gebildeten Bevölkerung an, und man begann vermehrt, selbst Zeichen zu erfinden, wenn man etwas ausdrücken wollte, für das es keine offizielle oder bekannte Bezeichnung gab oder deren richtige Bezeichnung man nicht kannte. Das führte zu einer unkontrollierten Ausbreitung von Schriftzeichen, wobei sich die Systematik der Erfindungskriterien vollkommen aufzulösen begann. Der chinesische Staat hatte bald große Probleme mit dem Schöpfungsreichtum seiner Untertanen, denn massenweise neu erfundene Schriftzeichen konnten auch das auf Schriftzeichen beruhende Verwaltungsmonopol des Staates gefährden. So begann man Institutionen zu gründen, die die chinesische Schrift verwalteten und Neuerfindungen von Schriftzeichen systematisch erfassten. Die erste Aufstellung der bekannten chinesischen Schriftzeichen stammt aus dem Jahr der Bücherverbrennung 213 v.Chr. vom Premierminister des Qin Shi Huangdi, einem gewissen Lisi. Diese Aufstellung enthielt insgesamt 3300 Schriftzeichen. Sie wurde immer wieder ergänzt und aufgebessert, und schon zwei Jahrhunderte später enthielt sie 7380 chinesische Schriftzeichen. Das im Jahr 121 n.Chr. erschienene erste etymologische Lexikon der Welt von Xu Shen (30-124 n.Chr.), das "Shuowen Jiezi" enthielt bereits 10516 chinesische Schriftzeichen. Diese Entwicklung hielt über Jahrhunderte an, wie das Lexikon des Qing-Kaisers Kang Xi ±d?? (reg. 1661-1722), das "Kang Xi Zidian" ±d??¶r®Â (Lexikon des Kaisers Kang Xi), eindrucksvoll zeigt: Es wurde im Jahr 1716 von selbigem in Auftrag gegeben und enthielt bei seiner Fertigstellung die unglaubliche Zahl von 47021 chinesischen Schriftzeichen. Von der institutionellen Ebene des Staates weiß man, dass 124 v.Chr. erstmals ein Amt für die klassischen Werke in "neuer Schrift" gegründet wurde, das 50 Spezialisten beschäftigte. 79 n.Chr. wurde am kaiserlichen Hof eine Konferenz über die Interpretation der klassischen Werke abgehalten. Beinahe jeder chinesische Philosoph war ein Interpret der chinesischen Grundklassiker, und in allen kaiserlichen Beamtenprüfungen wurden auch die Inhalte vergangener Interpretationen der klassischen Werke geprüft. Es gab ganze Scharen von Gelehrtenbeamten, die ihre einzige Möglichkeit, ihre schriftliche Kompetenz zu zeigen, darin sahen, die wichtigsten klassischen Werke und deren Kommentare auswendig zu lernen und auf Befragen niederzuschreiben, als Nachweis, dass sie in voller Kenntnis der chinesischen Schrift seien. Um die chinesischen Schriftzeichen einordnen zu können, wurden sie schon sehr früh in Zeichengruppen eingeteilt, die sie einem bestimmten grafischen oder sinngebenden Kontext zuordneten. Die Schriftzeichen der Oberbegriffe, die in ihrer Summe in allen Schriftzeichen enthalten sein müssen, nennt man "Radikale". Sie sind alle Bildzeichen. So gibt es ein Radikal für "Frau" (nü), "Baum" (mu), "Sonne" (ri), "Mond" (yue) etc. Im ersten etymologischen Lexikon "Shuowen Jiezi" (121 n.Chr.) gab es 540 Radikale, bis zum Ende der Ming-Zeit 1644 wurden sie auf 214 Radikale reduziert, die heute auch das Einordnungsmuster der klassischen Zeichen sind. Nach der Schriftreform der Volksrepublik China gibt es wiederum 227 Radikale, aus denen man alle chinesischen Schriftzeichen erschließen kann.

