Initiative und Dialog

Stadtplanung und Geomantie in Nürnberg

von Herbert Stahl erschienen in Hagia Chora 16/2003

Geomantie ist für die Stadt Nürnberg kein Fremdwort mehr. Herbert Stahl berichtet, wie es gelang, den Kontakt zur Stadtverwaltung so zu gestalten, dass geomantische Projekte von öffentlicher Hand beauftragt oder befürwortet werden.

Nürnberg, die Frankenmetropole, hat eine lange Geschichte, die bis weit ins Mittelalter reicht. Neuere Ausgrabungen rund um den Burgberg haben gezeigt, dass bereits im 10. Jahrhundert eine feste Siedlung auf dem Felsen bestand.
Die Ursprünge der Stadt haben mich immer besonders interessiert. Nürnbergs Ursprung bestand in zwei kleinen Ansiedlungen nördlich und südlich der Pegnitz. Man stelle sich hierbei zwei Sandsteinfelsen vor, zwischen denen eine von einem mäandrierenden Fluss durchzogene Niederung liegt. Die beiden Ansiedlungen wuchsen zu einer mittelalterlichen Handwerkersiedlung zusammen, die zur Handelsstadt und zur zweitgrößten Stadt in Deutschland wurde. Die anfänglich von vielen Bächen durchzogene Keuperrinne wurde aufgeschüttet und trockengelegt, die von Quarzitadern geprägten Sandsteinfelsen wurden verbaut. Nach dem Mittelalter erlebte Nürnberg seine Blüte in der Renaissance, eine weitgehend künstlerisch geprägte Epoche, in der Albrecht Dürer und Veit Stoß lebten. Nach der Zeit der Reformation und des Dreißigjährigen Kriegs, in den Nürnberg stark verwickelt war, verfiel die Stadt. Sie führte ein Schattendasein bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, als die alte Handwerkerstadt die treibende Kraft für die Industrialisierung Frankens wurde. Sie stieg zur zweitgrößten Stadt Bayerns auf. Wegen des für eine Großstadt ungewöhnlichen mittelalterlichen Gepräges und ihrer Tradition als Stadt der kaiserlichen Reichstage wählten die Nationalsozialisten Nürnberg als repräsentatives Zentrum. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg gelang es, die alten Gebäude in ihrer ursprünglichen Form weitgehend wiederherzustellen, und heute ist Nürnberg eine Messe- und Touristenstadt mit einer knappen halben Million Einwohner, die wie viele Großstädte leider auch von Arbeitslosigkeit und leeren Kassen geprägt ist.
Meine Familie lebt schon sehr lange in Nürnberg, und ich fühle mich hier verwurzelt. Seit meiner Kindheit hat mich aber nicht nur die Geschichte der Stadt interessiert, sondern auch die der Landschaft. Fragen wie: Weshalb gibt es hier eine Mulde? Was hat es mit dem ausgetrockneten Bachbett auf sich, und weshalb ist dort ein Tümpel? trieben mich in Bibliotheken und Archive, wo ich Antworten auf diese Fragen zu finden hoffte.

Geomantische Entdeckungen

Nach langen Jahren spiritueller Übungen entdeckte ich eines Tages, dass ich die Energien der Landschaft nicht nur spüren, sondern auch sehen konnte. Von dieser Zeit an begann meine geomantische Arbeit in Nürnberg - eine sehr spannende Zeit für mich. Mitte der 90er-Jahre begann ich, die Umgebung der Stadt energetisch zu erforschen. Zunächst fertigte ich energetische Landschaftskarten an und fand besondere Orte der Kraft, wie zum Beispiel eine kleine moosige Mulde in einem Wald südlich der Stadt. Diesen Ort "verstärkte" ich beispielsweise durch im Boden vergrabene Edelsteine. Von anderen Orten erstellte ich Karten, die ich durch langwieriges Erspüren am Ort entwickelte. Manchmal steckte ich die Plätze mit Baueisen ab und verglich Energien, Pflanzenbewuchs und Topographie miteinander. Damals interessierten mich vor allem die Naturgebiete im Umfeld der Stadt. Ich war zu der Zeit allein tätig und hatte keinen Kontakt zu anderen Geomanten, bis mich eines Tages eine Bekannte anrief und meinte: "Was du machst, nennt man übrigens Geomantie." "Ach ja?" "Schon mal was von Marko Pogaÿcnik gehört?" "Keine Ahnung, wer ist das?" "Kennst du Hagia Chora?" "Nein".
Kurze Zeit nach dieser Aufklärung nahm ich Kontakt zu dem Landschaftsarchitekten Wolfgang Körner auf, der damals gerade begonnen hatte, mit einer kleinen Gruppe auf geomantische Entdeckungsreise zu gehen.

