Weltenbaum und Sternenkreis

Die feinenergetisch-geomantische Verfassung von Murau in Österreich

von Hartmut Lüdeling , Ingeborg M. Lüdeling erschienen in Hagia Chora 16/2003

Im Jahr 1999 erstellten Ingeborg und Hartmut Lüdeling für die Stadt Murau in Österreich ein geomantisches Gutachten. Ihre Vorschläge wurden von der Stadt mit Interesse aufgenommen und haben beigetragen, das Bewusstsein für die besondere Qualität des Ortes zu festigen. Teile ihrer Anregungen wurden bereits realisiert, andere Erkenntnisse sind bis heute Gegenstand städtischer Planungen.

Im Rahmen der Veranstaltung "Schwerpunkt Holz in Murau" in der gleichnamigen österreichischen Stadt, bei der es im Jahr 1999 um die Themen ortsgebundenes Bauen, Baubiologie, Geomantie und Feng Shui ging, wurden wir durch Vermittlung des Architekten Herwig Ronacher (siehe Artikel "Bruder Baum" in Hagia Chora Nr. 7) beauftragt, die energetisch-geomantische Situation in Murau zu untersuchen, zu bewerten und daraus Ansätze für architektonische Planungen und künstlerische Objekte zu entwickeln. Mit dieser Veranstaltung wollte sich Murau international als Mittelpunkt der Welt der Holzverarbeitung positionieren, daher lag es nahe, zumindest einen der Gestaltungsvorschläge diesem Leitziel zu widmen.
Ein Gutachten über feinenergetisch-geomantische Strukturen ist in keiner Weise mit herkömmlichen naturwissenschaftlichen Studien vergleichbar. Der Erkenntnisweg eines Geomanten liegt in der subjektiven Erfahrung subtil wahrnehmbarer Zustände. Informationsgehalte von Landschaften, Orten und Bauwerken berühren in erheblichem Maße die Psyche der Menschen und beeinflussen so unter anderem das Sozialverhalten. Die Wahrnehmung dieser in sich hochkomplexen Wirkbeziehungen kann sich deshalb nicht auf die Auswertung einzelner physikalischer Messreihen beschränken, sondern erfolgt durch subjektiv-kontemplative Methoden, die durch biophysikalische Untersuchungen ergänzt werden.

Die angewendeten Methoden

Das Hauptfundament unserer Methode ist der subjektiv-kontemplative Ansatz. Hierbei stellt sich der Untersucher geistig ganz und gar auf das Projekt ein und erhält unter Anwendung psychometrischer Techniken Bildinformationen, die er dann soweit wie möglich sprachlich wiedergibt. Dieses geistige Einlassen bedeutet eine umfassende Kontaktaufnahme mit dem Genius Loci des Projekts und natürlich eine umfassende positive Bereitschaft, in Resonanz zu gehen. Der dazu parallel angewendete Ansatz sind die biophysikalischen Untersuchungsmethoden. Hierfür wird entweder vor Ort oder anhand geeigneter Unterlagen mit radiästhetischen Techniken versucht, Erkenntnisse über bestimmte wirksame Strukturen zu gewinnen. Hilfsmittel dabei sind vorab Luftaufnahmen, genaues geografisches und geologisches Kartenmaterial, Gebäudebeschreibungen, Ansichten und Grundrisse.
Um bei solchen Forschungen brauchbare Ergebnisse zu erzielen, halten wir es für wichtig, zwischen verschiedenen Strahlungen zu unterscheiden, nämlich solchen,
- die bereits vor Anlage des Objekts auf natürliche Weise vorhanden waren,
- die vor oder während der Bauphase verändert wurden oder sich erst durch Form, Struktur und Material an dem Platz ergeben, und solchen,
- die sich durch zwischenzeitliche Informationsaufprägung bilden (z.B. morphogenetische Felder nach Rupert Sheldrake).
In verhältnismäßig ungestörten Lagen kommt den Strahlungsphänomenen, deren Ursprung in den Tiefen geologischer Verhältnisse liegt, besondere Bedeutung zu. Hier haben wir nach Anregung englischer Radiästheten eher linienförmig mäandrierend verlaufende Zonen entdeckt, die offenbar in ihrer gefühlsmäßigen Qualität, die sie atmosphärisch an Menschen vermitteln, mit den Planeten des Sonnensystems korrespondieren. Zur Beschreibung dieses Phänomens haben wir den Begriff "Planetenlinien" geprägt. Gerade am Projektort Murau hat sich hier eine auffällige Vielzahl von Bezügen ergeben.

