Wege der Verwirklichung

Geomantische Projekte in der Öffentlichkeit

von Marko Pogačnik erschienen in Hagia Chora 16/2003

Der Bildhauer und Geomant Marko Pogacnik ist einer der Pioniere, die das Bild der Geomantie in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren wesentlich geprägt haben. Dabei ist es ihm wie wenigen gelungen, mit öffentlichen Stellen in Kontakt zu treten und institutionellen Entscheidern den Sinn seiner Projekte nachvollziehbar zu vermitteln. Er zeigt, wie solche Prozesse gelingen können.

Eigentlich sollte man meinen, es sei in unserer wissenschaftsgläubigen Gesellschaft unmöglich, geomantische Projekte zu realisieren. Von Politikern wurde mir immer wieder erklärt, dass das Geld für Straßenbau, Ökologie, Bausanierung, Stadtplanung usw. nur nach wissenschaftlichen Kriterien ausgegeben werden darf. Dabei wird ein Grad an gesellschaftlichen Anerkennung verlangt, den die junge Wissenschaft bzw. Kunst der Geomantie nicht ohne weiteres aufweisen kann. Doch wie können geomantische Projekte trotzdem in der Öffentlichkeit umgesetzt werden? Dazu möchte ich einige Erfahrungen aus meiner Praxis schildern.

Auf den Zeitgeist eingestimmt

Es scheint, als ob die moderne, lineare Vernunft unsere ganze Zivilisation beherrscht und kontrolliert. Sie versucht dies nicht nur äußerlich durch das Festlegen der gesellschaftlichen Normen, sondern auch innerlich durch das von ihr kontrollierte Erziehungswesen. Zum Glück täuscht dieser Eindruck, da es auch eine andere Seite des Weltgeschehens gibt, wo der Zeitgeist einzelne Menschen dazu inspiriert, sich von den geltenden Normen und Vorstellungsmustern zu lösen und ihr Bewusstsein und ihren Lebensstil zu verändern. Da solche sensiblen Menschen überall im Gewebe der Gesellschaft zu finden sind, können wir ihnen auch in gesellschaftlich entscheidenden Positionen begegnen, wo sie sich bewusst oder unbewusst dem Zeitgeist als Medium anbieten. Dadurch können dann lebensfördernde Projekte realisiert werden, die zuvor unmöglich erschienen. Als Beispiel möchte ich meine Lithopunktur der Stadt Klagenfurt erwähnen. Die Voraussetzung dafür, dass die Akupunktursäulen an öffentlichen Plätzen in der Stadt dauerhaft aufgestellt werden durften, war eine bestimmte Inspiration des betreffenden verantwortlichen Menschen in dieser Stadt. Er hatte am eigenen Körper eine Heilung erfahren, nachdem eine Feng-Shui-Beraterin sein Haus in Ordnung gebracht hatte. Als wir diesem Mann dann erklärten, dass man Vergleichbares auch für eine ganze Stadt tun könne, leuchtete ihm das sofort ein, und die Einladung zur Lithopunktur von Klagenfurt kam zustande. Es gab wohl schon vorher ernsthafte Bemühungen seitens einiger Bürger von Klagenfurt, das Lithopunkturprojekt in der Stadt in die Wege zu leiten. Sie scheiterten jedoch an den erwähnten gesellschaftlichen Barrieren. Mein Beispiel möchte dazu ermutigen, die Hoffnung auf Verwirklichung nicht zu schnell aufzugeben. Der Zeitgeist wirkt unaufhaltsam und oft durch unvorhersehbare Umstände. Wenn seine Wirkung ausbleibt, sollte man sich fragen, ob das Projekt für den gegebenen Ort wirklich hilfreich ist und ob es auf den Geist der Epoche eingestimmt ist.