Die moderne Schrift

Die chinesische Sprache und Schrift hat die Neigung, Binome und andere Komposita aus verschiedenen Zeichenketten zu bilden, also Begriffe, die aus zwei verschiedenen oder mehreren Schriftzeichen bestehen und nur gemeinsam einen Sinn ergeben, der lexikographisch festgehalten ist. Die Binome steigern die Variationsbreite des chinesischen Ausdrucks enorm. Ingesamt gibt es nach dem berühmten chinesischen Universallexikon "Zhongwen Dacidian" 49905 einzelne chinesische Schriftzeichen, von denen aber nur etwa 6000 in gebildeten Kreisen verwendet werden. Der Rest der Zeichen findet nur noch in sinologischen Spezialistenkreisen oder in seltenen Texten Anwendung. Die 49905 Schriftzeichen ergeben einen unerschöpflichen Vorrat an Formeln und eine gewaltige Anzahl von Binomen und anderen Zeichenkombinationen, die von Generationen von Dichtern, politischen Schriftstellern, Historikern, Moralisten und Gelehrten in unaufhörlicher Arbeit angehäuft wurden. Jedoch wird der Durchschnitts-Chinese wohl mit 3000 bis 4000 Schriftzeichen auskommen, in ländlichen Bereichen der Volksrepublik China sogar mit weniger als 2000 Schriftzeichen, denn die Lesefähigkeit hängt stark vom allgemeinen Bildungsniveau und dem wirtschaftlichen Lebensstandard ab. Um dem Notstand der eingeschränkten Lesefähigkeit großer Bevölkerungsgruppen zu entgehen, hat man in der Volksrepublik China seit den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts etwa 4000 verkürzte Zeichen geschaffen, deren Strichzahlen verringert wurden und die aus den klassischen Zeichen hervorgegangen sind. Die verkürzten Schriftzeichen wurden "Einfach-Körper-Zeichen" (jianti zi) genannt und sind jetzt Standard in der gesamten Volksrepublik; die gesamte Literatur und auch Zeitungen werden konsequent in dieser Form gedruckt. Für den westlichen Ausländer geriet dies zu einer zusätzlichen Hürde, denn er war von nun an mit zwei Arten von Schrift konfrontiert: einer vorgeblich einfachen Schreibweise der am häufigsten verwendeten Zeichen und einer angeblich schwierigen, nämlich die der ursprünglich klassischen Schriftzeichen, die vor allem in Hongkong und Taiwan verwendet werden. Aus den vereinfachten Schriftzeichen kann man jedoch keineswegs die alten klassischen ableiten, so dass der westliche Ausländer gezwungen ist, im Prinzip 4000 Zeichen zusätzlich zu lernen, wenn er sowohl taiwanesische als auch volksrepublikanische Literatur zum selben Thema lesen möchte. Aus meiner Erfahrung im Erlernen der chinesischen Schrift sind die klassischen Schriftzeichen im Grunde einfacher zu lernen, weil sie mehr plausible Merkmale und ganze Bilder enthalten, wohingegen die modernen Schriftzeichen nur noch Trümmer eines ehemals plausiblen Bildes sind, so dass kein Sinnzusammenhang zwischen Bild und Bedeutung mehr assoziiert werden kann. Überdies ist es in der Volkrepublik China inzwischen wieder so, dass gebildete Gesellschaftsschichten damit begonnen haben, die klassischen Langzeichen zu verwenden, um damit ausdrücklich zu zeigen, dass man zur Bildungselite gehört.

Sprechen und Lesen

Es ist bei der chinesischen Sprache durchaus möglich, die Felder "sprechen" und "lesen" voneinander abzugrenzen, ohne in Konflikt zu geraten: Man kann durchaus sehr gut chinesisch sprechen, ohne jedoch des Lesens mächtig zu sein. Es ist aber auch denkbar, sehr gut chinesisch lesen zu können, ohne auch nur einen chinesischen Satz über die Lippen zu bringen. Wenn man die Laute der chinesischen Amtssprache untersucht, dann wird man mit Erstaunen feststellen, dass zwischen der Anzahl der Schriftzeichen und der Anzahl der gesprochenen Laute ein großer Unterschied besteht. Während wir einerseits fast 50000 Schriftzeichen haben, gibt es demgegenüber nur 420 Laute (oder Silben) die gesprochen werden können. In einem Standardlexikon mit ca. 4200 Schriftzeichen würden demnach statistisch auf jeden Laut 10 Schriftzeichen fallen, die irgendwie ähnlich gesprochen werden und nur durch die vier Töne unterschieden werden. Aber auch die statistische Belegung der Laute auf die Schriftzeichen schwankt sehr stark: Von den 4200 chinesischen Wörtern werden zum Beispiel nur zwei "run", 69 "yi", 59 "shi" und 29 "ku" ausgesprochen. Hierbei kann sich die falsche Wahl der Töne fatal auswirken. Der Laut "zhu" beispielsweise kann im 1. Ton "Schwein", im 2. Ton "Bambus", im 3. Ton "Herr, Chef" und im 4. Ton "heraustreten" bedeuten, und es wäre wohl sehr ungünstig, wenn man in Unkenntnis der geforderten Tonlage den "Chef" aus Versehen als "Schwein" bezeichnen würde. Doch diese Regel gilt nur für das bekannte Mandarin. Im kantonesichen Dialekt wiederum erhalten wir weniger Laute, dafür aber 11 Töne. In China wird nämlich in jeder Provinz, manchmal auch schon in jeder Stadt ein anderes Idiom gesprochen, das von anderen soweit abweicht wie das Tschechische vom Spanischen, obwohl die geschriebene chinesische Sprache stets die gleiche ist. "Es gibt Gebiete mit weit verbreiteter, einigermaßen homogener Sprache, andere, in denen die Verschiedenheiten so groß sind, dass der Reisende alle paar Kilometer eine fast neue Sprache hört, und Bewohner benachbarter Dörfer können sich oft sprachlich überhaupt nicht verständigen."3 Das trifft besonders für den Süden Chinas zu. "Es mag unrichtig erscheinen, so viele Idiome wie die von Nord- und Südchina lediglich als Dialekte und nicht als verschiedene Sprachen anzusehen. Aber sie haben sich vor allem durch ihre Lautentwicklung so weit von einander entfernt; in anderer grammatischer Beziehung stimmen sie so weitgehend überein, dass man von verschiedenen Sprachen nicht sprechen kann."4 So heißt beispielsweise das Verb "sprechen" ¡ø auf Mandarin jiang, im Shanghai-Dialekt gang und auf Taiwanesisch gong. "Aus diesem Grunde wurde in China schon früh grundsätzlich eine so genannte Beamten-Sprache ©x?‹ (guanhua) gepflegt, die es ermöglichte, zum selben chinesischen Schriftzeichen denselben Laut zuzuordnen. Diese Amtsprache ist heute als Mandarin-Chinesisch bekannt, das dem in Beijing gesprochenen Chinesisch sehr nahe ist. Das Wort Mandarin‘ ist nicht chinesischen Ursprungs, sondern wurde gebildet aus mantrin (Sanskrit) Ratgeber‘ und mander (Portugiesisch) befehlen‘."5 Das "Mandarin" wird als Staatssprache in allen Schulen, Universitäten und allen Verwaltungseinrichtungen verwendet. Interessanterweise wurde es auch vom taiwanesischen Staat übernommen, wenngleich das Mandarin in Taiwan einen starken Akzent aufweist, ebenso auch das Mandarin in den Städten Nanjing, Shanghai oder Bejing selbst.