Die Geomorphologie des Ortes

Der Siedlungsraum Murau einschließlich der benachbarten Gemeinden Stolzalpe und Laßnitz liegt im Zusammenfluss des Mur- und des Rantentales. Auf einer dominierenden Anhöhe über dem ansonsten sich in die Murtalebene hinein entwickelnden Gebiet - klassisch in der Verlängerung des spornbildenden Lärchberges gelegen - befindet sich das im Renaissancestil erbaute Schloss der Fürstenfamilie von Schwarzenberg. Aus der Geomorphologie des Ortes ist ablesbar, dass der Kern des Siedlungsraums vier Hauptspannungsfeldern ausgesetzt ist. Das erste wichtige Feld entsteht durch eine Bruchzone, an der entlang sich das Rantental ausgebildet hat. Nahezu parallel zur Hauptfließrichtung des Bachlaufs finden sich die typischen radiästhetisch feststellbaren Strahlungsfelder einer solchen Bruchzone, so genannte Multiwellenzonen, die sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben können. Das zweite Feld strahlt von dem westlich gelegenen, spornbildenden Lärchberg ab; er sammelt die Energie aus dem dahinter liegenden Bergmassiv. Auf seinem Grat bildet sich ein natürliches geomantisches Zonensystem heraus, das diese feinenergetischen Einflüsse bündelt und somit in die Ortslage lenken kann. Auf der markanten Anhöhe des Schlossbergs befindet sich ein Kulminationspunkt, von dem aus sich die Strahlungen besonders stark in die unterhalb liegende Stadtkirche und den Ort freisetzen. Der optisch dominierende Schlossberg ist also auch geomantisch betrachtet ein idealer "Platz des weltlichen Herrschers".
Durch den anströmenden Fluss Mur, der unmittelbar oberhalb des historischen Stadtkerns eine Mäander-Schleife bildet, wirkt ein weiteres Feld auf die Ortslage ein. Wie alle Flussläufe in topografischen Hochlagen transportiert er ein großes feinenergetisches Potenzial. Die guten Strömungsverhältnisse durchmischen und reinigen permanent die Informationsgehalte und erfrischen so das Murtal. Der am linken Prallufer oberhalb des alten Stadtkerns einwirkende Staudruck des Wassers führt zu einem Energieüberschuss, dessen positive Auswirkungen sich die Erbauer des Schlosses nutzbar machten. Im direkten Anströmungsbereich wirkt der Staudruck jedoch unabgemildert auf die Grundstücke ein und bildet dort eine städtebauliche Problemzone, die bei Neuplanungen keinesfalls durch Wohnbebauung belegt werden sollte. Im weiteren Verlauf verengt sich das Flussbett, der Energiefluss geht vom Strömen fast in Schießen über. Hier wird leicht Energie aus der Ortslage abgezogen, sofern nicht eine reichhaltige Uferbepflanzung entgegen wirkt. Im unterhalb der Stadt liegenden Murtal fließt auch Energie aus dem Ort ab, bedingt durch den Verlauf der Mur in Richtung Osten. Im Osten des Siedlungsgebiets sollte dieser Abfluss daher durch geeignete Maßnahmen aufgehalten werden. Mildernd wirken hier z.B. Straßen- und Gebäudeausrichtungen in Nord-Süd-Richtung, ein gut mäandrierender Flusslauf und ungestörte Auwälder. Keinesfalls sollten weitere siedlungs- und landschaftsprägende Elemente parallel zur Talachse ausgebildet werden.
Neben diesen geomorphologischen Einflüssen wirken auch eine Vielzahl geomantischer Systeme auf Murau ein. Ein markanter geomantischer Punkt befindet sich z.B. am Platz des alten Barockgartens, ungefähr in der Mitte der unteren Terrasse, der mit einer Anhöhe auf der Stolzalpe, mit einer markanten Kuppe am Nordhang der Frauenalpe und mit der Michaelskapelle im Kapuzinerkloster in Verbindung steht. Dieser Zentralpunkt ist der Nabel für die weiteren feinenergetischen Betrachtungen. Eine weitere Beschreibung der vielfältigen geomantischen Zonen würde diesen Beitrag jedoch sprengen. Wichtiger erscheint uns hier der Aspekt der Planetenlinien.

