Ist Geomantie utopisch?

von Nigel Pennick erschienen in Hagia Chora 15/2003

Nun beschäftige ich mich seit rund 35 Jahren mit Geomantie, und immer noch fragen mich die Leute: "Was bedeutet Geomantie? Was ist das, Geomantie?" Gewöhnlich beschreibe ich dann die geomantische Praxis, ohne weiter auf die sozio-politischen und ökonomischen Funktionen der Geomantie in Geschichte und Gegenwart einzugehen. Die Frage aber, worauf sie überhaupt abzielt, wird seltener gestellt. In den 60er-Jahren war der Nährboden der neu entstehenden Geomantie ein Gebräu aus Studentenprotesten, Hippie-Psychedelik und der damit verbundenen linksradikalen Utopie. Meinen ersten Artikel mit dem Titel "Geomantie" veröffentlichte ich 1969 in einem Untergrund-Nachrichtenblättchen "The Other Britain". Das damals erwachende Interesse an Geomantie war also klar utopisch motiviert. Das Konzept von Utopia geht auf die Träumereien von Sir Thomas More über eine ideale Gesellschaft zurück, die er 1516 in England verfasste. Indem er seine ideale Insel "Utopia" nannte, erschuf More einen Neologismus aus den griechischen Silben ou, "nicht", und topos, "Ort". Utopia ist also ein imaginiertes Nirgendwo. Mores Begriff klingt aber auch wie eutopia, was "ein guter Platz" bedeutet. Seit Mores Tagen haben viele Menschen versucht, ihr persönliches oder kollektives Utopia zu verwirklichen, ist doch jedes Utopia ein Bild des erwünschten Schicksals. Derzeit wird der Utopianismus durch zwei Strömungen vertreten:

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