Rückkehr des Wasserdrachen

Das Moor - Wildnis und Kulturlandschaft

von Ulrich Fischer erschienen in Hagia Chora 15/2003

Das Feuchtland des Peenetals gehört zu den zauberhaftesten Moorgebieten in Norddeutschland. Da sich die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen nicht mehr lohnt, wird es in Teilen wieder in seinen wilden Urzustand zurückgeführt. Der Ökologe und Geomant Ulrich Fischer reflektiert den Vorgang zum einen vor dem Hintergrund der Kulturgeschichte der Moore, zum anderen durch intuitive Eindrücke, die ihm die Wandlungsprozesse in dieser Landschaft vermitteln.

Die mitteleuropäische Urlandschaft war bis ins frühe Mittelalter durch dichte Wälder und weite Moore geprägt. Germanien wirkte auf die Römer furchteinflößend. Tacitus beschreibt das Land als "ungestalt in seinen Landschaften, schaurig durch seine Urwälder und hässlich durch seine Moore". Über viele Jahrhunderte hinweg veränderte der Mensch diese Naturlandschaft in die so vielfältig strukturierte Kulturlandschaft unserer Tage. "Urwälder" und "Urmoore" gibt es heute in Mitteleuropa nicht mehr. Jedoch blieben Wald und Moor im kollektiven Gedächtnis Synonyme für "Wildnis". Studien zur Kulturlandschaftsgeschichte und Landschaftsmythologie vertiefen die Einsicht, dass aus der Wildnis von Wald und Moor die europäische Kultur hervorging, die geistige ebenso wie die materielle. Das Zulassen und Erfahren von "Wildnis" ist deshalb für uns auch heute von Bedeutung. Ich möchte dieser Bedeutung anhand eigener Untersuchungen zu nordostdeutschen Mooren nachspüren.

Ursprünge der Kulturlandschaft

Wald ist sprachgeschichtlich verwandt mit dem Begriff "wild". Der öffentliche Bereich, in dem die frühe Rechtssprechung wirksam war, erstreckte sich nämlich nach römischem Vorbild nur auf die Siedlungen und ihr gerodetes Umland. Der Wald galt als locus neminis, als Niemandsland, das jeder nutzen konnte. Dies wurde jedoch bereits im Frühmittelalter aufgrund der zunehmenden Bevölkerungsdichte immer weiter eingeschränkt.

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