Einflüsse der Planetenlinien

Das Siedlungsgebiet Murau konzentriert in auffälliger Weise eine Reihe verschiedener Planetenlinien, die zum überwiegenden Teil ihre typischen Entsprechungen in den örtlichen Gegebenheiten finden.
- Sonne
Bedeutung: Lichtbringer, Überwinder der Dunkelheit, Vitalität, Geist, existenzbehauptender Wille, "der Vater".
Die längs durch das Tal der Mur verlaufende Sonnenlinie ist in starkem Maße bestimmend für den Geist des Ortes. Einfallend von Westen, verläuft sie über den Schlossberg, quert dort die Achatiuskapelle und trifft auf der bereits beschriebenen unteren Terrasse des Schlossgartens den zentralen Kraftpunkt. Hier bildet sie zusammen mit der nach Norden strebenden Merkurlinie und den geomantischen Zonen ein feinenergetisch bedeutendes Abstrahlungsfeld. Von dort aus durchquert sie die Matthäuskirche, schwenkt auf die Südseite der Anna-Neumann-Gasse, durchquert dort das Rathaus und windet sich zum Kapuzinerkloster. Hier ist sie wohl Namensgeberin für die dortige Michaelskapelle. Weiter verläuft sie dann über die Stolzalpe nach Osten.
- Mond
Bedeutung: Seele, Gefühl, Unbewusstes, das Wandelbare, "die Mutter".
Ebenfalls von Westen her erreicht die Mondlinie die Stadt über die Frauenalpe und trifft zunächst auf die Elisabethkirche. Dort wirkt sie positiv auf den Platz des vormaligen Spitals und verläuft dann unmittelbar südlich der Matthäuskirche über den Kirchhof. Von dort führt sie wieder auf die Anna-Neumann-Gasse, von wo sie dann auf den Schillerplatz trifft und offenbar den richtigen Standort für die Mariensäule bildet. Nach der Querung der Anna-Kirche zieht sie in einiger Höhe über dem Talboden zu den Felsenweibern, wo sie recht gut erkennbar in etwa vier bis fünf Metern Höhe über Terrain oberhalb der intermittierenden Quelle durch den Felsen verläuft.
- Merkur
Bedeutung: Verstand, Intellekt, Kommunikation, Mittler und Vermittler, Verbindung zwischen Himmel und Erde, "der Bote, der Händler und der Heiler".
Die Merkurlinie verläuft von Norden her zunächst zu dem alten Standort der Arme-Sünder-Säule (Symbol des Übergangs), geht künstlich herangezogen durch die Apsis der Achatiuskapelle und bildet dort eine Zeitnische. Im Schlossgarten kreuzt sie die Sonnenlinie und erzeugt den schon beschriebenen Kraftpunkt als idealen Platz der Herrschenden. Zusammen mit der Sonnenlinie bildet sie etwas unterhalb das Kriterium für das Patrozinium der Matthäuskirche (Matthäus der Zöllner, Datum des alten Winteranfangs). Neben der Leonhardskirche verläuft sie dann genau durch den Standort der Heilig-Grab-Kapelle.
- Venus
Bedeutung: Empfinden, Ästhetik, Liebe, Harmonie, "das Mädchen", "die Geliebte" (Morgenstern), aber auch "die weise Alte" (Abendstern).
Für die Ortslage Muraus hat die Venuslinie nur indirekte Bedeutung. Sie bildet zusammen mit der Marslinie auf der Kuppe am Hang der Frauenalpe eine Kreuzung, die bedeutende harmonisierende Einflüsse aufweist. Über eine geomantische Zone wird diese Qualität bereits in das alte Zentrum der Herrschaft geleitet - auch ein Merkmal dafür, dass den alten Adelsgeschlechtern sehr daran gelegen war, in positiver Weise auf ihre Untertanen einzuwirken.
- Mars
Bedeutung: Energie, Mut, Wille, Kampfkraft, Trieb und Drang, "der Geliebte".
Die Marslinie erreicht das Siedlungsgebiet Muraus von Osten, zunächst die Ägidiuskirche durchquerend. Von Bedeutung wird dann der künftige Platz der Bezirkshauptmannschaft auf dem rechten Ufer der Mur sein, auf den er negative Auswirkungen haben könnte. Hier würden sowohl die verwendeten harten Baumaterialien (Stahl und Glas) die aggressiven Eigenschaften des kriegerischen Mars verstärken. Ganz anders dann in der Leonhardskirche. Hier wandelt sich der Kriegsgott in den Gott der Fruchtbarkeit und des Wachstums - Leonhard ist Schutzpatron der Bauern. Das alte christliche Prinzip "Schwerter zu Pflugscharen" wandelt das Metall des Mars in friedenserhaltende Gegenstände um. Oberhalb der Kirche kreuzt sie die Venuslinie und bildet einen Kraftort, der wohl schon in alten Zeiten genutzt worden sein muss, denn beide Linien sind unmittelbar vor diesem Platz offenbar künstlich positiviert worden.