Die ersten Kontakte

Wolfgang Körner und ich arbeiteten von nun an zusammen: Er veranstaltete seine Stadtheilungs- bzw. Erdheilungstreffen, und ich hatte mein eigenes Programm, das ich zunehmend ausbaute. Im Kreis der geomantisch arbeitenden Menschen entwickelten sich nun zwei Einstellungen: zum einen die "Lichtarbeiter" (die ich hier mal so nennen will), die Geomantie im Verborgenen, d.h. ohne einen Öffentlichkeitsanspruch, betreiben wollten, und zum anderen die "Praktiker", die den zugegeben herausfordernden Anspruch hatten, die Geomantie aus der esoterischen Ecke (wo sie ja sowieso nicht hingehört) herauszuführen und stattdessen in die Entscheidungsgremien der Stadt zu bringen. Zu letzterer Gruppe zähle ich mich. Auch wenn sie Geomantie nicht in erster Linie als Selbsterfahrungsweg sehen, gehen aber natürlich auch die Praktiker ihre individuellen Wege. Wolfgang Körner stehen z.B. mehr die "leichten" Engelsenergien nahe, während ich eher die "schwereren" Erdenergien (durch Kristalle gestützt) bevorzuge. Die ersten Kontakte zu öffentlichen Stellen entwickelten sich zum Gartenbauamt der Stadt Nürnberg. Dabei half mir eine Bekannte, die dort arbeitete. Sie überzeugte den Chef dieser Behörde, mich zu einem Vortrag zuzulassen, bei dem ich die Geomantie erstmals in diesem Rahmen vorstellte. Die Genehmigung erfolgte unter drei Auflagen: Es darf nichts kosten, der Vortrag muss nach Dienstschluss stattfinden, und mindestens zehn Personen müssen schriftlich ihre Teilnahme erklären. Der Vortrag fand tatsächlich statt - vor immerhin zwanzig Teilnehmern. Schon damals beobachtete ich bei Behördenvertretern grundsätzliche Verhaltensweisen in Bezug auf das Thema Geomantie, auf die ich mich einzustellen versuchte. Zum einen gilt: Nie missionieren, sondern das Gegenüber "dort abholen, wo es steht". Das gebietet schon der gesunde Menschenverstand. Leuchtenden Auges einem Stadtplaner von Elementarwesen zu erzählen, bringt wenig, man wird nicht mehr als ein freundliches Lächeln ernten. In jeder Behörde arbeiten Menschen, die von ihrem persönlichen Wertesystem her gesehen durchaus für spirituelle Themen offen sind, die sich aber in ihrem Arbeitsbereich nicht "outen" möchten. Diese Kontakte können für einen Geomanten sehr hilfreich sein. Städtische Behörden arbeiten nicht ganzheitlich. Die Stadt ist aufgeteilt, und die Kompetenzbereiche werden streng überwacht. Diese Bereiche sollte man kennen und beachten, z.B. gehören Gewässer zweiter Größenordnung zur Behörde X, die der dritten Ordnung aber zum Y-Amt usw. Jubiläumsfeiern, Volkshochschulkurse und ähnliche Veranstaltungen werden häufig auch von städtischen Mitarbeitern besucht - bei solchen Gelegenheiten lassen sich viele Kontakte knüpfen.

Ein Referenz-Projekt

Vor drei Jahren kam die bis dahin eher zögerliche Arbeit mit den Behörden voran: In diesem Jahr feierte Nürnberg sein 950-jähriges Stadtjubiläum. Bei den zahlreichen Führungen durch die Stadt veranstaltete ich auch so genannte geomantische Wanderungen an besondere Plätze. Bereits vorher hatte ich Wanderungen dieser Art als Eigenveranstaltungen bzw. als VHS-Kurs angeboten. Daneben veranstaltete ich zusammen mit einem Nürnberger Architekten eine Ausstellung zum Thema Geomantie und Feng Shui. Kernstück war dabei ein von Studenten angefertigtes Modell, das den Ort - unseren Recherchen entsprechend - so zeigte, wie er ursprünglich vermutlich ausgesehen hat. Eine von uns im Jahr zuvor gegründete "Ritualgruppe für Nürnberg" sorgte für zusätzliche Öffentlichkeit. Der Schwerpunkt im Jubiläumsjahr war aber ein Projekt, das ich in Zusammenarbeit mit einer Münchener Architektin in Scheinfeld realisierte. Die dortige Stadtverwaltung hatte einen Bebauungsplan für ein 26 Hektar großes Gebiet in Auftrag gegeben. In 23 Projekttagen erstellten wir eine Karte über zahlreiche energetische Faktoren des Geländes, wobei auch die Kirchen der Umgebung einbezogen wurden. Die Ergebnisse wurden von Landvermessern aufgenommen, und bei den Bebauungsvorschlägen konnte ich viele Erfahrungen sammeln - bzw. musste ich mich sehr schnell um kreative Lösungen kümmern. Auch die Presse nahm Notiz von diesem Projekt.

