Naturschutz mit Leib und Seele

Ein Plädoyer für den Mut, sich auf die emotionale Beziehung zur Erde zu besinnen

von Nanda Thekla Kolbeck erschienen in Hagia Chora 15/2003

"Naturschutz war und ist noch immer in einer resignierten Verteidigungshaltung", sagt die Geomantin Nanda Thekla Kolbeck, die lange im praktischen Naturschutz tätig war. Sie bemerkt eine Angst davor, über wissenschaftliche Argumente und eine rationale Haltung hinauszugehen. Ohne eine Veränderung im Bewusstsein, bleibt Naturschutz ein "zahnloser Tiger".

Warum machst du Naturschutz?", fragte ich neulich einen alten Freund, der ebenso wie ich vor sechzehn Jahren den Weg in die Naturschutzbürokratie angetreten hatte. "Weil es wichtig ist, weil es getan werden muss." "Warum ist es wichtig?" Seine Anwort kam eher zögerlich: "Die Frösche quaken nicht, also quaken wir . Werteverlust . was wäre, wenn es den Naturschutz nicht mehr gäbe . Angst vor einer unkontrollierbaren Katastrophe ." Die Argumente verloren sich im Nebulösen. Reicht es aus, nur zu wissen, dass man etwas Wichtiges tut, dass man Anwalt der Natur ist? Ist das wirklich die Quelle, aus der die Kraft fließt, immer wieder als kleiner David gegen den großen Goliath anzutreten? Warum machen Menschen diesen undankbaren Job, bei dem sie häufig Prügel und selten Anerkennung erfahren? Reicht das Gefühl, auf der anscheinend richtigen Seite zu sein?

Mut zur Selbstreflexion

In der Bevölkerung genießen die Naturschützer nicht gerade ein hohes Ansehen. Sie gelten vielen als weltfremde, introvertierte, menschenscheue, bisweilen skurrile Eigenbrötler, die ihre Vorlieben für diese und jene Tier- und Pflanzenart haben, die stur ihre Ideen vertreten, lehrerhaft besserwisserisch meinen beurteilen zu können, was richtig und was falsch ist. Nicht gerade schmeichelhaft. "Naturschutz" wird oft gleichgesetzt mit "Behörde", und wer will schon mit Behörden zu tun haben. Statt miteinander zu kommunizieren halten sich beide Seiten scheu voneinander fern. Ich habe während meiner Dienstjahre und durch meine vielfältige Gremienarbeit genügend Naturschützer (Landschaftsplaner, Geographen, Biologen, Förster etc.) kennen gelernt, um behaupten zu können, dass neben jenen, die so eben ihren Job machen, die meisten aus voller Überzeugung und mit ihrem Herzblut für die Natur kämpfen. In Kollegenkreisen haben wir uns ausgetauscht über die neueste Rechtsprechung, die neuesten Bewertungsmethoden und Argumentationshilfen. Wir haben über Naturschutzpolitik heiße Debatten geführt und die ach so unpolitischen Vogelfreunde und Blümchenliebhaber belächelt. Über unsere persönlichen Motive, die Triebfeder für unseren Einsatz, haben wir nie gesprochen. Es schien ebenso selbstverständlich zu sein, wie es tabu war, über dieses intime Geheimnis zu reden - unsere Beziehung zur Erde, zur Natur. Ich hatte das Glück, in einer naturnahen Landschaft im Bayerischen Wald aufzuwachsen, wo Fuchs und Hase sich noch Gute Nacht sagten. In der Natur habe ich Geborgenheit, bedingungsloses Angenommensein, Eins-Sein, erfahren, habe mich geliebt und genährt gefühlt, konnte ihr vertrauen. Ich glaubte, dass das bei jedem Menschen so ist, so selbstverständlich wie das Atmen, bis es mir eines Tages wie Schuppen von den Augen fiel: Die Menschen, die in meinen Augen achtlos mit der Erde umgehen, haben keine emotionale Bindung zu ihr, sie fühlen tatsächlich nicht, was sie tun. Für sie ist die Erde einfach nur der Boden unter den Füßen, ein großer Klumpen aus Gestein und Wasser. Und ich hatte diese Menschen für ihr Verhalten verurteilt. - Es wurde mir klar, dass ich diese Menschen nicht erreichen kann, nicht mit noch so fundierten Sachargumenten und schon gar nicht mit Paragraphen. Meine Arbeit in der Behörde erschien mir plötzlich sinnlos, und die Konsequenz war, zu gehen. Meine Sinnsuche führte mich schließlich zur Geomantie, wodurch es mir möglich wurde, hinter der Oberfläche der sichtbaren Landschaft faszinierende neue Ebenen der Wirklichkeit kennen zu lernen. Die Geomantie ist für mich zu einem Instrument geworden, womit ich Menschen mit den unsichtbaren Dimensionen der Natur vertraut machen kann, vor allem aber ihre Sehnsucht nach der Verbindung mit Erde und Kosmos, letztlich die Sehnsucht nacht dem Eins-Sein, berühren kann. Durch die tiefen Begegnungen mit Menschen in meinen Geomantie-Seminaren konnte ich erfahren, dass viele genauso wie ich eine tiefe Liebe zur Erde fühlen, diesem wundervollen, pulsierenden, lebendigen Wesen. Oft ist es das erste Mal, dass sie sich trauen, darüber mit anderen zu sprechen. Es ist wie eine befreiende Erlösung, diese Liebe nicht mehr verstecken zu müssen aus Furcht, sich mit diesen Gefühlen der Lächerlichkeit preiszugeben, einen Baum umarmen und seinem Wesen lauschen zu können, ohne sich vorher vergewissern zu müssen, dass niemand es sieht. Dies gemeinsam zu tun und sich über die Erfahrungen auszutauschen, kann unglaublich viel Freude auslösen. Diese Liebe zur Natur lässt sich nicht herbeiargumentieren, sie entzieht sich dem rationalen Denken. Meist hat diese innige Verbindung mit der Erde ihre Wurzeln in der Kindheit, vielleicht ähnlich der zwischenmenschlichen Bindungsfähigkeit, die Psychologen mit dem frühkindlichen Bounding erklären.
Ich bin überzeugt: Wenn all die Menschen, die im "grünen Bereich" arbeiten, ob beruflich oder ehrenamtlich, die Scheu überwinden und beginnen würden, die Beziehung zur Erde, die eigenen Bilder von der Natur, die Motive des Handelns, die an die Natur gerichteten Wünsche und Bedürfnisse zu reflektieren und den Mut hätten, genau das miteinander zu teilen, dann würde ein enormes konstruktives Potenzial frei.