Morphogenetische Felder

Unter dem Begriff der morphogenetischen Felder fassen wir hier verschiedene Einflüsse zusammen, die oft auch als Qi-Flüsse, Tracklines, Linien der Aufmerksamkeit etc. bezeichnet werden. Gemeinsamkeit dieser Felder, Feld- und Wirkbeziehungen ist ihre starke Instabilität. Im Gegensatz zu den bisher genannten Zonen ändern sich diese schon bei Veränderungen in der Umgebung. In einer Stadt mit ihren vielfältigen, notwendigen Beziehungen spielen solche Felder eine wichtige Rolle, denn die Bewohner und Besucher richten sich häufig unbewusst danach. Dies führt z.B. zu Ausrichtungen von Käuferströmen, die mit nüchternen Überlegungen nicht nachvollziehbar sind. Zum Beispiel die Umgehungsstraße: So segensreich sie für den Stadtkern auch ist, sie stellt einen feinenergetischen Strom dar, der zumindest die Aufmerksamkeit der ortsunkundigen Besucher am Ort vorbeilenkt. Der unvoreingenommene Autofahrer nimmt das Siedlungsgebiet Murau samt der übergangslos anschließenden Orte St. Egidi und Stolzalpe als mehr oder weniger gesichtsloses Siedlungskonglomerat wahr. Er wird in keiner Weise dazu animiert, irgendwo Rast zu machen oder den Ortskern zu besuchen. Hier sollte dringend ein von allen Gemeinden getragenes Gestaltungskonzept unter Federführung eines gestalterisch erfahrenen Architekten erstellt werden (Stichwort Stadtmarketing). Auch die Verkehrsführung auf der Bundesstraße verhindert geradezu, sich spontan zum Verweilen und Erkunden des Ortes zu entscheiden. Hier sollte ein Planungskonzept Abhilfe schaffen, z.B. durch Anlage von drei Kreisverkehren, die symmetrisch zum zentralen Abzweig angelegt werden sollten. Wir haben vorgeschlagen, in dessen Mitte wieder die Arme-Sünder-Säule aufzustellen, die sich auch früher etwa dort befunden hat. Ein wichtiger Faktor, der subtil Einstellung, Ortsidentifikation und Sozialverhalten prägt, ist die Gestaltung von Straßenräumen und Plätzen. Um hier bei den Verantwortlichen Gestaltungssensibilität zu schaffen, zogen wir in unserem Gutachten den im Jahr 1994 vollständig umgebauten Raffaltplatz als Beispiel heran. Heute steht in der Mitte des Raffaltplatzes - ein historisch angelegter Handels- und Straßenplatz - leider ein unserem Eindruck nach sehr ungünstiges Kunstwerk in Form eines gespaltenen Steins, der als subtile Botschaft nur "Risse, Zerstörung" aussendet, die zudem noch technisch durch eine lieblos hineingeworfene Leuchtstoffröhre angeregt und verstärkt wird. Davon strahlen starke Feldlinien aus, die bei Menschen, die auf diesem Platz verweilen, entsprechende Stimmungen auslösen können. Kanalisiert wird dieser feinenergetische Fluss von einem schienenähnlichen Gebilde, das diagonal über den Platz verläuft. Jeder fahrradfahrende Besucher wird sich über diese heimtückische Fallenstellung bedanken, zumal er auf diesen Schienen zusätzlich in das oben beschriebene Strahlungsfeld gerät. Der andere Schienenstrang führt auch noch zu einer massiven "Kurzantenne" hin, die von einer innenliegenden Stahlwendel angeregt wird. Diese Antennenformation ist hervorragend geeignet, eine größere Fläche zu bestrahlen. Architektonisches Vorbild in der Antike ist dafür der Tholos - eine klassische Form des runden Tempelbaus. In diesem Fall aber entpuppt sich das "Zentralheiligtum" schlicht als öffentliches Toilettengebäude. Die innenliegende Wendeltreppe leitet die Information "Toilettenanlage" von unten in den Hohlkörper des Glasbaus, der diese dann an den Platz abstrahlt.
Unser Sanierungsvorschlag bestand hier darin, den Stein durch eine künstlerisch ansprechende Brunnenplastik zu ersetzen. Die Schiene sollte ersatzlos durch eine Pflasterung mit Natursteinen ersetzt werden, die in Form des Opus spicatum (Fischgrätmuster) jeweils von beiden Enden zur Mitte hin geführt wird. Wenn das Toilettenhäuschen nicht abgebrochen werden kann, sollte zumindest der obere Zugang entfallen.

