Harmonische Urgestalten

Archetypische Architektur und Ortsplanung

von Dipl.-Ing. Theodor Henzler erschienen in Hagia Chora 16/2003

Was sind die Kennzeichen einer harmonischen Architektur? Und wie unterstützt eine harmonische Architektur die Geomantie eines Ortes? Der Architekt Theodor Henzler analysiert den Siedlungs- und Städtebau und entdeckt einige elementare Grundprinzipien, auf denen eine Praxis der "archetypischen Architektur" aufbauen könnte.

An Berggipfeln, auffallenden Felsformationen, Quellen und anderen besonderen Naturformationen spüren wir besondere Kräfte der Erde. So liegt auch die Vorstellung nahe, dass der Mensch durch bestimmte Formen Kraftorte beeinflussen kann. Durch geeignete "Steinsetzungen und Rituale" - so könnte man Architektur elementar bezeichnen - werden Energien gebündelt, verstärkt oder auch neu erzeugt. Daraus erwächst die Aufgabe des Planers. Heute sind wir in der Auswahlmöglichkeit der Grundstücke nach geomantischen Gesichtspunkten sehr eingeschränkt. Im so genannten Außenbereich ist das Bauen fast unmöglich, und die Bauflächen werden weitgehend nach organisatorischen Gesichtspunkten eingeteilt. Sensible Architekten werden ihre Planbereiche dennoch geomantisch untersuchen lassen und die noch vorhandenen Einflussmöglichkeiten zur Nutzung des natürlichen Potenzials des Ortes ausschöpfen. Die Hauptaufgabe des Architekten wird darin bestehen, durch Formgebung Kraftplätze zu verstärken oder neu zu schaffen. Dieser Ansatz ist dann der Einstieg in eine archetypische Architektur. Aus manchen Hochkulturen sind uns entsprechende Traditionen überliefert, wie Feng Shui oder Vaastu, aber auch in unserem Kulturraum steckt viel Wissen, das vielleicht irgendwo in unseren Zellen gespeichert ist und durch wissenschaftliche Arbeit an den alten archetypischen Gestaltstrukturen und Texten wieder bewusst gemacht werden kann. Im Folgenden stelle ich beispielhaft einige solche alten Erkenntnisse sowie eigene Erfahrungen als Architekt und Planer dar.

