Fremde Zeichen
Traditionelle chinesische Wissenschaften und die Schwierigkeiten der chinesischen Sprache
Kulturtransfer ist schon zwischen zwei europäischen Ländern nicht leicht. Ein möglichst verlustarmer Transfer der auf einer 2000 Jahre langen Kontinuität basierenden traditionellen chinesischen Wissenschaften in den Westen ist erheblich schwieriger. Die bedeutendste Hürde, die dabei überwunden werden muss, ist die chinesische Sprache und ihre Schrift.

Das Geschäft mit dem Wissen der chinesischen Kultur boomt, sowohl in Europa als auch in den USA. In allen westlichen Ländern verbreiten sich Techniken, Ansichten, Schulen sowie auch ganz gewöhnliche Meinungen, die ihren Ursprung in China haben. Seit dem Beginn der großflächigen Ausbreitung der Akupunktur im Westen in den 60er- und 70er-Jahren folgten in den 80er-Jahren die Technik des Taiji Quan und Ende der 80er-Jahre die des Qigong. Seit Anfang der 90er-Jahre wurde Feng Shui immer bekannter, und gegenwärtig gewinnt auch die traditionelle chinesische Astrologie bzw. Psychologie Bazi Suanming (Vier-Säulen-Astrologie) immer mehr Anhänger und Interessierte. Die Übernahme und Annahme der jeweiligen Techniken erfolgte (mit Ausnahme der Akupunktur) meist recht schnell und unkontrolliert und oftmals auf sehr unsicherem wissenschaftlichen Boden, so dass sich, wie beim Feng Shui augenscheinlich, eine große Viefalt an so genannten Schulen und Meinungen ergab, die miteinander konkurrieren und viel Verwirrung schaffen. Aus diesem Grund ist dieser Artikel den grundsätzlichen Schwierigkeiten gewidmet, die sich bei der Übertragung einer traditionellen chinesischen Wissenschaft zwangsläufig ergeben. Als Sinologe, der einen gewissen Anteil an dieser Verbreitung hat, sehe ich mich aufgefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten, um massive Missverständnisse im Umgang mit chinesischen Kulturgütern auszuräumen und das allgemeine Diskussionsniveau in Richtung einer sachlichen Korrektheit zu heben.
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