Geomantische Einzelprojekte

Eines der geomantischen Projekte, das wir selbst in Murau auf Grundlage unseres Gutachtens verwirklicht haben, ist der "Sternenkreis" im Garten des Schlosses. Über seine Entstehungsgeschichte schreibt Ingeborg Lüdeling: Bereits unsere mentalen Voruntersuchungen hatten ergeben, dass der feinenergetische Mittelpunkt Muraus im fürstlichen Schlossgarten liegt. Am Abend bevor wir zum ersten Mal in Murau eintreffen, bitte ich um einen Traum, der mir zeigt, was die Stadt braucht, um gesund zu sein. In der Nacht träume ich von einem großen, schönen Baum in einem Garten. Um den Baumstamm herum schmiegt sich eine Bank. Sternförmig liegen vier Holzstämme um den Baum herum und enden in neunzehn stehenden Holzstelen. Diese sind von Künstlern beschnitzt und bemalt. Ich kann die vier Elemente Feuer, Erde, Luft und Wasser erkennen, die gleichwohl auch die vier Jahreszeiten symbolisieren und die vier Himmelsrichtungen. Zwischen diesen Stelen sind Darstellungen der Zeit oder der drei Nornen - Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Beim Aufstehen sagt mein Mann: Wir sollten den Mittelpunkt sternförmig anlegen mit Holzstelen an den Enden der Strahlen.‘ Ich frage staunend: Hast du auch geträumt?‘ Er schüttelt verneinend den Kopf und sagt: Heute Morgen wusste ich das auf einmal.‘ Ich überlege, wie wichtig die Einbeziehung der Zahl Vier ist, und beschäftige mich mit einigen gedanklichen Zahlenspielen. Außer den Elementen, Himmelsrichtungen und Jahreszeiten gibt es noch die vier Temperamente, die vier bekanntesten Erzengel, die über die vier Winde herrschen, vier Propheten und vier Evangelisten, die vier Qualitäten warm, trocken, feucht und heiß, die vier wichtigsten geometrischen Figuren wie den Kreis, die Linie, das Quadrat und das Dreieck, in der Alchemie sind Salz, Schwefel, Quecksilber und Stickstoff von Bedeutung, die vier Mondphasen oder die vier Aufgaben der Psyche: Empfindung, Intuition, Denken und Fühlen. Ein Kreis, in vier Teile geteilt, stellt für die Hopi in Arizona einen Erdenkreis dar, der mit vier Nationen oder vier verschiedenen Rassen besetzt ist und die Welt im Gleichgewicht hält. Die Zahl Vier wird der Rune Othil zugeordnet. Sie wird auch die Odin- oder Wotan-Rune genannt. Sie ist die Rune der Führung, der Vererbung, der Veranlagung und des Schicksals. Man sieht sie häufig auf Hausgiebeln, Bauerngeräten oder ganz früher auf den Stirnbinden der Priester in Form der Raute. Sie ist auch die Rune für die Kraft des Atems und symbolisiert unter anderem den Mund und das empfangende weibliche Prinzip. Auch die Drei kommt hinzu als Symbol für die Dreieinigkeit, für die Lebensabschnitte Geburt, Leben und Tod, der Raum hat drei Dimensionen, die Zeit, die Zeugung findet statt durch