Erfolgreicher Widerstand

Ein weiteres Beispiel, das ich hier heranziehen möchte, steht im Zusammenhang mit einer Hochleistungs-Gasleitung, die im Jahr 1996 durch die Ostschweiz verlegt wurde. Die Trasse verläuft auch über das Grundstück eines biologisch-dynamisch ausgerichteten Landwirtschaftsbetriebs in Mellstorf bei Basel. Die Bauernfamille wherte sich gegen den Bau mit der Begründung, dass "der langjährige bewusste Aufbau des dynamisch-ökologischen Haushaltes, welcher die Energiegrundlage für den Biobetrieb bildet, durch den Eingriff des Gasleitungsbaues stark gestört werden (kann)." Ich wurde von der Familie gebeten, "Erdheilung, energetische Untersuchung und Therapiemaßnahmen zur Behebung allfälliger Störfelder auf der Trasse der TRAWO-Erdgasleitung" durchzuführen. Weil die Bauernfamilie hartnäckig blieb, wurde mit dem Erdgaskonzern eine Vereinbarung unterzeichnet, nach der meine geomantischen Untersuchungen vor und nach dem Bau der Gasleitung erfolgen sollten. Im Wortlaut der Vereinbarung heißt es u.a.: "Nach abgeschlossenen Arbeiten überprüft Herr Pogaÿcnik das Gebiet nach allfälligen Störfeldern oder negativen Veränderungen. Die entstehenden Kosten, inklusive die von Herrn Pogaÿcnik angeordneten Therapiearbeiten, gehen vollumfänglich zu Lasten des Projektträgers." Die Befürchtungen der Bauemfamilie erwiesen sich als durchaus berechtigt. Die Gasleitung wurde leider durch ein sehr sensibles Gelände ihres Grundstücks gelegt, wo sich die Brennpunkte verschiedener Wesenheiten der elementaren Welt überschneiden, wodurch spezifische lebensfördernde Felder am Ort zustande kommen. Durch die Baumaßnahmen und besonders durch den hohen Druck in der Gasleitung kam es dann zur einer chaotischen Störung und starken Enterdung dieser lebendigen Kraft- und Bewusstseinsfelder. Die einstmalige harmonische Atmosphäre des Anwesens war deutlich gestört, was vor mir bereits der Bauer festgestellt hatte, der ja sein Land gut kannte. Zwar wurde die Gasleitung nach den strengen Anforderungen der schweizerischen biologischen Landbau-Organisation gelegt. Es wurde aber offensichtlich nicht daran gedacht, dass der hohe Druck in den Leitungen von den Stahlrohren nur physikalisch aufgefangen wird. Nach meiner Wahrnehmung wirkte der Druck auf der feinstofflichen Ebene auf den hoch sensiblen Ort ein. Es kam zur einer unangenehmen Entwurzelung der emotionalen Felder, die ich jedoch durch Steinsetzungen wieder beheben konnte. Eine Reihe von Findlinge wurden auf die Erdungspunkte gesetzt, so dass ihre Anwesenheit die erneute Verwurzelung der Felder anregen konnte. Dazu kam noch eine entsprechende Bepflanzung und die tägliche Betreuung des Ortes durch den Eigentümer.
Die Betreiberfirma der Erdgasleitung hat tatsächlich die Kosten für dieses Projekt voll übernommen.

