Die lebendige Natur an heiligen Orten

von Nigel Pennick erschienen in Hagia Chora 16/2003

Wenn wir "Kraftplätze" aufsuchen, vergessen wir oft, dass unser Erleben an solchen Orten nicht unbedingt mit der Erfahrung anderer Menschen übereinstimmt. Wir sind geradezu überwältigt von all den Anleitungen aus Schulen, Büchern und Zeitschriften sowie manchmal sogar Informationstafeln vor Ort, die uns vorgeben wollen, auf welche Weise wir den Ort zu erfahren hätten. Konditioniert von diesen heutigen Denkmustern können wir uns meist kaum vorstellen, welcher Art wohl die Beziehung unserer Vorfahren zu dem Platz gewesen sein mochte. Schon allein das hohe Alter der meisten sehenswerten Orte bedeutet, dass dort unzählige Generationen ihre Riten und Festlichkeiten praktiziert haben müssen, deren Verschiedenartigkeit allein schon unsere Vorstellungskraft übersteigt. Über tausende von Jahren waren die meisten der uralten "Kraftorte" die Schauplätze von einander ablösenden Glaubensvorstellungen und Praktiken. Bauwerke mögen erbaut und wieder eingestürzt sein, verschiedene Sprachen gesprochen und verschiedene Gottheiten verehrt worden sein. Nur der Platz, seine Lokalisierung auf der Erde, ist über die gesamte Zeit hinweg derselbe geblieben.

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