die Vereinigung von männlich und weiblich, und daraus entsteht das Neue. Die Zahl drei gehört zur Thor-Rune. Sie ist die Rune der Tat - Wille und Kraft. Sinnbild ist Thors Hammer. Gleichzeitig ist sie auch die Rune der Gegenpole: Leben und Tod, aber auch der ewigen Wiederkehr, der Wiedergeburt. Sie wird auch der Lebensdorn genannt, das ist das Sinnbild des Willens zum Leben durch die Zeugungsbereitschaft. Zählt man die Vier und die Drei zusammen, bekommt man die Sieben. Die Sieben ist eine bedeutungsvolle Zahl: In sieben Tagen wurde die Welt erschaffen, sieben Siegel müssen im Buch der Offenbarung gelöst werden, es gab die sieben fetten und die sieben dürren Jahre, es gibt sieben Planeten, sieben Erzengel und die sieben wichtigsten Energiezentren des Menschen. Die Zahl Sieben ist der Rune Hagal beigeordnet. Sie ist das Symbol der das All umhegenden Schöpfungskraft, auch als Weltrune, um die sich die Geist- und Stoffwelt dreht, bezeichnet. Sie ist Sinnbild für das Weltkreuz und ist die Rune des Lebensbaums. Sieben plus sieben ergibt vierzehn. 14 Kreuzwegstationen und 14 Nothelfer sind bekannt. Der 14 ist die Rune Laf zugeordnet, die Rune des Urgesetzes, des Lebensgesetzes, dem die Menschheit verpflichtet ist. Ihr untersteht auch das wachsende grüne Laub und der feinstoffliche Teil eines Menschen. Auch ist sie die Rune des Sehnens nach gemeinsamer Lebenswanderschaft. Um zur Zahl 19 zu gelangen, muss die fünf (unsere Esche plus die vier liegenden Stämme) zur 14 addiert werden. Es gibt fünf Kontinente, fünf chinesische Elemente und das Pentagramm hat fünf Zacken. Die Rune Rit hat den Zahlenwert fünf. Sie ist die Rune der Allgerechtigkeit, der Religion, des Rates und der Stärke, auch die Rune der Gerichtsbarkeit, des Klärens, Richtens und Urteilens. Zusätzlich ist sie ein Sinnbild für den karmischen Weltrhythmus, die Bewegung und die spiralförmige Entwicklung. Sie wird außerdem als Rune der Rotation und des Rades bezeichnet und ist somit auch mit Rhythmus und Tanz assoziiert - ein gutes Symbol für unseren Sternenkreis! Die Anzahl der Holzstelen um den Kreis herum ist 19 - die Zahl des Mondes. Der Mond hat einen 19-jährigen Zyklus, das heisst, dass sich der Mond alle 18,61 Jahre wieder exakt in derselben Umlaufbahn befindet. Wenn wir das symbolisch darstellen, kann die Esche in der Mitte des Zentrums die Verbindung schaffen zwischen Stoff, Geist und Gott zum Wohle der Menschen. Mit diesen Gedanken versuchte ich meinen Traum auch verstandesmäßig einzuordnen.
