Wildnis und Wildheit
Unsere Existenz in den drei Welten
Unser Verhältnis zur natürlichen Wildnis in der äußeren Welt spiegelt die Beziehung zu unserer eigenen Wildheit. Zwischen der Welt des nicht vom Menschen Gemachten und Beherrschbaren, dem Wilden, und dem Zivilisierten gibt es einen engen Zusammenhang im Äußeren wie im Inneren. Die Ganzheit unseres Lebens zu leben heißt, auch dem Wilden, Unkontrollierbaren und Fremden seinen Platz zuzugestehen. Marco Bischof bezieht sich auf das universelle Konzept der "Drei Welten", um die integrale Existenz zu beschreiben. Anhand von Erkenntnissen aus Ökopsychologie, Geomantie, Religionswissenschaften und Wissenschaftsphilosophie skizziert er dessen Bedeutung für unser Verhältnis zum Wilden in der Welt und in uns selbst.

Die Annahme eines Zusammenhangs zwischen dem Zustand unserer Umwelt und unserem eigenen inneren Zustand ist die Grundlage der so genannten Ökopsychologie (Roszak 1993) und fundamental für ein integrales Weltbild. Heute müssen wir feststellen, dass Wildnis aus unserer Umwelt beinahe vollständig verschwunden ist. Der Zustand, in dem sich der moderne Mensch befindet, könnte also etwas mit der Beziehung zwischen unserer eigenen Wildheit und dem "Zivilisierten" in uns selbst und in unserem Leben zu tun haben. Um diese Beziehung zu verdeutlichen, will ich versuchen, eine Art gemeinsamer Definition von Wildnis und Wildheit zu geben, nämlich als "der spontane, volle, unreduzierte, unkontrollierte Ausdruck dessen, was ein Ding oder eine Person ist". Aber das bedeutet, dass wir als Voraussetzung für ein Verständnis der Beziehung zwischen äußerer Wildnis und innerer Wildheit erst einmal verstehen müssen, was die volle Realität und die ganze Person sind - was Ganzheit überhaupt bedeutet.
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