Babylonische Sprachverwirrung

Die Vielfalt der Dialekte macht sich auch in der Übertragung von Fachbegriffen des Feng Shui in Deutschland bemerkbar. Wenn ein chinesischer Meister in Europa Unterricht gibt, wird er naturgemäß auf sein Idiom zurückgreifen, so dass für dieselben Schriftzeichen des Feng Shui plötzlich vollständig unterschiedlich romanisierte Wörter kursieren. Nehmen wir z.B. das Schriftzeichen "Himmelsstamm Yang-Holz" " (jia), das in Mandarin "jia" ausgesprochen wird, in Kantonesisch aber "yam". Aber auch die Vermischung von Sinninhalten und Schriftenzeichen, die miteinander eigentlich nichts zu tun haben, ereignet sich beim Kulturtransfer von China in den Westen. Diese Variante ist besonders tückisch, weil sie einerseits irgendetwas Wahres aussagt, andererseits beim Zustandekommen der Aussage ein Fehler begangen wurde, der sich aber dann so verbreitete, dass man im Westen schließlich den Fehler als richtig annahm. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Vermischung der Terminologie der Erdzweige im Bazi Suanming mit der Terminologie der Tierkreiszeichen-Astrologie. Wahr ist hierbei, dass in der Tierkreiszeichenastrologie die Jahre im Fokus stehen und mit den Tierkreiszeichen bezeichnet werden. Wahr ist wiederum, dass jedes Jahr im chinesischen 10000-Jahreskalender eine Himmelsstamm- und Erdzweig-Kombination hat, die bei der Berechnung des Bazi Suanming übernommen wird. Wahr ist auch, dass die Erdzweige über diese Brücke durch die Tierkreiszeichen repräsentiert werden. Wenn beispielsweise das gegenwärtige Jahr die Himmelsstamm-Erdzweig-Kombination -WE2- "Hs Yin-Wasser, Ez zweite Yin-Erde" (guiwei) heißt, dann handelt es sich in der auf das Jahr fixierten Tierkreiszeichen-Astrologie zwingendermaßen um ein "Wasser-Schaf". Nun sind aber die Tierkreiszeichen-Astrologie und das Bazi Suanming zwei voneinander abgegrenzte Systeme, die nur in einem Punkt übereinstimmen, nämlich dass die Tierkreiszeichen-Astrologie mit den Eigenschaften der Tierkreiszeichen einzig und allein das Jahr beschreibt. Dadurch ergab sich folgender signifikanter Fehler im Westen: Weil jeder Erdzweig in der Tierkreiszeichen-Astrologie durch einen Tierkreis repräsentiert wurde, wurden die Tierkreiszeichen alsbald mit den Erdzweigen gleichgesetzt und schließlich auch im Bedeutungsinhalt für identisch erklärt. Zunächst werden die Schriftzeichen der Erdzweige für die Schriftzeichen der betreffenden Tiere gehalten. Man erfährt, dass beispielsweise die Schriftzeichen §» (wu) "Pferd", (si) "Schlange" oder ®? (chen) "Drachen" bedeuten sollen. Das ist falsch, denn der "Drache" heißt auf chinesisch ¿s (long), während der Erdzweig ®? (chen) "Yang-Erde", oder alternativ "Yang-Erde des Frühlings bzw. der Wandlungsphase Holz" bedeutet etc. Mit dieser Gleichstellung begann man dann ebenso die Himmelsstamm-Erdzweig-Kombination des Monats, Tages und der Stunde mit Tiernamen zu bezeichnen, ein Vorgehen, das in der gesamten chinesischen Lehrbuchliteratur des Bazi Suanming nicht zu finden ist. Die plötzliche Präsenz der Tierkreiszeichen in den vier Säulen des Bazi Suanming führte wiederum dazu, dass man im Westen begann, innerhalb des Bazi Suanming interpretatorische Aussagen und Charakterbeschreibungen mit Hilfe der Tierkreiszeichen-Astrologie zu machen. Damit begeht man zusätzlich zu der falschen Gleichsetzung der Bedeutung von Erdzweigen und Tierkreiszeichen einen weiteren Fehler, denn interpretatorische Aussagen und Charakterbeschreibungen macht man beim Bazi Suanming mit Hilfe der 10 Persönlichkeitstypen (bzw. 10 mentalen Grundmustern) sowie Aspekten wie Glücksgeister, Unglücksdämonen und Qi-Phasen. So ergab es sich, dass zwei Systeme aus zwei unterschiedlichen Formen der chinesischen Astrologie plötzlich in einem der beiden Systeme (nämlich dem Bazi Suanming) unsinnigerweise zu konkurrieren begannen. Überdies gibt die Bezeichnung Wasser-Schaf keine Aussage über die Yin-Yang-Verhältnisse der Kombination, die im übrigen für eine Analyse sehr wichtig ist. Die Empfehlung der Tierkreiszeichen-Astrologie, dass Menschen des Geburtsjahrs Ratte keine Menschen des Geburtsjahrs Pferd heiraten sollen, wird nur verstehbar, wenn man weiß, dass der Erdzweig §l (zi), den die Ratte vertritt, (Yang-Wasser) und der Erdzweig (wu), den das Pferd vertritt, "Yang-Feuer" heißt und daher eine nicht zu harmonisierende Opposition zwischen beiden steht, da der Erdzweig den Erdzweig F+ überwindet. Es ist aber keineswegs so, dass Ratte auf Chinesisch (zi) und Pferd auf Chinesisch §» (wu) heißen (siehe obige Tabelle.) Insofern ist es unverständlich, dass einige chinesische Lehrer an den Bezeichnungen der Tierkreiszeichen partout festhalten und sie auch für die Monats-, Tages- und Stunden-Säule verwenden, was innerhalb des Systems Bazi Suanming im Prinzip eine Absenkung des Diskussionsniveaus darstellt. Um das mit all diesen Schwierigkeiten entstehende babylonische Sprachgewirr auflösen zu können, wird ein chinesischer Lehrer natürlich darauf beharren, dass man am besten doch die chinesischen Schriftzeichen lernen solle (also doch besser Chinese zu werden), was zwar einerseits zu begrüßen wäre, jedoch in der Globalität des Anspruchs wahrscheinlich im Westen nicht durchführbar ist. Der Vorschlag, die chinesischen Schriftzeichen zu erlernen, entspricht dem Überlebensprinzip des Landes China, das es seit Jahrtausenden so praktiziert hat. China, das als eines der erfolgreichsten Staatsgebilde der Menschheitsgeschichte auf eine seit über 2000 Jahren kontinuierliche territoriale Expansion verweisen kann, begründet diesen Erfolg zu einem gewissen Teil mit der Kontinuität seiner schriftlichen Verwaltungssprache. Seit der Vereinheitlichung der chinesischen Schriftsprache, die der Regionalstaat Qin Ende des 3. Jahrhunderts v.Chr. ganz China aufzwang, sind die chinesischen Schriftzeichen zwar vermehrt, in ihrer Art aber nicht mehr verändert worden und wurden eines der wirksamsten Instrumente der politischen Einigung. In China hat sich gleichzeitig aus sprachlichen, politischen und administrativen Gründen eine Schrift durchgesetzt, die der gesamten chinesischen Welt zugänglich ist, gleich in welchem Dialekt die Sprache ausgesprochen wird.