An einem Augustmorgen 1999 machten wir den ersten Schritt zur Realisierung unseres geomantischen Werks. Wir pflanzten eine Esche in den energetischen Mittelpunkt der Stadt Murau! Sie sollte das Symbol der Weltenesche werden, die Himmel und Erde verbindet. An ihrem Standort kreuzen sich eine Merkur- und eine Sonnenlinie, die wir dort mental gemutet haben. Der Planet Merkur steht der Sonne am nächsten, und wir freuten uns, diese beiden Planetenlinien gefunden zu haben. Der olympische Merkur erscheint den Menschen als Gott der Weiden und Herden, durch deren Vermehrung er Segen und Heil bringt. Als Gott der Wege und Wanderer schützt er den Handel und den Verkehr der Menschen. Der Merkur ist doppelgeschlechtlich und übergeschlechtlich und daher allein würdig, die Essenz des Seins zu erlangen. Der (astrologische) Planet Sonne verkörpert den Ur-Raum, den Mittelpunkt, den göttlichen Impuls. In der Mythologie ist die Sonne ein jugendlich schöner Gott, der täglich mit seinem Sonnenwagen aus den Meeresfluten auftaucht und am Abend wieder abtaucht. So zeigte der Sonnengott die ständige Geburt und Wiedergeburt des Lichtes an. Das Urprinzip der Sonne ist die Energiequelle allen Lebens und die Brücke in das materielle Leben. Die Sonnenlinie hat nach unserer Erfahrung eine Zuordnung zum Erzengel Michael. Der Sternenkreis wird noch von einer weiteren Planetenlinie umgeben, einer Mondlinie, die weiblich Kraft ausstrahlt. Der Mond symbolisiert das empfangende, bewahrende, zur rechten Zeit wieder abgebende, abstrahlende Prinzip. Das Prinzip des Mondes ist passiv, und seine Antriebe sind unbewusst. Der Mond reflektiert das Sonnenlicht. Er verursacht die Gezeiten des Meeres und steht in Verbindung mit dem Zyklus der Frauen und somit der Fruchtbarkeit. In der Mythologie wird der Mond als schöne, milde Jungfrau dargestellt, welche nach dem Abtauchen des Sonnenwagens ihren Weg über den Himmel antritt. Die Mondlinie, wie wir sie nennen, hat nach unserer Erfahrung Zuordnung zu Maria. Dank der großzügigen Unterstützung der Fürstenfamilie von Schwarzenberg gelang es uns, das Vorhaben schließlich zu realisieren. Sie schlug uns vor, anstelle der Holzstelen unbearbeitete Steine aus der fürstlichen Kiesgrube am Gestüthof unterhalb Muraus zu verwenden. Dies hatte den Vorteil, dass der Sternenkreis nicht mehr durch Nacharbeiten beeinträchtigt werden kann. Dem geplanten Aufbau eines Strahlungsfeldes schadete diese Änderung nicht, da sich unter den Stellen der 19 Marken so genannte Zeugensteine befinden. Diese Steine bauen durch ihre besonderen Eigenschaften ein ringförmiges Feld auf. Die jetzt an Stelle der Stelen verwendeten Steine bilden nur symbolhafte Beziehungen und dienen dazu, die Strahlungen in die Mitte zur Esche zu konzentrieren. Der Brauch, tief vergrabene Zeugen zur Sicherung von Grenzmarken zu verwenden, geht auf eine seit mittlerweile 400 Jahren nachweisbare Tradition zurück, die seinerzeit durch das Fürstenhaus Schwarzenberg begründet wurde und der wir gerne mit unserem Projekt folgten.

