Wie tief ist die Tiefenökologie?
Gedanken zur "Tiefe" oder "Flachheit" der Ökologie, zur Anderswelt und zur Lebendigkeit der Erde
Ihrem inneren Auftrag gemäß will die Tiefenökologie tiefere Fragen stellen. Wer dies ernst nimmt, so fordert der Philosoph Jochen Kirchhoff, darf bei der Natur nicht stehen bleiben: Die Tiefenökologie muss vor allem die Tiefe des Menschen und der Tiefe der Welt erforschen.

Vielleicht muss man den Zeitgenossen, auch den "kulturell Kreativen", von Zeit zu Zeit daran erinnern, dass es so etwas gibt wie die ökologische Krise, und dass diese Krise, die die Erde als Ganze berührt, noch immer ungelöst, ja im Kern unverstanden geblieben ist. Ungebremst geht der große Vernichtungsfeldzug gegen die lebendige Natur weiter; was bislang realisiert wurde, sind allenfalls winzige Korrekturen, die eher kosmetischer Art sind, wobei diese Korrekturen ihrerseits den Rahmen des technischen Umweltschutzes nicht überschreiten. Technischer Umweltschutz, sofern er bezahlbar ist oder sich als politisch durchsetzbar erweist, wird in unterschiedlichen Graden praktiziert. Das herrschende Credo ist hier: Bessere Technik hilft auch der Umwelt. Katastrophen kleineren Umfangs passieren ständig. Wer nicht unmittelbar betroffen ist, hört und sieht kaum richtig hin. Es ist fast langweilig geworden. Und da alle Untergangspropheten, wie der leidenschaftliche Mahner Herbert Gruhl (â 1992), bislang widerlegt wurden und es augenscheinlich "irgendwie weitergeht", die Erde sich dreht und ihre ruhige, verlässliche Bahn um die Sonne zieht, die Jahreszeiten wechseln und so fort, glauben sich nur allzu viele berechtigt, generell Entwarnung zu geben. Wozu der ökologische Lärm? Jahrzehnte grüner Utopien, und nun? Als die ökologische Krise, reichlich spät übrigens, vor rund vier Jahrzehnten in die öffentliche Wahrnehmung trat, schuf dies einen Moment der Irritation, des Innehaltens. Damals, in den fernen 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts, wurde der technische Umweltschutz geboren. Der Naturbegriff, der hier ins Spiel kam bzw. schlicht vorausgesetzt wurde, war der ohnehin herrschende: der technisch-naturwissenschaftliche. Natur wurde als berechenbarer Kräftezusammenhang und im klassischen Sinn als bloße Außenwelt verstanden, der der Mensch zwar über seine Leiblichkeit verbunden ist (sei es beglückend, sei es leidvoll), die aber als solche als bloßes Es gesehen wurde, als mehr oder weniger gegenständliches Etwas und Gegenüber "da draußen".
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