Vielschichtige Bedeutungen

Chinesische Zeichen können nicht nur eine einzige Bedeutung haben, sondern bis zu 15 verschiedene Bedeutungen und mehr aufweisen. Das liegt daran, dass sie in verschiedenen Wissensgebieten und manchmal auch innerhalb desselben Gebiets unterschiedliche Dinge bezeichnen. Nehmen wir zum Beispiel das Zeichen (qi). Wenn wir zur Klärung seines Bedeutungsumfangs ein gängiges englisches Lexikon der klassischen chinesischen Schriftsprache aufschlagen, so erfahren wir folgende Bedeutungsvarianten: "Atem", "Luft", "Dampf", "Gas", "Wetter", aber auch "Art und Weise" einer Sache, "Veranlagung", "Temperament", "Kraft", oder "lebensspendendes Prinzip", "Einflüsse" oder "materielle Kraft". Ich könnte daher den Begriff Qi als Konzept sowohl materiell, spirituell, statisch, bewegt, psychisch, emotional, neutral und unitär, vielzählig, als auch primordial, biologisch und physiologisch, lebensfördernd und lebensbeeinträchtigend bezeichnen, ohne in einen Widerspruch mit einer absoluten Wahrheit des chinesischen Weltbilds zu geraten. Ein anderes Beispiel ist das Schriftzeichen ?B (yun), das in chinesischen Werken zur Technik Bazi Suanming reichlich Anwendung findet, aber unter Umständen in demselben Text an verschiedenen Stellen durchaus etwas anderes bedeuten kann. Das Zeichen "yun" kann für sich allein stehend in klassischen und modernen Schriften bedeuten: "transportieren", "zirkulieren", "wiederkehren", "anwenden", "Zyklus", "Wendepunkt des Schicksals", "Zeitabschnitt". Allein in den Texten des Bazi Suanming finden wir die Begriffe: (mingyun), wörtlich: "Schicksal-Yun", wobei hier "yun" "Schicksal" bedeutet. (xingyun), wörtlich: "Glück-Yun", wobei hier "yun" "Zeitabschnitt, Zeitpunkt" bedeutet. (dayun), wörtlich: "Groß-Yun", wobei (yun) "großer [Lebens]zyklus" bedeutet, ein Begriff, den ich so übersetze, der in Feng-Shui-Kreisen aber auch als "Luck-Pillars" bekannt ist. (shi’er yun), wörtlich: 12 [Qi]-Yun, wobei ?B (yun) hier "Phase" bedeutet. Wenn das Zeichen ?B (yun) nun in einem Bazi-Suanming-Text vorkommt, dann ist es zunächst notwendig, zu erkennen, in welchem Zusammenhang es verwendet wird, um danach die Übersetzung auszuwählen. Eine Wortbeifügung, die man als Übersetzer zur Verdeutlichung eines Sinnzusammenhangs macht, wird in wissenschaftlich üblicher Weise in eckige Klammern gestellt, um damit auszudrücken, dass diese Beifügung eigentlich nicht in der chinesischen Urquelle steht. Dahinter steht die Absicht, einem Leser, der des Chinesischen nicht mächtig ist, die Möglichkeit zu geben, den Urtext ohne Beifügung zu identifizieren, um daraus vielleicht selbst ein eigenes interpretatorisches Verständnis entwickeln zu können. Der Begriff (dayun), wörtlich "Groß-Zyklus", heißt im Kontext meiner Übersetzung "großer [Lebens]-Zyklus" und im Fließtext meiner Arbeiten eingedeutscht "großer Lebenszyklus". Demgegenüber müsste man die englische Übersetzung "Luck-Pillars", vollständig in Klammern setzen, denn weder erscheint der Begriff "Glück" (luck) noch der Begriff "Säule" (pillar) im ursprünglichen chinesischen Ausdruck Dayun.

