Naturschutz mit Leib und Seele
Ein Plädoyer für den Mut, sich auf die emotionale Beziehung zur Erde zu besinnen
"Naturschutz war und ist noch immer in einer resignierten Verteidigungshaltung", sagt die Geomantin Nanda Thekla Kolbeck, die lange im praktischen Naturschutz tätig war. Sie bemerkt eine Angst davor, über wissenschaftliche Argumente und eine rationale Haltung hinauszugehen. Ohne eine Veränderung im Bewusstsein, bleibt Naturschutz ein "zahnloser Tiger".

Warum machst du Naturschutz?", fragte ich neulich einen alten Freund, der ebenso wie ich vor sechzehn Jahren den Weg in die Naturschutzbürokratie angetreten hatte. "Weil es wichtig ist, weil es getan werden muss." "Warum ist es wichtig?" Seine Anwort kam eher zögerlich: "Die Frösche quaken nicht, also quaken wir . Werteverlust . was wäre, wenn es den Naturschutz nicht mehr gäbe . Angst vor einer unkontrollierbaren Katastrophe ." Die Argumente verloren sich im Nebulösen. Reicht es aus, nur zu wissen, dass man etwas Wichtiges tut, dass man Anwalt der Natur ist? Ist das wirklich die Quelle, aus der die Kraft fließt, immer wieder als kleiner David gegen den großen Goliath anzutreten? Warum machen Menschen diesen undankbaren Job, bei dem sie häufig Prügel und selten Anerkennung erfahren? Reicht das Gefühl, auf der anscheinend richtigen Seite zu sein?
Mut zur Selbstreflexion
In der Bevölkerung genießen die Naturschützer nicht gerade ein hohes Ansehen. Sie gelten vielen als weltfremde, introvertierte, menschenscheue, bisweilen skurrile Eigenbrötler, die ihre Vorlieben für diese und jene Tier- und Pflanzenart haben, die stur ihre Ideen vertreten, lehrerhaft besserwisserisch meinen beurteilen zu können, was richtig und was falsch ist. Nicht gerade schmeichelhaft. "Naturschutz" wird oft gleichgesetzt mit "Behörde", und wer will schon mit Behörden zu tun haben. Statt miteinander zu kommunizieren halten sich beide Seiten scheu voneinander fern. Ich habe während meiner Dienstjahre und durch meine vielfältige Gremienarbeit genügend Naturschützer (Landschaftsplaner, Geographen, Biologen, Förster etc.) kennen gelernt, um behaupten zu können, dass neben jenen, die so eben ihren Job machen, die meisten aus voller Überzeugung und mit ihrem Herzblut für die Natur kämpfen. In Kollegenkreisen haben wir uns ausgetauscht über die neueste Rechtsprechung, die neuesten Bewertungsmethoden und Argumentationshilfen. Wir haben über Naturschutzpolitik heiße Debatten geführt und die ach so unpolitischen Vogelfreunde und Blümchenliebhaber belächelt. Über unsere persönlichen Motive, die Triebfeder für unseren Einsatz, haben wir nie gesprochen.
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