Das vierteilige Lebensgesetz

Im täglichen Leben erkennen wir, dass sich die Vorgänge des Lebens in vier Stufen realisieren: 1. erkennen, 2. werten, 3. wollen, 4. handeln. In der Kybernetik lauten die Begriffe ganz ähnlich: 1. Information, 2. Bedeutung, 3. Effektor, 4. Wirkung. In vielen anderen Lebensbereichen, z.B. in der ärztlichen und psychologischen Praxis, tauchen diese vier Stufen sinngemäß immer wieder auf, manchmal etwas abgewandelt und verkürzt, manchmal auch erweitert. Die vier Jahreszeiten, die vier Himmelsrichtungen oder die vier Elemente zeigen Entsprechungen. Immanuel Kant hat die Stufen elementar formuliert: 1. Was ist?, 2. Was soll sein?, 3. Was kann sein?, 4. Was ist der Mensch? In Goethes Faust werden die vier Stufen ab Zeile 1216 eindrucksvoll beschrieben, was ich hier mit den Stichworten Wort, Sinn, Kraft und Tat verkürzt wiedergebe. In der Antike tauchen die vier Stufen ebenfalls auf. Jochen Kirchhoff schrieb in Hagia Chora Nr. 15 zum Thema Tiefenökologie: "Im altgriechischen Bewusstsein umschloss das Wort physis (= Natur .) vier Bedeutungsaspekte: Ursprung, Wesen, Prozess und Ziel. Alle vier Aspekte waren zu einer lebendigen Ganzheit vereint." Im christlichen Glaubensbekenntnis gibt es auch vier Stufen: 1. Gott - Schöpfung, 2. Jesus - Liebe, Sinn, 3. Geist, dynamis - Kraft, und 4. Kirche - Verwirklichung. Die Geometrie mit den drei Dimensionen lenkt schließlich auf die Architektur hin. Dieses offenbar urgesetzliche, archetypische Entwicklungsprinzip findet sich in allen hochwertigen städtebaulichen Strukturen wieder, ob beim salomonischen Tempel, in der antiken griechischen Stadt, in Altamerika oder Japan. In fast allen ortsgestalterischen Strukturen kann das Prinzip folgendermaßen gefunden werden: Die erste Stufe mit der geometrisch ersten Dimension (Linie/Strecke/Punkt) zeigt sich als gerader Weg, als Mittelachse, als Turm, als Überhöhung der Stadtsilhouette oder als Punkt und Kreis. Die waagrechte Linie als Weg führt zum Ortsmittelpunkt, die Senkrechte weist auf ihn hin. Die symbolische Aussage lautet: Hier bin ich. Sie korrespondiert astrologisch mit Widder, Löwe und Schütze und hat Yang-Charakter.
Die zweite Stufe entspricht der 2. Dimension. Das ist Länge mal Breite, also die Fläche, und zeigt sich in der Architektur als Platz am Mittelpunkt. Die symbolische Aussage dazu lautet: Hier versammeln wir uns, pflegen Kontakte und geben Impulse. Ein solcher Platz ist harmonisch von Mauern, Häusern oder Bäumen umgeben. Astrologisch passen hier Stier, Jungfrau und Steinbock. Die zweite Stufe ist Yin-betont. Die dritte Stufe gehört zur dritten Dimension: Länge mal Breite mal Höhe, das ist der umbaute Raum. Hier wird gewohnt und gearbeitet - auch gesellschaftlich, seelisch und geistig -, sei es in einer Kirche, einem Rathaus oder Wohnhaus. Astrologisch kann Zwilling, Waage und Wassermann zugeordnet werden. Dieser Teil hat wieder deutliche Yang-Wesensart. Die vierte Stufe hat wie auch in den theoretischen Ausformungen eine Sonderstellung. Sie stellt einerseits das ganze Ensemble z.B. aus Straße, Turm, Platz und Hauptgebäude dar. Andererseits