Die Welt ist ein Heiligtum

Das Universum blickt durch unsere Augen

von Henryk Skolimowski erschienen in Hagia Chora 15/2003

Es ist an der Zeit, uns von einer Metapher zu trennen, die unsere Wahrnehmung der Welt schon allzu lange beherrscht, meint der Ökophilosoph Henryk Skolimowski: die zerstörerische Annahme, die Welt sei so etwas wie ein Uhrwerk mit uns Menschen als kleine Zahnrädchen und Schräubchen darin. Diese Metapher hat uns verleitet, alles - das menschliche Leben inbegriffen - auf Teile einer riesigen Maschine zu reduzieren - mit verheerenden Folgen. Nur wenn es gelingt, eine neue Metapher zu finden, ein neues Weltbild zu erschaffen, sieht Skolimowski eine Chance, den unsinnigen und destruktiven Kräften, die unser Leben im Griff halten, zu widerstehen.

Ein Grundsatz des ökologischen Denkens ist die Betrachtung der Welt als Heiligtum, das wir auch als solches behandeln sollten. Daraus folgt eine von der Uhrwerk-Metapher radikal verschiedene Sicht auf das Universum und unseren Platz darin. Wenn wir tatsächlich in einem Heiligtum leben, müssen wir ihm Achtung und Fürsorge entgegenbringen. Wir müssen Hirten und Hüter der Erde sein. Die Idee der Hüterschaft folgt ganz natürlich aus der Annahme, dass die Welt ein Heiligtum ist. Dies ist die Basis dessen, was ich "ökologische Metanoia" (= innere Umkehr) nenne: unsere Metapher für die Welt, unsere Einstellung ihr gegenüber und unser Denken über sie in einem Schritt, gleichzeitig, zu verändern. Das ist möglich, und es geschieht auch bereits. Selbstverständlich ist das kein einfacher und auch ein sehr weitreichender Schritt. Aus diesem Grund wird er meist nur langsam, zögerlich und mitunter sogar widerwillig getan. Aus psychologischen und stammesgeschichtlichen Gründen lehnen wir Veränderungen zwar eher ab, doch tief in uns wissen wir, dass wir uns ändern müssen. Doch das allein genügt noch lange nicht: Bevor wir in einer gesunden, nachhaltigen und unser Leben erfüllenden Welt ankommen, müssen sich noch viele wichtige Veränderungen vollziehen. Die Suche nach Sinn führt uns zur Frage nach der Bedeutung menschlichen Lebens überhaupt und weiter zu den tiefsten Grundannahmen, auf denen das MenschSein aufbaut. Der offenkundige Sinnverlust ist ein wesentliches Charakteristikum unserer Zeit. Religiöse wie auch weltlich motivierte Menschen sind sich dessen bewusst, dass unsere moderne Gesellschaft verzweifelt nach Sinn sucht. Konsum, Unterhaltung und gewöhnliche Jobs können uns diesen Sinn nicht geben.

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