Kontextbezogene Sinnzusammenhänge

Woher kommt es, dass ein und dasselbe Zeichen verschiedene Bedeutungen aufweist? Die Bilder der chinesischen Zeichen sind bis auf ihre Stilisierungen und Veränderungen in der grafischen Darstellung im Wesentlichen nach ihrer Erfindungsphase gleich geblieben. Es ist also möglich, Texte aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. zu lesen, ohne sein visuelles Erkennen umstellen zu müssen, jedoch ist es dagegen zwingend, diesen Text aus dem Kontext seiner Zeit zu lesen. Obwohl das Bild des Schriftzeichens gleich blieb, hat sich selbstverständlich seine Anwendung über die Epochen hinweg verändert, so dass sich allmählich verschiedene Bedeutungen herausbildeten. Ebenso wurde dasselbe Zeichen in unterschiedlichen Wissensgebieten verwendet, so dass es auch hierbei neue Bedeutungsfelder erhielt. Das bekannte Wort Qi bedeutet beispielsweise in der chinesischen Pharmakologie "die Temperaturentwicklung einer Arzneidroge nach Verabreichung" und bezeichnet die Frage, ob dem Kranken nach der Einnahme "heiß" oder "kalt" wird, dagegen bedeutet es im Kontext der Physiognomie im Begriff (qise) (wörtlich "Qi-Farbe") "Gesichtsausdruck". Die aktuelle westliche Generalübersetzung des Qi als "Energie" ist von daher obsolet. Man muss sich dabei bewusstmachen, dass ein chinesischer Autor im 2. Jahrhundert v.Chr., der Zeit der Entstehung des "Huangdi Neijing" ("Der innere Klassiker des gelben Kaisers") - ein Buch, in dem das Wort Qi gehäuft vorkommt -, kaum die westlichen Vorstellungen des 20. Jahrhunderts über eine wie auch immer geartete Lebensenergie im Kopf gehabt haben kann. Zu diesem Problem gibt es sehr interessante wissenschaftliche Ansätze, die in der Bemühung entstanden, den Wirrwarr der chinesischen Sprache steuerbar zu machen. Einer der wichtigsten Ansätze ist der von P.U. Unschuld, einem bekannten Medizinhistoriker, der weltweit als Pionier in der philologisch korrekten Erschließung chinesischer Medizintexte angesehen wird. In seiner Theorie der "spezifischen kognitiven Ästhetik einer Kultur" versucht Unschuld zu klären, weshalb innerhalb Chinas verschiedene konkurrierende Gedankensysteme unterschiedlicher Konzepte über eine lange Zeit hinweg nebeneinander Gültigkeit haben konnten, während sich die Systeme im Abendland nacheinander ablösen, da sie die Tendenz haben, im Sinn eines Absolutheitsanspruchs sich gegenseitig zu verdrängen. In China wurden hingegen Ideen oder Anschauungen nicht durch eine Neuerung (wie zum Beispiel eine wissenschaftliche Revolution oder Aufklärung) verworfen, sondern durch die Erneuerung als eigenständige Technik und Konzept ergänzt. Sie konnten fortan nebeneinander existieren, ohne sich auszuschließen. Das Abendland ersetzt in immer schnellerer Abfolge alte Wissensinhalte durch neue, dem derzeitigen Erkenntnisstand nach als richtig anzusehende, so dass die Halbwertzeit wissenschaftlich gesicherten Wissens immer weiter verkürzt wird. Wenn wir uns hingegen einem in der chinesischen Kultur so beständigem Begriff wie dem Qi zuwenden, begegnen wir einem Konzept, das gleich einem Emblem verschiedene Teil-Konzepte vertritt, die sich durchaus widersprechen und inhaltlich wenig oder sogar überhaupt nichts miteinander zu tun haben können, doch letztlich durch die Universalität des Qi-Begriffs geeinigt werden. Unschuld spricht in diesem Zusammenhang von einem "Rasterwissen", das sich kontextbedingt über verschiedene Aspekte des Lebens legt, auch wenn sich diese als Raster untereinander widersprechen: "Vor allem Partikular-Erklärungsmodelle sind wie Raster, die über die erkennbare oder denkbare Wirklichkeit gelegt werden, einen bestimmten Ausschnitt dieser Wirklichkeit ordnen und erklären und mit Hilfe dieser Ordnung und Erklärung ganz bestimmte Möglichkeiten eröffnen, Wirklichkeit zu beeinflussen, bestimmte Probleme zu lösen oder noch spezifischer: bestimmte Krankheiten zu behandeln. Dabei ist es unerheblich, dass die Logik eines Rasters, eines Partikular-Erklärungsmodells, der Logik eines anderen Rasters widerspricht, mit dessen Hilfe ein anderer Ausschnitt aus der Realität geordnet, erklärt und damit beeinflussbar wird."6