enthält die Zahl Vier auch eine geistige Bedeutung, die durch einen wie eine Schale zum Himmel geöffneten Bereich symbolisiert wird, z.B. der Kreuzgang einer Kirche, ein japanischer Meditationshof oder ein meditativer Garten, der nicht so ohne weiteres von außen einsehbar ist, was die Achse Erde-Himmel unterstreicht. Meist zeigen solche Orte einen quadratischen Grundriss, oft mit eingeschriebenem Kreis und Kreuz. Ein Prinzip der vierten Stufe ist auch die Leere. Der Sinn des vierteiligen Lebensgesetzes liegt ja in der Unterstützung von Weiterentwicklung. Dazu gehört das Leersein, aus dem Neues entstehen kann. Die vierte Stufe hat deutlichen Yin-Charakter.

Aus der Geschichte lernen

Man könnte nun die städtebaulichen Höhepunkte Europas der Reihe nach vom Markusplatz in Venedig über all die tausend hervorragenden Städte bis hin zu unseren nächsten alten Ortskernen untersuchen, um festzustellen, dass dieses vierteilige Ensemble fast überall auftaucht. Ein solches Beispiel ist der Marienplatz in München im Zentrum der Stadt. Er liegt an der Kreuzung von zwei Hauptachsen mit dem Rathaus und dem Marienhof nördlich vom Rathaus, der allerdings im letzten Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Dann gibt es den Odeonsplatz an der Nordachse mit der Ludwigstraße. Die dazugehörigen Hauptgebäude sind die Theatinerkirche mit den Theatinerhöfen und die Residenz mit dem wunderbaren Hofgarten. Solche Beispiele stehen in krassem Gegensatz zu fast allem, was in den letzten 200 Jahren gebaut wurde. Überall dort, wo archetypische Prinzipien in Materie umgesetzt wurden, herrscht eine hohe Energie. Vielleicht verstärkt sich dies noch, wenn sich viele Menschen dessen bewusst sind. Solche Räume fördern alle Arten von Entwicklungen, alltägliche und rationale ebenso wie psychische und religiöse. Daher waren früher besonders die Kirchen auf diesen Prinzipien aufgebaut, aber auch eine Fabrik oder ein wissenschaftliches Entwicklungszentrum würden durch solche Architektur gefördert. All die urgesetzlichen Gestaltprinzipien können auch mit modernen Gestaltmitteln umgesetzt werden. Natürlich wird sich das äußere Bild deutlich von historischen Beispielen unterscheiden. Die heutigen Siedlungen bestehen im Wesentlichen aus Bereich 1 und 3. Wenn man die Bereiche 2 und 4 hinzufügen würde, ergäbe das z.B. für die Einfamilienhäuser, wie das auch früher so war, eine öffentliche Platzgestaltung an der Straßenseite des Hauses und einen einsichtsgeschützten Innengarten auf der privaten Seite des Hauses. So würde auf der einen Seite die gemeinschaftliche Komponente des Lebens gestärkt, auf der anderen Seite die Ruhe, die Entspannung und die Selbstfindung gefördert. Eine Planung nach diesen Prinzipien fügt sich problemlos in unsere Baugesetze ein und findet gelegentlich sogar auch Zustimmung von Preisrichtern in Architekturwettbewerben. Ich habe sie bei all meinen Projekten verwirklicht und erfahren, dass an solchen Fragen noch nie ein Projekt gescheitert ist. Auch Auftraggeber und Gemeinden stehen dem positiv gegenüber, wenn es gelingt, die Partner in ernsthafte Gespräche einzubeziehen.

