Die Seele wiederfinden
Der erschreckende Seelenverlust unserer Landschaft ist schon lange Antrieb meines Tuns als Naturschützerin. Zu folgendem Beispiel von "emotionalem Umweltschutz" wurde ich von Eugène Andersons 1996 erschienenem Buch "Ecologies of the Heart" angeregt: In einem durch ehemalige militärische Sperrgebiete arg dezimierten Restwaldstück am südöstlichen Stadtrand von Berlin glänzt in einer Senke eine Lache aus tiefschwarzem Wasser. Der Boden trägt kaum Bewuchs und ist immer beschattet. Je nach Jahreszeit ragen aus der Mitte des Sumpflochs, das größer ist als ein ansehnlicher Gartenteich, die Kunststoffbeine zweier Stühle mehr oder minder hoch aus dem Wasser. Will man die Senke besuchen, muss man durch einen löchrigen Zaun klettern und an deponierten Hausgeräten aller Art vorbei abwärts steigen. Ausgerechnet an diesem Ort wollte ich etwas Verlorengegangenes wiederfinden. Der Ort hieß früher "Versunkener See". Vom Lesen einer 80 Jahre alten Beschreibung waren mir Kopf und Herz erfüllt, nach der an dieser Stelle ein hell besonntes, artenreiches Zwischenmoor von 0,7 Hektar Größe gelegen haben sollte, mit Torfmoos, Wollgras und zwei Sonnentauarten und einer reichen Staudenflora an den Rändern. Nichts scheint daran zu erinnern, außer den Hangneigungen und eben dem dunklen Modderloch in der Mitte. Langsam taste ich mich vor. Ich besuche die Bäume, die älter sind als 80 Jahre, frage sie nach ihrem Alter, nach dem Untergrund, auf dem sie stehen und bitte sie um Hilfe.
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