Rasterkonzepte

In diesem Zusammenhang kommt man nicht umhin, das Qi als Rasterkonzept zu bezeichnen. Denn Qi erscheint innerhalb der chinesischen Literatur als eine immanente Wirklichkeit, die aber in ihrer Vielfältigkeit und Omnipotenz nicht auf einen Blick zu überschauen ist. Qi kann daher nur aus der Sicht eines einzelnen kognitiven Rasters eines bestimmten Wissensgebiets betrachtet werden, woraus sich schließlich der große Bedeutungsumfang des Begriffs aus der Vielfältigkeit aller kognitiven Raster aller Wissensgebiete ergibt. Unter solchen Gesichtspunkten erscheinen Einheitsübersetzungen (wie es zum Beispiel in der verbreiteten energetischen Terminologie der Fall ist) als äußerst begrenzt. Diese Problematik ist für die Übersetzung fast aller Konzepte einer traditionellen chinesischen Wissenschaft gegeben. Umgekehrt macht es die Fraktion mancher traditioneller chinesischer Lehrer, aber auch der chinesischen Staatsideologen der Volksrepublik China, den westlichen Schülern und Wissenschaftlern nicht leicht, einen korrekten Sinn in der Interpretation von Texten der traditionellen chinesischen Wissenschaften zu gewinnen. Chinesische Protagonisten jedweder traditioneller Techniken haben seit jeher die Angewohnheit, entweder die eigene Technik so zu beschreiben, dass sie vor der funktionellen Dominanz der westlichen Technik aufgewertet wird, oder sie so zu mystifizieren, dass sie sich dem Verständnis des westlichen Schülers immer zu einem gewissen Grad entzieht und so der chinesische "technologische" Vorsprung niemals aufgeholt werden kann. Die Gewohnheit, eigene Inhalte gegenüber dem Westen in ihrer Bedeutung aufzuwerten (man müsste, wie wir gleich sehen werden, eher von Angleichung reden), ist ein chinesisches Prinzip der kulturellen Dominanz gegenüber anderen Ländern. Typische Redewendungen, wie "die westliche Medizin kuriert das Symptom, die chinesische Medizin kuriert die Wurzel [der Krankheit]" (xiyi zhi biao, zhongyi zhi ben), entspringen der chinesischen Haltung prinzipieller kultureller Überlegenheit. Um diesen Anspruch zu untermauern, scheute man in China nicht davor zurück, die alten chinesischen weltbildlichen Konzepte den neuen westlichen Wissenschaftserkenntnissen immer wieder anzugleichen, wie man es auch am bekannten Konzept des Qi sehen kann. Die Angleichung begann mit den Überlegungen des chinesischen Philosophen und Revolutionärs Tan Sitong (1865-1898), der im Abgleich zur Elemententheorie in der westlichen Chemie flugs Qi zum "Element der Elemente" 7 machte und im Abgleich zur abendländischen Entdeckung der Elektrizität Qi in diesen Zusammenhang stellte, "dass es die Elektrizität in der Atmosphäre sei, die sich nicht nur auf die Atmosphäre beschränkt, da es für sie kein Objekt gäbe, das sie nicht durchdringen würde."8 In neuzeitlichen Publikationen der Volksrepublik China wird dagegen Qi auch im Abgleich zur abendländischen Quantenphysik nun "als die kleinste und früheste Einheit, die so klein ist, dass sie nichts mehr beinhaltet, und aus der sich alle Wesen bilden",9 und im Abgleich zu den modernen abendländischen Systemwissenschaften als ein "informational wave motion producing and ordering effect"10 bezeichnet. Allein die letzte Übersetzung bzw. Beschreibung von Qi aus der Sicht chinesischer Qigong-Wissenschaftler zeigt, wie weit man sich bereits in einer traditionellen chinesischen Wissenschaft vom ursprünglichen traditionellen Verständnis von Qi wegbewegt hat. Die Verwestlichung traditioneller Wissenschaften ist ein Prinzip der Wissenschaftsideologie der Volksrepublik China, die auf einem deterministischen Materialismus beruht, der Spiritualität grundsätzlich ausschließt. So wird in der staatlich geförderten Literatur zum modernen Qigong ein vollständig neues Bild von Körperlichkeit dargestellt, das in erster Linie - angelehnt an abendländische Naturwissenschaften - rein physikalisch ist.