Erste Veröffentlichungen

Betreffend der Medien bin ich inzwischen sehr vorsichtig geworden. Was die führenden lokalen Tageszeitungen betrifft, soll es angeblich ein Schreibverbot für Journalisten beim Thema Geomantie und Feng-Shui geben. Immer wieder kamen Reporter und Fernsehleute auf uns zu, um einen Bericht zu schreiben bzw. zu drehen. Doch die Beiträge erschienen entweder gar nicht, oder sie zogen unsere Arbeit ins Lächerliche. Mir ist es zwar noch nicht passiert, doch bei mehreren Freunden wurde deren verständliche Sehnsucht nach Öffentlichkeit von zynischen Medienleuten ausgenutzt, und sie fanden sich in den anschließenden Beiträgen als Spinner oder Pausenkaspar wieder. Wir waren uns im Arbeitskreis bald einig:dann lieber keine Presse.
Im Herbst 2001 veröffenlichte ein kleiner Verlag mein Buch "Vision Nürnberg - eine Stadt wird zum Kraftort". Mit vielen farbigen Zeichnungen und Fotos wird darin nicht nur meine Arbeit, sondern auch die unseres Arbeitskreises vor Ort dargestellt. Der Inhalt bezieht sich vor allem auf die Darstellung der Geomantie im allgemeinen sowie auf die energetische Struktur der Stadt im besonderen. Geologische Faktoren, Vegetation und die historische Entwicklung Nürnbergs bilden weitere Schwerpunkte. In Kürze erscheint eine überarbeitete Neuauflage. Durch Lesungen und Vorträge wurde das Buch - trotz kleiner Auflagenzahl - vielen geomantisch interessierten Menschen in der Region bekannt, unter anderem auch zahlreichen städtischen Mitarbeitern. Das Buch lieferte nicht nur erstmals eine geomantisch konkrete Darstellung Nürnbergs, sondern es ist auch als Beispiel gedacht, das andere vielleicht anregen kann, ähnliche Veröffentlichungen über ihre Stadt zu wagen. Inzwischen hatte sich die Zusammenarbeit mit der Stadt im wesentlichen auf drei Behörden konzentriert: Gartenbauamt (GBA), Umweltamt (UA) und, schwerpunktmäßig, das Stadtplanungsamt. Zwischen Sommer 2001 und Frühjahr 2003 ergaben sich insgesamt vier Projekte, die ich hier kurz erläutern möchte:

Geomantische Projekte

Im Herbst 2001 konnten wir Eingaben zum neuen Flächennutzungsplan der Stadt machen. Dabei konzentrierten wir uns auf die Leylinienstruktur Nürnbergs, die wir in den Flächennutzungsplan übertrugen. Wir wiesen zum Beispiel auf Überschneidungen einer Leylinie mit einem Gewerbegebiet hin oder machten Vorschläge für die Verstärkung einer anderen Linie durch Grünanlagen. Durch entsprechende Rückfragen von Behördenvertretern wurden die Angaben zum Teil sehr konkret. Das Ergebnis unserer Bemühungen kann man unterschiedlich betrachten: Zwar wurden unsere Vorschläge bearbeitet, doch wies das städtische Antwortschreiben wieder auf die - nur allzu gut bekannte - "mangelnde wissenschaftliche Nachweisbarkeit" unserer Leylinien hin.
Ein weiteres Projekt bildete eine so genannte Baumheilung: In Zusammenarbeit mit dem GBA wurden uns neun von den städtischen Forstmeistern als krank gemeldete städtische Bäume zugeteilt. Unsere Aufgabe bestand darin, mit unseren Verfahren die Bäume zu behandeln. Dazu gehörten Kristallheilung, energetisierende Substanzen, Lichtheilung und viele andere Methoden. Der Feldversuch dauerte ein Jahr, und fast alle Bäume wurden daraufhin bei der Beurteilung ihrer Gesundheit um eine Kategorie höher eingestuft. Eine weitere Auswertung wurde von einer anderen, leider nicht vorher informierten Dienststelle gestoppt. Auch hier zeigte sich, dass zum einen oft die Linke nicht weiß, was die Rechte tut, und zum anderen Rivalitäten und Konflikte zwischen einzelnen Dienststellenmitarbeitern eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Diese Fallstudie wollen wir im Rahmen von Baumpatenschaften, welche die Stadt anbietet, wiederholen. Ein derzeit aktuelles Projekt ist die öffentliche Markierung einer Leylinie. Eine der großen Leylinien im Südwesten der Stadt wird durch Schnellstraßen, Gleisanlagen und Industriekomplexe stark geschwächt. Durch eine Steinsetzung soll sie nun gestärkt werden. Dabei wurden von uns zwei Granitstelen, die vorher einem anderen Zweck dienten, ausgewählt. Das GBA lässt sie an eine von uns ausgewählte Teilstrecke der Leylinie in einem kleinen Park aufrecht einsetzen. Sie stehen in rund 100 Metern Abstand voneinander und werden mit Kosmogrammen versehen. Da die Steine sehr schwer sind und tief eingesetzt werden, dürften sie Zerstörungsversuchen widerstehen. Durch ein Hinweisschild und durch öffentliche Aktionen soll das Ganze bekannt gemacht werden. Das Highlight unserer städtischen Projekte aber war die geomantische Analyse des Containerbahnhofgeländes im Sommer 2001. Diese Aktion, bei der ich allein arbeitete, entwickelte sich über Privatkontakte zu einzelnen Behördenvertretern. Das Besondere dabei war, dass es sich hier um einen offiziellen bezahlten geomantischen Auftrag der Stadt an mich handelte. Kurz die Sachlage: Die Bundesbahn, der das etwa 25 Hektar große Gelände gehört, plant seit langem, den Containerbahnhof aufgrund besserer Transportmöglichkeiten vom Westen der Stadt an den Kanalhafen in das südliche Stadtgebiet zu verlegen. Das bisherige Gelände soll entweder für einen Reparaturbetrieb der Bahn dienen (interessanterweise wurde es schon im 19. Jahrhundert so genutzt), oder es wird anderweitig verwendet. In diesem Fall würde das jetzige "Technogelände" in ein Wohngebiet umgewandelt. Die Verhandlungen darüber sind allerdings bis heute noch nicht abgeschlossen. Im Rahmen einer Vorplanung gab die Stadt die Analyse in Auftrag, damit sich eine mögliche Nutzung und Bebauung nach der energetischen Struktur richten könnte.
Bei meinen Untersuchungen verwende ich auch alte Karten, die bis um 1800 relativ genau sind. Schwerpunkt meiner Arbeit als Landschaftshistoriker war es immer, alte Landschaftstrukturen der Stadt wiederzuentdecken und energetisch neu zu beleben. Neben den aus der Karte ersichtlichen energetischen Strukturen (ich wurde von städtischen Mitarbeitern gefragt, ob es in der Geomantie eine Planzeichenfestsetzung gebe .) entdeckte ich zwei Besonderheiten: An der Stelle der heutigen Schnellstraße verlief seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Kanal, und in noch früherer Zeit war hier ein Urlauf der Pegnitz, die durch Nürnberg fließt. Zusätzlich verläuft hier bis heute der Schienenstrang der Bahn. Die vor der Aufschüttung noch sichtbare Talniederung diente also offensichtlich als Basis für die industriellen Planungen. Ein zentrales Moment der Anlage ist die Leylinie, die das Gelände im östlichen Bereich durchschneidet. Sie wird nicht nur durch die Bahnanlagen geschwächt, sondern vor allem durch die große Schnellstraße im Süden. Hier empfahl ich eine Steinsetzung an den Straßenböschungen. Außerdem könnte man die Leylinie durch einen Grünstreifen, eventuell eine Allee, oder durch Brunnen stärken.
Die Arbeit auf dem Gelände des Containerbahnhofs wurde durch eine Präsentation im Stadtplanungsamt abgeschlossen. Ein später vom Stadtplanungsamt angefertigter Planungsentwurf berücksichtigte die Energiestruktur bei der Bebauung. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass eine große Immobilienfirma aus der Region bei ihren Bauvorhaben die Leylinien der Stadt berücksichtigen will. Absprachen dieser Art finden derzeit statt.