Verbündete finden

Geomantie ist zweifellos eine zukunftsweisende und in meinen Augen auch als wissenschaftlich zu bezeichnende Disziplin. Wegen ihres mehrdimensionalen Charakters wird sie sich jedoch nur dann behaupten können, wenn die wissenschaftlichen Paradigmen grundlegend verändert werden. Es wird schon seit geraumer Zeit an neuen Paradigmen gearbeitet, doch diese werden von Seiten der offiziellen Institute und Universitäten kaum anerkannt. Dadurch werden auch die Möglichkeiten zur Einbeziehung geomantischer Arbeiten in öffentliche Projekte geschmälert. In dieser Übergangssituation gilt es, Verbündete vor allem auch im wissenschaftlichen Bereich zu finden. Als Beispiel hierfür möchte ich über meine geomantischen Arbeiten beim Bau einer Autobahn in Slowenien berichten. Im Jahr 1995 verfasste das Urbanistische Institut Sloweniens eine umfangreiche Studie über das Gebiet entlang des Flusses Mur (Pomurje), um die Entwicklung dieses vernachlässigten Landstrichs zu fördern. Auch ich wurde eingeladen, einen Beitrag "Über die vital-energetischen Strukturen in Pumurje" und die Probleme durch die dort geplante Autobahn Barcelona-Kiew zu verfassen.
Im Lauf meiner Untersuchungen stellte sich heraus, dass entlang der Mur ein Kraftdreieck existiert, das mit seinen rund fünf Kilometern Seitenlänge die entscheidende Kraftquelle des Landes darstellt. Die geplante Autobahn hätte die nördliche Ecke des Dreiecks abgeschnitten, was eine Blockade dieser Kraftquelle zur Folge gehabt hätte. Jeder der drei Eckpunkte wirkt als ein spezifisches Kraftzentrum, das im Gesamtorganismus dieser Landschaft eine jeweils eigene Funktion erfüllt.
Ich wies öffentlich auf dieses Problem hin, doch führte dies leider noch nicht dazu, dass die Trasse verlegt wurde. Dafür wäre eine zusätzliche Finanzierung nötig gewesen, die nur aufgrund wissenschaftlich fundierter Beweise gewährt worden wäre.
Das Glück wollte es aber schließlich doch, dass die Trasse um etwa 800 Meter verlegt wurde, damit die Ganzheit der Kraftquelle der Mur erhalten bleiben konnte. Dies gelang uns, weil wir mit zwei Ökologen zusammenarbeiteten, die herausfanden, dass der Standort einer Brücke das besonders wertvolle Feuchtbiotop der Mur gefährdete, was eine Änderung der Trassenführung begründete. Heute wird dort nach diesem veränderten Plan gebaut, der inzwischen durch das Parlament gebilligt wurde. Alle Beteiligten, einschließlich der zuständigen Parlamentarier, kannten den eigentlichen Grund, weswegen die Trasse verlegt werden sollte. Sie durften jedoch, bedingt durch den Rahmen der gesellschaftlichen Normen, solange nicht handeln, bis eine wissenschaftlich fundierte Rechtfertigung zur Verlegung der zukünftigen Autobahn gefunden war.

Werkzeuge aus der Kunst

Aus der Konzeptkunst der 60er-Jahre sind viele Ausdrucksformen hervorgegangen, die gut zur Verwirklichung geomantischer Projekte geeignet sind. Es handelt sich um verschiedene Kunstformen wie Workshops, Performances, räumliche Installationen, Prozesskunst usw. Meine Lithopunkturprojekte zum Beispiel werden oft als Land-Art-Projekte dargestellt, um ihre Aufstellung im öffentlichen Raum zu rechtfertigen. Trotz dieser "Tarnkappe" lege ich großen Wert darauf, öffentlich über die geomantischen und ethischen Hintergründe der geplanten Werke zu sprechen, damit sie im Bewusstsein der Menschen auch als geomantische, mehrdimensionale Arbeiten erkannt werden. Wenn ein Projekt daran scheitern sollte, dass seine wahre Intention ausgesprochen wurde, dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass die Zeit für seine Verwirklichung noch nicht reif ist.
Um den Ablauf einer solchen Umsetzung darzustellen, möchte ich auf das Lithopunkturprojekt "Alpenstern" hinweisen. Im Jahr 1997 wurde Villach aufgrund ökologischer Kriterien zur ersten "Alpenstadt des Jahres" erklärt. Ein Jahr zuvor hatte ich in Villach ein erstes Lithopunkturprojekt abgeschlossen. Aufgrund der positiven Auswirkungen für die Stadt wurde ich vom Bürgermeister eingeladen, ein weiteres Projekt zu entwickeln, um damit die Ganzheit des Alpenraums zu ehren. Bei der Suche nach der geomantischen Grundlage des Projekts fand ich heraus, dass es zwei Kraft-Leylinien gibt, die den Alpenraum fast im rechten Winkel zueinander durchqueren und sich auf dem Gebiet der Gemeinde Villach kreuzen. Ich schlug vor, fünf Lithopunktursteine mit entsprechenden Kosmogrammen entlang der beiden Ley-Linien aufzustellen, so dass die einzelnen Steine sich auf dem Boden von vier Alpenstaaten befinden: In Italien (Meran), Deutschland (Gstadt), Österreich (Kerschdorf, später zudem Klagenfurt) und Slowenien (Bohinj und Maribor). Durch die innere Verbindung der fünf Steine soll dem durch die Zivilisation zersplitteren Alpenraum ein heilender Impuls zur Wiederverbindung gegeben werden.
Um dieses Projekt so tief wie möglich in die Gesellschaft zu tragen, schlug ich vor, dass die Bürgermeister der beteiligten Städte die Enthüllung der Lithopunkturstelen jeweils zum Anlass für eine Zusammenkunft nehmen. Mein Vorschlag wurde gerne angenommen, und in fünf aufeinander folgenden Wochen fanden diese Treffen an den einzelnen Lithopunktursteinen statt. Dabei konnten in einer Atmosphäre von Verbundenheit politische Beziehungen zwischen den Gemeinden geknüpft und die geomantisehe Struktur des Werks erläutert werden.