Diese mutwillige Veränderung der klassischen traditionellen Terminologie wird in der modernen Qigong-Literatur der Volksrepublik China sehr plausibel begründet: "Aber auf dem Gebiet des gegenwärtigen Qigong wird ein sehr unklarer und schwer zu verstehender Fachjargon angewendet, der aus vielen [Begriffen] besteht, die aus der Zeit des chinesischen Altertums überliefert sind. Die Art und Weise seines Ausdrucks ist daher eher vage und mystifizierend. Sie behindert aus der heutigen Sicht nicht nur den Zugang eines großen Publikums zu einem erweiterten Verständnis der Erforschung des Qigong, sondern erschwert auch den Einfluss des Qigong und die Kommunikation und den Austausch zwischen der Wissenschaft des Qigong mit anderen [modernen, westlichen] Naturwissenschaften. Schließlich erschwert es auch die Verwendung der [Forschungs]-Ergebnisse anderer Wissenschaften, die das Qigong aufwerten [was heißen soll bestätigen‘] und den Weg der Qigong-Forschung entwickeln. . Nehmen wir ein Beispiel: Was bedeutet [der Begriff] Qi in dem Binomen Qigong? Einige nennen es das wahre Qi (zhenqi), andere sprechen wiederum vom ursprüngliche Qi (yuanqi) oder vom regulären Qi‘ (zhengqi) oder sagen einfach nur Qi. . Es ist sehr schwierig, derartige Begriffe als [stringente] Bezeichnungen innerhalb einer modernen Wissenschaft zu würdigen. Um es [innerhalb einer rhetorischen Frage einmal] klar auszudrücken: Was haben Begriffe wie wahres Qi‘ oder ursprüngliches Qi‘ in den modernen Wissenschaften wie Medizin, Physik, Chemie, Biologie zu suchen? Deshalb sind wir gezwungen, die aus der klassischen chinesischen Terminologie überlieferten, mystifizierenden Begriffe in eine allgemeine, für alle Leute verständliche Sprache zu übersetzen und sie unter Ausnutzung der in den modernen Wissenschaften gebräuchlichen Begriffe und [Fach]-Sprache zu ersetzen, um [Begriffe wie] wahres Qi‘ und ursprüngliches Qi‘ zu erklären. . Es ist keine leichte Aufgabe, die alte mystische Fachsprache des Qigong in eine Umgangssprache zu übersetzen."11 Die zitierten Zeilen geben prinzipiell jedermann die Option, jeden chinesischen Begriff der traditionellen chinesischen Wissenschaften auf interpretatorische Weise so zu übersetzen, wie es einem passt. Während zum Beispiel die Autoren der klassischen "Leben-Nähren"-(yangsheng-)Literatur das bewusste Leben als Mysterium ansahen, dessen Grundlage, nämlich den Körper, es zu erhalten gilt, gibt uns die offizielle chinesische Staatsdoktrin der Volksrepublik China ein Körperbild vor, dessen Grundlage Qi als physikalischer Faktor ist, den man mathematisch definieren und mit Apparaturen messen kann und der daher ein Bestandteil der materiellen Welt ist. Dementsprechend sind der Begriff der "36000 Geister" im Körper des Menschen in der neueren Literatur des Qigong ebenso wie die Begriffe "Geistseele" ªÓ (hun) und "Körperseele" æz (po) nicht mehr zu finden, so dass wir von einem wahrhaft entseelten Körper sprechen müssen. Dies hat enorme Auswirkungen auf das Menschenbild an sich, denn es ist sicherlich in der politischen Konsequenz denkbar, einem "entseelten Körper" ein "Seelenrecht" und damit auch ein "Menschenrecht" abzusprechen. Genau an dieser Stelle kollidieren oftmals die Vorstellungen westlicher Praktiker des Yangsheng-Qigong, die von einer Einheit von Körper, Geist und Seele ausgehen, was in gewissen Annäherungen in der traditionellen chinesischen Literatur auch angestrebt wird, jedoch in der so genannten wissenschaftlichen chinesischen Qigong-Literatur in dieser Formulierung nicht mehr zu finden ist. Es kann daher sein, dass solche abendländischen Vorstellungen von einem beseelten Körper in verschiedenen Lehren bzw. Schulen des modernen chinesischen Qigong keine Entsprechungen finden und der westliche Übende einen ideologischen Irrweg beschreitet, weil er etwas anderes zu tun glaubt, als ihm in Wirklichkeit angeboten worden ist.