Das Randzonenprinzip

Diesem Abschnitt will ich ein Wort von Harald Jordan aus dem Buch "Orte heilen" voranstellen: "Je mehr ich mich mit Geomantie beschäftige, um so mehr erkenne ich die Bedeutung der Rituale." Architektur ist dem Ritual als transformative Handlung wesensmäßig sehr verwandt. Auch Planungsaspekte können als gebautes Ritual verstanden werden. Dazu gehört das Zonenprinzip in der Lebensraumgestaltung. Zonen entstehen, wenn unterschiedliche Bereiche mit verschiedenen Wesenseigenschaften durch deutlich markierte Ränder voneinander getrennt werden. An solchen Rändern gibt es Übergänge und Durchgänge. Psychologisch und philosophisch entspricht dieses Formprinzip den Übergängen und Durchgängen des Lebens wie Geburt, Hochzeit, Tod, Jahreszeitenübergänge, Inthronisation, Grundsteinlegung etc. Eine Lebensraumplanung mit Randzonen und Übergängen ist die symbolische Entsprechung der Rituale im städtebaulichen Bereich. Der moderne Städtebau bekennt sich heute zur "aufgelockerten, durchgrünten Stadt". Was dabei herauskommt, stellt eine große Grünfläche dar, in die relativ willkürlich Straßen und Häuser eingestreut sind. Diese einheitliche Zone ist vielleicht durch einige "Events" wie Weiher, Spielplätze und Einkaufsmärkte aufgelockert. Das entspricht genau unserem Lebensstil, in dem das Leben nicht mehr durch die großen Übergangsrituale strukturiert ist, sondern sich relativ oberflächlich fortbewegt, aufgelockert durch einige Events, die die Spaßgesellschaft bietet. Früher waren die Ortsbereiche in Zonen mit Rändern und bewusst gestalteten Übergängen ausgebildet. Das wurde mir bei einer ortsplanerischen Untersuchung bewusst. 1972 erhielt ich von der Stadt München den Auftrag, die alten Dorfkerne zu untersuchen und Entwicklungsvorschläge vorzulegen. Es waren 60 alte Dorfstrukturen innerhalb der Grenzen Münchens, die bis dahin fast vergessen oder von der Stadtentwicklung überwuchert waren. Viele dieser Bereiche strahlten aber noch ahnungsweise eine hochwertige Atmosphäre aus. Ich fragte mich, woher das kam. Dabei stieß ich darauf, dass sämtliche Altstrukturen mit der jeweils stärksten Strahlkraft sämtlich bestimmte Übergangszonen realisierten. Ich fand sieben Zonen heraus:
1. Biotop: Offensichtlich wurden früher Dörfer gerne in der Nähe von natürlichen Biotopen angelegt. Das können Steilhänge sein, die kaum betreten oder bewirtschaftet werden können, oder Moorflächen, Dornenhecken oder Inseln in Weihern.
2. Land- und Forstwirtschaft: Eine naturnahe Land- und Forstwirtschaft war früher immer in der Nähe von Siedlungen.
3. Landschaftspark: Typische Elemente des Landschaftsparks ergaben sich an Wasserläufen, Überschwemmungsgebieten oder außerhalb von Stadtmauern.
4. Öffentliche Straßen und Plätze als dörflich urbane Zone: Der Übergang der geschlossenen Ortszone zu einem solchen natürlichen Landschaftspark war besonders interessant. Wenn man das Postkartensortiment von Fremdenverkehrsgebieten betrachtet, wird man feststellen, dass besonders häufig dieser Randbereich dargestellt wird. Der dörflich urbane Bereich zeigt eine ganz spezielle Pflanzencharakteristik und bestand aus einer Szenerie geschlossener öffentlicher Räume.
5. Öffentlicher Innenhof: Der öffentliche Innengarten war im Dorf der Friedhof, in den städtischen Bereichen gab es hierfür schon eine Vielfalt.
6. Privater Bereich, Vorhof, Hof und Haus: Der private Vorhof konnte durch Hausbaum und Hausbank gekennzeichnet sein. Der eigentliche Hof war oft mit Mauer und Tor in der Häuserflucht abgegrenzt.
7. Geschützter Innengarten: Der geschützte Innengarten als Bauern-, Bürger- oder Schlossgarten war nicht ohne weiteres von außen einsehbar. Ihm war häufig eine Grundstruktur des Achsenkreuzes und eines Kreises eingeschrieben, was auf den intimen und meditativen Charakter hinweist.
Jeder Bereich wird von dem anderen durch eine deutlich ausgeprägte Randzone aus Häusern, Hecken, Mauern, Pergolen, Böschungen etc. getrennt. Die Durchgänge von einer Zone zur anderen waren dann bewusst durch Tore, Engstellen, Passagen, Baumtore, Skulpturen, Kapellen, Bildstöcke, Bachläufe, Brücken, Treppen, Hohlwege spürbar gemacht. Für rituelle Umzüge und Feiern war eine solche Einteilung naturgemäß ideal geeignet. Die Übergangsbereiche wurden geschmückt, mit mobilen Altären versehen und mit Segnungen bedacht, wie eben auch die Durchgänge im Leben der Menschen gefeiert wurden. Die erste und die letzte Zone enthält jeweils einen geheimnisvollen Aspekt. Ein Biotop, das schwer zugänglich ist, wirkt von Natur aus geheimnisvoll. Der geschützte Innengarten als siebte Zone ist der geheime Bereich des Besitzers. Die mittleren Zonen haben hingegen einen gemeinschaftlichen und öffentlichen Charakter. Auch darin spiegelt sich der Lebenslauf. Das Leben beginnt geheimnisvoll, führt dann zur Mitte hin in die Gemeinschaft und Öffentlichkeit und hat insgesamt das Ziel, dass der Mensch sich wieder mehr mit sich selbst beschäftigt und zu sich selbst findet.
Viele alte Riten passen nicht mehr in unsere Zeit, ebenso wie viele alte Architekturformen nicht mehr unserem Lebensgefühl entsprechen. Es ist aber denkbar, dass wir neue Riten entwickeln, ebenso wie mit modernen Architekturformen das Prinzip der Zonenbildung in der Ortsplanung keineswegs überholt ist. In unserer Zeit der Individualisierung eignet sich eine rituelle Architektur, um die Umwelt als Symbol des Lebens bewusster wahrzunehmen.

