Der Kristallplanet, Teil 08
Ideengeschichte der globalen Gitternetze
Nachdem Marco Bischof in der letzten Folge die geometrische Mystik der Antike und des Mittelalters dargestellt hat, verfolgt er hier die Entwicklung dieser Lehre weiter bis in die Neuzeit, wo sie vor allem in der Romantik nochmals aufblühte. Dabei stellt er den Symbolforscher Albert Freiherr von Thimus in den Mittelpunkt, der die musikalisch-mathematische Mystik der Antike aus alten Quellen zu rekonstruieren versuchte.

Im 18. Jahrhundert leistete der große Schweizer Mathematiker, Physiker, Astronom und Geodät Leonhard Euler (1707-1783) einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der platonischen Körper. Die "Eulersche Polyederformel" f+(v-2) = e bzw. f+v = e+2, wobei f die Fläche, e die Kante und v die Ecke bedeuten, definiert präzise mathematische Regeln für die topologische Beziehung der Flächen (Seiten), Ecken und Kanten von Polyedern. Auch für den großen Universalgelehrten der Barockzeit, dem Philosophen, Mathematiker, Physiker und Diplomaten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), der in seiner frühen Zeit in Leipzig und Nürnberg Sekretär einer alchemistischen Gesellschaft gewesen war und sich in Platon, Nikolaus von Cusa, Henry More, Francis Bacon und Tommaso Campanella vertieft hatte, war Gott in bester platonisch-pythagoräischer Tradition die "Allharmonie". Er betrachtete es als die Aufgabe einer künftigen Philosophie, das "neue Evangelium" vom "geometrisierenden Gott" zu schreiben, und er wollte alle Wissenschaften in einer durch die Mystik inspirierten, alles erfassenden, großen Allwissenschaft zusammenführen. Die berühmte Äußerung in einem Brief an Goldberg im Jahr 1712 zeigt sein harmonikales Denken: "Die Musik ist eine verborgene arithmetische Übung der Seele, welche dabei nicht weiß, dass sie mit Zahlen umgeht (.). Wenn die Seele auch nicht merkt, dass sie rechnet, so fühlt sie doch die Wirkung dieser unbemerkten Rechnung, sei es als Freude am Zusammenklang, sei es als Bedrückung beim Missklang.
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