Ort der Versöhnung
Ein Friedensprojekt im tschechischen Braunau
Das Thema des Vertriebenwerdens, der Verlust der Heimat, sei es durch Naturkatastrophen oder durch Krieg, zieht sich durch Jahrtausende menschlicher Geschichte. Die Wunden, die der Zweite Weltkrieg geschlagen hat, prägen heute ganz Europa - nicht nur im Unbewussten. Nachdem sich Jan Pi?nos das Braunauer Land im Nordosten Böhmens als Wahlheimat gewählt hatte, wurde ihm klar, dass die Menschen, die dort erst seit dem Zweiten Weltkrieg leben, kein Heimatgefühl zu ihrem Lebensraum entwickelt hatten. Der frühere Umweltaktivist widmet sich seitdem tagtächlich eben dieser Problematik, die er als geomantische Heilungsarbeit begreift. So konnte er unter anderem die Tradition von rituellen Umzügen auf den alten Pilgerwegen im Land sowie viele andere soziale Bezugspunkte wiederbeleben. Sein Beitrag stellt sein größtes Projekt vor: das Versöhnungskreuz in Teplice, in dem die zentralen Konflikte des Landstrichs zum Ausdruck kommen.

Das Braunauer Ländchen (Broumovsko) liegt im Nordosten Böhmens an der Grenze zu Polen, im historischen Grenzgebiet zwischen Böhmen, Schlesien und dem Glatzer Land - eine wunderschöne Landschaft, durchzogen von einzigartigen Kulturdenkmälern. Die Gegend liegt an einer ehemaligen Staats-, Sprach- und Glaubensgrenze. 700 Jahre lang trafen hier deutsche und tschechische, katholische und evangelische, kirchliche und weltliche Einflüsse und Interessen aufeinander. Das hiesige Leben war oft geprägt von Auseinandersetzungen und Gewalt, ebenso aber auch von Verständigung und Zusammenarbeit. Nach 1945 geschah ein kritischer Bruch in der Geschichte des Braunauer Ländchens, als 22000 Deutsche unter Zwang ihre Heimat verlassen mussten. Zu Beginn jener unrechtmäßigen Vertreibung sind rund 100 Deutsche umgekommen.
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