Die vier Energie-Qualitäten

Feuer, Erde, Luft und Wasser sind archetypische Symbole für Seelen- und Wesensstrukturen. Sie verbinden die Natursubstanzen mit der Psyche des Menschen. Eine ganzheitliche Architektur findet hier eine reiche Gestaltpalette. Grundsätzlich kann es sinnvoll sein, allen vier Elementen das gleiche Gewicht in der Lebensraumgestaltung einzuräumen. Für besondere Aufgaben und Situationen ist es aber angemessen, einzelne Elemente zu betonen. Ausgangssituationen sind oft schon sehr einseitig geprägt, so dass man aus dieser Einseitigkeit auch etwas Besonderes machen kann. Es ist wichtig, die Elementbedeutung in der Architektur zu kennen. Es gibt keine Zufälle: Wenn an einer Stelle ein Element vorherrscht, hat das auch eine psychische Bedeutung in Bezug auf die Qualität des Ortes.
Eine Kirche z.B. stellt völlig andere Anforderungen an das Elementespektrum als eine Fabrik. Bei einem Einfamilienhaus, bei dem die Bauherren bekannt sind, kann man auf deren Wesensstrukturen eingehen, indem das Haus so geplant wird, dass sie sich in ihrem Element wohlfühlen oder dass auch Elemente hinzugefügt werden, die für deren ganzheitliche Entwicklung als Ausgleich sinnvoll sind.
- Das Feuerelement zeigt sich in der Architektur gerne mit glänzenden Metallen und den Farben Rot-Orange. Die Baukörper sind solitär aufstrebend, und die Straßenachsen werden betont. Die Orientierung des Hauses zur Sonne kommt der passiven und aktiven Nutzung der Sonnenenergie entgegen. Stehende Fensterformate, stehende Gauben, Turmaufbauten und Standorte auf Berggipfeln sind typische Elemente der Feuer-Architektur, die männliche Wesenszüge hat. Sie korrespondiert mit der ersten Stufe des Lebensgesetzes. Der Stil einer feuerbetonten Planung wird kaum sehr dialogisch sein.
- Das Erdelement siedelt sich im Gegensatz dazu gerne im Tal an, hat schützenden Charakter, umgibt sich mit Mauern und ist in eine üppige Natur eingebettet. Eine solche Architektur kann auch höhlenartige Eigenschaften haben. Naturstein, Ziegel, Lehm und Grasdach passen in dieses Milieu, ebenso eine ebenerdige Verbindung der Wohnräume mit einem geschützten Gartenbereich. Im Freiflächenbereich sind große Natursteine, gepflasterte Wege und Steingärten beliebt. Die Planungsvorgänge werden in familiären Prozessen besprochen. Das Erdelement ist weiblich.
- Das Luftelement liebt luftige, verglaste Obergeschoße, Erker und Balkone. Ein leichter Skelettbau kommt diesem Bedürfnis entgegen. Fahnen, Masten und hohe Bäume können das Umfeld kennzeichnen. Die Architektur ist auf jeden Fall funktional und zeigt dies auch gestalterisch. Holz, Stahl und Glas sind die bevorzugten Materialien. Die Farben sind hell. Die Planung kann teamartige Kooperation zeigen. Das Luftelement ist männlich.
- Ein Haus am Bach oder am See, ein Weiher, ein Brunnen im Hof oder Garten können das Wasserelement einbringen. Geschwungene Weg- und Hausformen kommen diesem Element entgegen. Die Architektur des Künstlers Friedensreich Hundertwasser vermittelt eine Ahnung davon. Farbtöne um Blau mit einem Spielraum bis Türkis und Violett werden bevorzugt. Wasser steht bei den Elementen dem geistigen Prinzip am nächsten, was z.B. bei religiösen Bauten berücksichtigt werden sollte. Das Wasserelement ist weiblich.
In einer archetypischen Lebensraumgestaltung sind die Elemente Erde und Wasser besonders wichtig, während im modernistischen Städtebau die Elemente Feuer und Luft bevorzugt werden. Dennoch kann eine mehr erd- und wasserbezogene Architektur in den Kommunen eine Chance haben. Allerdings müsste es gelingen, mit den Kommunalpolitikern stärker über das Thema ins Gespräch zu kommen. Einzelbeispiele wie in dem bayerischen Ort Massing sind interessant, zeigen jedoch, dass sie von den Politikern lediglich als Marketingimpuls gehandhabt werden. Das städtebauliche Ergebnis dort ist ja auch nicht gerade modellhaft. Immerhin zeigen solche Bespiele, dass man über geomantische Themen in den Gemeinden diskutieren kann. Nur dürften in Zukunft nicht nur gute geomantische Untersuchungen durchgeführt werden, sondern es müsste auch im Architekturbereich eine konsequente Linie verfolgt werden.

Bauen für eine Friedenskultur

Den gesamten Artikel durchzieht als Thema Yin und Yang, das weibliche und männliche Prinzip. Es geht um eine Polarität, die ein hohes Potenzial besitzt, Frucht bringt und das ganze Leben durchdringt. Selbstfindung, harmonische Gemeinschaft und Friedenskultur sind ohne die beiden Pole nicht denkbar. Frieden mit uns selbst, mit der Natur, mit den Mitmenschen entsteht nur, wenn wir dem männlichen Prinzip das weibliche mindestens gleichwertig gegenüberstellen. So entsteht heilender Städtebau. Das Tröstliche daran, besonders für unsere Zeit der knappen öffentlichen Kassen, ist, dass die Hinzufügung der weiblichen Prinzipien zu den männlichen im Städtebau kein Geld kostet. Der Verzicht auf übertriebene Prestigedarstellung und Repräsentation des patriarchalen Denkens spart sogar Geld. Die Bauten, die man ohnehin braucht, muss man nur so anordnen, dass die weiblichen Elemente wie Platzräume und Innengärten entstehen. Sie bestehen materiell gesehen nur aus Luft, besitzen aber geistig-seelische Kraft. Hier passen ganzheitlicher Städtebau und Geomantie gut zusammen, denn die wertvollsten Gaben im Leben kosten nichts. Sie werden einem geschenkt, wenn man offen für sie ist.