Platz der anregenden Harmonie

Ein weiterer unserer Gestaltungs-Vorschläge für einen geomantisch wichtigen Ort kann sich möglicherweise in den kommenden Monaten realisieren. Durch einen Zufall wurden wir auf eine Hügelkuppe am Nordhang der Frauenalpe aufmerksam. Sein Baumbestand wurde offensichtlich vom Windbruch zerstört, so dass wir dort auf einen mit langem, trockenem Gras bewachsenen Hügel kletterten. Zu unserem Erstaunen fanden wir dort einen hochenergetischen Platz: eine Mars- und eine Venuslinie, die jeweils unmittelbar vor ihrer Kreuzung positiviert worden waren. Die Mitte der Kreuzung liegt genau in einer Linie mit der Spitze des Turms der Matthäuskirche und der Weltenesche inmitten unseres Sternenkreises, und sie ist auch noch als geomantische Linie mit der Lecherantenne zu finden. Wir mutmaßten, dass hier schon die Erbauer von Schloss Murau am Werk gewesen sein oder ältere Kulturen ihre Spuren hinterlassen haben müssen. Die Marslinie steht für Impulse, einsatzbereite Aktivität und aktive Umsetzung der solaren Kräfte. Analogien sind z.B. schnelles Arbeiten, selektive Wachheit, praktische Begabungen und Enthusiasmus. Die Venuslinie steht für Harmonie, Kunst, Liebe und Ästhetik. Venus ist ein nach Ausgleich und Harmonie strebendes Prinzip. Sie erleichtert Kontakte, regelt die Gemeinschaft und hat Sinn für das Abwägen von Gedanken. Nachdem wir uns mit Murau intensiver befasst hatten, waren wir der Ansicht, dass diese Eigenschaften in der Art, wie sie hier durch den Kreuzungspunkt zusammengeführt waren, sich deutlich harmonisierend auf das Siedlungsgebiet auswirken könnten. Es sollte eine Möglichkeit gefunden werden, die Schwingungen dieses Platzes durch eine weithin sichtbare Skulptur in das gesamte Tal zu verteilen. Ein ideales Beispiel wäre der segnende Jesus, der die Hände über die Stadt und alle Bewohner und Besucher ausbreitet; so würden die männlichen und weiblichen Kräfte vereint sein. Der beschützende und segnende Jesus könnte die unterschiedlichen Eigenschaften der in Murau vertretenen Planeten harmonisieren und so umfassende Harmonie und tiefen Frieden verbreiten. Aber auch schon jetzt verbreitet der Platz eine friedliche Stimmung, die der Nährboden für eine Botschaft sein kann, die Gehör in der Welt finden wird. Heute ist der Platz - der so genannte Stockofenboden - bereits in das Bewusstsein der Stadt Murau getreten. Der Bürgermeister hat hier einen Aussichtsplatz geschaffen, den die Menschen gerne besuchen. Auch die energetische Verbindung des Ortes zur Stadt wurde gestärkt, indem auf dem Leonhardiberg, der auf dieser Linie liegt, einige Bäume entfernt wurden, so dass dessen Kirche nun vom Mars-Venusplatz aus sichtbar ist. Der ganze Anblick und die Energie der Stadt soll sich dadurch stark geändert haben. Heute wird auch wieder konkret über die Realisierung einer Skulptur auf dem Stockofenboden nachgedacht. Der Künstler Rudi Hirt hat vorgeschlagen, hier eine Lebensbaum-Skulptur zu verwirklichen, in der auch die Verbindung von Mars- und Venuskräften ausgedrückt wird.