Die Kunst der Integration

von Kerstin Schoengart erschienen in Hagia Chora 16/2003

"Die Seele des Ortes. Integral-disziplinärer Beitrag zur Rehabilitierung vergessener Raum-Dimensionen" heißt der Titel der Master-Arbeit von Kerstin Schoengart, erarbeitet an der Bauhaus-Universität Weimar im Studiengang "Europäische Urbanistik". Die Feststellung, dass jahrzehntelange leitbildorientierte Planung nicht hat verhindern können, dass heute alles andere als ideale Zustände in Stadt und Land herrschen und Rat- und Orientierungslosigkeit um sich greifen, veranlasste die Astrologin und Stadtplanerin dazu, der Frage nachzugehen, ob womöglich unzulängliche wissenschaftliche Erklärungsmodelle, die die Wirkungsfaktoren auf den geistig-seelischen Ebenen unterschätzen oder gänzlich unberücksichtigt lassen, die Ursache für die Krise in Stadt, Land und Planung sind. In unseren Augen weist diese Untersuchung viele kulturell kreative Aspekte auf, die sie qualifizieren, dem folgenden Fokus-Teil voranzustehen. Wir halten Kerstin Schoengarts Arbeit für ein positives Beispiel, wie sich integrale Ansätze heute auch im universitären Bereich zu etablieren beginnen.

Den Ansatz meiner Arbeit habe ich "integral-disziplinär" genannt, um damit einerseits den Begriff "interdisziplinär", mit dem das Nebeneinanderstellen von Forschungsergebnissen einzelner Disziplinen, deren Kombination zu einer bestimmten Frage willkürlich gewählt wurde, zu vermeiden, und andererseits den Begriff "ganzheitlich" zu umgehen, dessen inflationärer Gebrauch ihn inzwischen zu einem Modewort hat werden lassen. "Integral-disziplinär" ist trotzdem ein "ganzheitlicher", "holistischer" und auch "inter-disziplinärer" Ansatz. Statt jedoch nur in horizontaler Ebene Wissen und Fakten nebeneinanderzustellen, werden über Raum und Zeit hinweg Einsichten und Vorstellungen, Verständnisse und Erkenntnisse ineinander verwoben und miteinander vernetzt. Die Astrologie lehrt, dass es die Zeit ist, die die vertikale Achse darstellt, während der Raum die horizontale Achse für uns ist: Wir können heute rund um den Globus nach Konzepten für eine Reform der Stadt- und Regionalplanung fragen - das ist die horizontale Ebene -, aber erst das Eintauchen in die Tiefen der Zeit, und zwar nach gestern ebenso wie nach morgen, eröffnet den Blick auf das Ganze. Das Geschaute kann dann im Brennpunkt des Augenblicks, der immer auch der Schnittpunkt der Zeitachse mit der Raumachse ist, in der Gegenwart, integriert werden.

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