Das Wappen von Slowenien

Ein anderes Beispiel für die Umsetzung eines geomantischen Projekts auf der politischen Ebene ist die Gestaltung des slowenischen Staatswappens und der slowenischen Nationalflagge. Den Auftrag dazu erhielt ich im Jahr 1991, zwei Monate vor Inkrafttreten der Unabhängigkeit Sloweniens, aufgrund einer öffentlichen Ausschreibung. Ich musste mich dabei selbstverständlich an die Normen halten, die für Staatssymbole gelten. Das heißt, dass die Farben wie auch die gotische Schildform des Wappens vorgeschrieben waren. Ich konnte zwar unter einigen nationalen Symbolen wählen, war jedoch nicht frei, eine eigene Formensprache zu entwickeln. Meine Vision für dieses Wappen war jedoch keineswegs konventionell. Zum einen wollte ich für mein Land ein Kosmogramm schaffen, in dem die mehrdimensionale Identität Sloweniens codiert ist und das bei allen möglichen offiziellen Anlässen diese Besonderheit Sloweniens durch seine Symbolik vermitteln kann. Zum anderen sollte dieses Kosmogramm an allen Grenzübergängen und auf öffentlichen Plätzen als Schutzzeichen dienen, welches das Immunsystem des Landes wesentlich stärken würde - besonders angesichts des durchaus riskanten Vorgangs der Verselbstständigung des Landes. In dieser heiklen Lage entschloss ich mich, die energetische Struktur des Kosmogramms auf die unsichtbare Ebene der Zeichen - nämlich die der geometrischen Proportionen - zu übertragen. Ich schuf also ein geometrisch gegliedertes Feld, in das die sichtbaren Symbole des Wappens eingebettet sind. Die nötigen Kraftspannungen sind durch die Proportionen in diesem Feld festgelegt. Nachdem das Wappen und die Flagge in der Verfassung festgeschrieben worden waren, bestand ich darauf, die Proportionen des geometrischen Feldes durch ein spezielles Gesetz schützen zu lassen.
Indem alle Wappen nach demselben energetischen Schema ausgeführt werden, übertragen sie jeweils dieselbe Information. Zur Überprüfung habe ich vor der zuständigen parlamentarischen Kommission mit meiner Lecher-Antenne die unterschiedlichen Frequenzen der verschiedenen Teile des Wappens demonstriert. Ein wichtiger Teil dieses Projekts ist der Prozess, in dem die Bedeutung des Staatswappens der Öffentlichkeit vermittelt wurde. Von Anfang an habe ich die verschiedenen Bedeutungsebenen des Kosmogramms und seinen Bezug zur Landschaft Sloweniens detailliert erläutert. Kein Aspekt wurde verschwiegen. Dies ging so weit, dass die Erklärungen auf einem Poster zusammengefasst wurden, das vom Informationsamt der slowenischen Regierung herausgegeben und in allen Schulen, Ämtern und auf öffentlichen Plätzen des Landes ausgehängt wurde.