Fragliche "Schulmeinungen"

Die Übersetzung chinesischer Fachtermini nach Gusto ist ein sehr sensibles Thema. Das Anliegen, eine traditionelle chinesische Wissenschaft in den Westen einzuführen, sollte nicht mit dem Anliegen vermischt werden, mit Hilfe einer solchen Wissenschaft sein eigenes Weltbild zu zementieren. Aus diesem Grund ist deutlich zu unterscheiden zwischen "interpretatorischer Übersetzung", die in Einzelfällen zur Entstellung ganzer Sinninhalte führt, und einer Übersetzung, die bestrebt ist, die chinesische Fachterminologie so zu übersetzen, wie sie wirklich ist und was sie wirklich aussagt, auch für den Fall, dass sich der übersetzte Begriff für ein westliches Publikum etwas ungewohnt anhört. Im ersteren Fall der interpretatorischen Übersetzung setzt man dem Leser oder Schüler die Brille des Autors auf und zwingt ihn, die Sache so zu verstehen, wie der Übersetzer sie aus seiner Situation heraus sieht. Das betrifft besonders westliche Autoren, die des Chinesischen nicht mächtig sind, aber gleichzeitig bahnbrechende Theorien zu einer traditionellen chinesischen Wissenschaft mit dem Hinweis auf irgendeinen chinesischen Namen ausführen. Am Beispiel des Feng Shui ist zu sehen, wohin das führt: Weil das Gros der westlichen Publikationen zum Feng Shui von Anfang an bis zum heutigen Boom offensichtlich nicht auf Orginalquellen basiert, sondern auf vagen Beschreibungen, mündlichen Überlieferungen unklarer Provenienz und ebenso vager westlicher Sekundär- und Terziärliteratur beruht, entstand eine zum Teil äußerst bizarre Terminologie des Feng Shui, die aus unterschiedlichen Dialekten und unterschiedlichen Darstellungen derselben theoretischen Konzepte besteht und in einigen Fällen auch zur Verdoppelung von Konzepten unter verschiedenen Begriffen oder zur Verwendung desselben Begriffs für unterschiedliche Konzepte geführt hat. Vollends absurd wird es, wenn sich Anhänger der einen oder anderen angeblichen chinesischen "Schulmeinung" zu streiten beginnen. Neben dieser sprachlichen und konzeptuellen Verirrung liegt die Krux aber auch in den traditionellen chinesischen Wissenschaften selbst: Aufgrund ihrer kognitiven Progression (siehe oben) ist es möglich, unterschiedliche Lehrmeinungen und Systeme zum selben Sachverhalt zu befragen und aus den Systemen auch unterschiedliche Antworten zu bekommen, ohne dass sich diese gegenseitig ausschließen. Die Ausschließlichkeit des Rechthabens ist eine typische Eigenschaft der westlichen Wissenschaften, für die es nur eine einzige Lehrmeinung genauso wie nur einen Gott oder einen Papst geben darf. Innerhalb des traditionellen chinesischen Wissenschaftssystem ist es nur eine Frage des Pragmatismus und des Überlebensprinzips, welche Lehrmeinung zum jeweiligen Zeitpunkt den Vorzug erhält und zur Anwendung kommt.

Die "gefährlichen" Ausländer

Das Schöne an der chinesischen Kultur ist, dass sie fast alles aufgeschrieben hat, was ihr wichtig erschien - und das war so ziemlich alles. Das betrifft sowohl die TCM, Qigong und Taiji Quan wie Feng Shui oder Bazi Suanming. In allen Fällen handelt es sich um über die Jahrhunderte schriftlich sehr gut dokumentierte Techniken, zu deren Originalquellen man über Staatsbibliotheken weltweit Zugang haben kann und die auch als Nachdrucke sowohl in Taiwan, Hongkong und der Volksrepublik China frei verkäuflich sind. Im Prinzip sind also alle Wissensinhalte der aufgeführten traditionellen chinesischen Techniken überprüfbar, und der Hinweis auf eine geheime mündliche Überlieferung weist eher darauf hin, dass es keinen historischen Beleg für die betreffende Technik gibt. Inwieweit aber die Überprüfbarkeit von Aussagen der traditionellen chinesischen Wissenschaften in einer chinesischen Originalliteratur im Interesse mancher chinesischer Lehrer ist, insbesondere der ultra-orthodoxen chinesischen Meister, die sich selbst als Quelle der chinesischen Kultur sehen, ist eine andere Frage. Die Möglichkeit des Nachschlagens in chinesischen Originalquellen führt naturgemäß zu einer Entmystifizierung des Wissens und damit auch zu einer Entmystifizierung des chinesischen Lehrers. Und es fällt diesen - und ebenso den Wissenschaftsapologeten aus der Volksrepublik China - sichtlich schwer, hinzunehmen, dass ihre Theorien überprüft, hinterfragt und anhand der jedermann im Westen zugänglichen chinesischen Originalquellen bewiesen oder entkräftet werden können. Ganz in diesem Sinn bezeichnen Chinesen solche Ausländer als "gefährlich" (weixian), wenn diese offenbar in der Lage sind, sich sowohl sprachlich als auch schriftlich auf Chinesisch so zu verständigen, so dass sie allen möglichen Szenarien folgen können. "Gefährlich" zu sein ist daher auch das höchste Lob, das ein Chinese einem Ausländer ob seiner chinesischen Sprachkenntnisse machen kann.