Die Erde wandelt sich

von Marko Pogačnik erschienen in Hagia Chora 15/2003

In dieser Kolumne beschreibt der Geomant, Bildhauer und Erd-heiler Marko Pogacnik seine Wahrnehmung der gegenwärtigen Erdwandlung. Diesmal ist sie geprägt von seinen Eindrücken in den Städten Prag und Dresden nach der Flut, in denen er wieder einegeomantische Verbindung von Stadt und Fluss spüren konnte. Solche Ausbrüche der Elemente sieht er als Aufbegehren der Erdenseele gegen die Übermacht des Verstandes.

Es ist kein Geheimnis, dass die Übermacht, die unsere Zivilisation dem Verstand zugesteht, die Erde in eine tiefe ökologische Krise gedrängt hat. Diese Überbetonung des Verstandes bewirkt auf der feinstofflichen Ebene eine Schwarz-Weiß-Polarisierung des Raums, die durch die Erde und ihre Wesenheiten nicht unendlich lange ausgehalten werden kann. Die rasante Geschwindigkeit, mit der der Verstand mit seinem wissenschaftlichen Hofstaat voranstrebt, ist auch nicht gesund für die Psyche des Menschen. Es fällt dem Kopf relativ leicht, neue Horizonte des Wissens zu erobern. Doch der Bauch als Speicher der emotionalen Kräfte bewegt sich langsamer. Es dauert ziemlich lange, bis ein neuer Gedanke gefühlsmäßig verarbeitet und durch die innere Erfahrung geerdet wird. In der Folge ist der postmoderne Mensch in zwei Teile zerrissen, wobei die Bruchlinie durch den Herzbereich verläuft. Die Welt blutet, führt Kriege, lässt Menschen massenweise verhungern … Die allgemeine Diktatur des Verstandes hat noch weitere schwerwiegende Folgen. Es entsteht ein in sich geschlossener Raum mit einer ausschließlich mentalen Charakteristik. Dieser Weltenraum bietet den entsprechend geschulten Menschen fantastische Möglichkeiten der Kommunikation an, doch werden gleichzeitig alle anderen Wesenheiten des Himmels und der Erde (einschließlich dem Großteil der Menschheit) aus dem Gespräch ausgeschlossen. Die gewaltigen Fluten, die im August 2002 Mitteleuropa überschwemmt haben, sind Zeichen einer Gegenströmung, die eine weitere Phase der Erdwandlung einleitet. Es kommt zu einem unerwarteten Ausbruch der Kräfte der vier Elemente, die als einzige fähig sind, wieder ein Gleichgewicht gegenüber der Übermacht der mentalen Strukturen herzustellen.

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