Messung und Messmethoden

In den Anfangsjahren waren Gesundheits- und Esoterikmessen Foren, wo wir unsere Projekte einer breiteren Öffentlichkeit vorstellten. Später waren es mehrheitlich Gartenbaumessen. In Verbindung mit Möglichkeiten der Präsentation stellte sich auch die Frage, wie wir in unserer Arbeit über die rein subjektive Spürigkeit hinausgehen könnten. Dazu entdeckten wir zwei Methoden, die uns ohne große Komplikation praktikabel erschienen. Zum einen die "Tröpfelmethode": Wir träufelten Salzwasser auf einen Objektträger und legten diesen in einer Plastikschüssel auf einen Kraftplatz. Nach etwa 30 Minuten war das Wasser getrocknet, und wir konnten das Resultat betrachten. Es entstanden die eigenartigsten Kristallisationsformen, auch bei der Wiederholung des Experiments, und so teilte der Ort uns seinen Schwingungscharakter mit. Auf der Canareninsel La Gomera konnte ich auf den Vulkankegeln noch faszinierendere Muster des feurigen Äthers im Kristallisationsverfahren erkennen. Eine weitere Messmethode war der Gammastrahlenzerfall. Mit Hilfe eines Zählrohr-Szintillationszähler gibt diese Messmethode Aufschluss über Wasseradern, Verwerfungen und Höhlen. Mit Hilfe geeigneter Software (ein Freund von mir baut diese Geräte) lässt sich die energetische Struktur einer Landschaft zuerst als Grafik und später als farbige Karte darstellen. Das Umweltamt nannte mir einen Garten im Süden Nürnbergs. Dort war trotz aller Bemühungen sämtlicher Gärtnereien im Umkreis von 9 Metern alles abgestorben - nicht einmal "Unkraut" wuchs dort. Nach meiner Messung betrug der Boviswert minus 9000 Einheiten. Der Szintillationszähler zeigte ein ständig wechselndes Energiefeld wie von einer unterirdischen Höhle oder einer Verwerfung. Dieses wechselnde Energiefeld erschöpft die Aura von Pflanze, Mensch und Tier. Das Pendel hatte dieses Gebiet als Minusfeld registriert. Solche Beispiele erweisen sich als das Missing Link zwischen Spürigkeit und Messung.
Beide Methoden ersetzen nicht die eigene Wahrnehmung, die ja unserer Erfahrung nach ohnehin mit mindestens fünf Personen durchgeführt werden sollte, wobei die Resonanz mit dem Genius Loci besonders wichtig ist. Gerade in der Zusammenarbeit mit Behörden ist es jedoch hilfreich, mehrere Messmethoden zu verbinden.

Bilanz, Entwicklungen und Ausblick:

In vielen Ämtern gibt es Menschen, die im Rahmen ihrer persönlichen Weltanschauung durchaus für die Geomantie offen sind. Doch diese Personen eröffnen sich nur ungern und wenn, dann nur im Privaten. Dienststellenmitarbeiter sorgen sich um ihr Ansehen, und je höher die Position der betreffenden Person, desto größer ist auch diese Sorge. Hinweise, Materialien usw. werden dann mehr oder weniger inoffiziell weitergegeben und können von uns auch nur eingeschränkt verwendet werden, wenn wir die betreffende Person nicht in Schwierigkeiten bringen und uns den Kontakt für die Zukunft verbauen wollen. Die Beziehungen müssen gepflegt werden, auch wenn nichts Aktuelles anliegt, um die Verbindung nicht einschlafen zu lassen. Insgesamt hat sich auf diese Weise die Zusammenarbeit mit den Behörden durchaus positiv entwickelt. Inzwischen hat sich ein regelrechtes Team gebildet, das alle formalen und inhaltlichen Voraussetzungen für eine wesentlich umfangreichere Kooperation mit Behörden besitzt. Außer mir gehören Architekten, Landschaftsarchitekten, Gerätebauer, Volkswirtschaftler und viele spürige Menschen dazu.
Wie könnte es weitergehen? Während ich diese Zeilen schreibe, liegt der Verwaltung Nürnbergs eine Anfrage des Stadtrats vor, ob geomantische Untersuchungen nicht bei allen zukünftigen Architektenausschreibungen und bei Planungen herangezogen werden sollten. Fände dies die Zustimmung der zuständigen Dienststellen, wäre das ein sensationeller Durchbruch für die Geomantie. Bis es soweit ist, wird wohl noch einiges an Zeit vergehen, oder, wie es bei uns in Nürnberg heißt, "fließt noch viel Wasser die Pegnitz hinab".