Der etablierte Naturschutz steckt in der Sackgasse

Wenngleich behördlich fest institutionalisiert, wird Naturschutz noch immer im Verfahrensablauf für geplante neue Landschaftsnutzungen als lästig und hinderlich betrachtet. Das gleiche gilt für die Landschaftsplanung. Kaum ein Bürger weiß überhaupt, was das ist. Die Kommunen erfüllen leidenschaftslos ihre Pflicht. Die Chance zur Bürgerbeteiligung ergreifen meist nur Grundstücksbesitzer, die sich rechtzeitig gegen eine Entwertung ihres Besitzes durch Naturschutzmaßnahmen zur Wehr setzen wollen. Solche Voraussetzungen sind nicht besonders motivierend für Landschaftsplaner, zumal der harte Konkurrenzkampf die Honorare abgemagert hat. Anfang der 90er-Jahre herrschte optimistische Aufbruchstimmung - heute ist Naturschutz kein öffentliches Thema mehr. Warum? "Wir haben es nicht geschafft, den Naturschutz in die Köpfe der Leute zu bekommen", höre ich viele Kämpfer resigniert klagen. Genau das ist es, "in die Köpfe". Gefühle? Um Gottes willen, nein - hier geht es ganz sachlich und naturwissenschaftlich zu. Und dennoch, tausendmal gehört: "Euch sind die paar Kröten wichtiger als die Menschen!" Arbeitsplätze kontra Laufkäfer, die Umgehungsstraße kontra Streuobstwiese. Das Schlimmste, was einem Naturschützer passieren kann, ist, der Emotionalität überführt zu werden und entblößt und beschämt dazustehen. So treibt die verzweifelte Suche nach rationalen, naturwissenschaftlich fundierten Sachargumenten und scheinbar objektiv messbaren Bewertungsmaßstäben bisweilen absurde Blüten. Immer tiefer spezialisierte floristische und faunistische Gutachten und mathematisch exakt anmutende Bewertungsziffern werden in der Hoffnung bemüht, dadurch den Belangen des Naturschutzes zu mehr Gewicht im Abwägungsprozess zu verhelfen. Den Wert zerstörter Natur in Geldwert zu berechnen, zeigt den hilflosen Versuch der Quadratur des Kreises. "Diese scheinbar sachlichen Argumente - oft erscheinen sie einem peinlich, lächerlich, irgendwie hat man das Gefühl, das Wesentliche fehlt," so ein Kollege. Und genau das fehlt, das Wesentliche, was das Wesen der Landschaft ausmacht. Am Ende interessiert sich kaum jemand für die dicken Papierstapel, die Fronten zwischen Naturschützern und Naturnutzern (bzw. deren behördliche und politische Vertreter) bleiben bestehen. Die Landschaftspläne verstauben in den Regalen. Die Menschen, denen die Natur wirklich am Herzen liegt, werden von all diesen Bemühungen nicht erreicht.

Was will der Naturschutz eigentlich?

Jahrzehntelang wurde die Natur von Rechts wegen im Interesse der Menschen geschützt, also Schutz zum Eigennutz. Lange wurde darum gekämpft, von diesem anthropozentrischen Ansatz wegzukommen. Das neue Naturschutzgesetz räumt nun der Natur ein Eigenrecht ein. Wie wird jedoch dieser abstrakte Begriff mit nachvollziehbaren Inhalten gefüllt? Beschränkt sich das Eigenrecht auf die anvisierten 10 Prozent Schutzflächen? Also 10 Prozent für die Natur, 90 Prozent für die Menschen? Steckt dahinter noch immer die Überzeugung, der Mensch sei der Feind der Natur, und Aufgabe des Naturschutzes sei, die Natur vor dem Menschen zu schützen? Dieses Denken schafft Trennung: hier Natur, dort Mensch.
Auf welcher Grundlage entscheiden Naturschützer, Landschaftsplaner, Flurbereiniger etc., wie ein Stück Landschaft aussehen soll, wohin es sich entwickeln darf, was geschützt und was einer Zerstörung preisgegeben werden darf? Wir sollten hinterfragen, welche Bilder von der Natur wir in unseren Köpfen herumtragen. Wenn Maßnahmen geplant werden, sei es eine Ausgleichsfläche oder eine Schutzgebietsausweisung mit Pflegeplan, kommen persönliche Vorlieben zutage - unreflektiert und verborgen hinter wissenschaftlichen Gutachten. Die einen bevorzugen die artenreiche, bäuerliche Kulturlandschaft vergangener Zeiten, andere treten für ihre speziellen Vorlieben als Botaniker oder Zoologe ein. Soll ein Amphibienteich in der Aue angelegt werden, weil Frösche so selten sind, oder doch die Feuchtwiese erhalten werden, weil sie landschaftstypisch ist? Oft genug gehen Maßnahmen zugunsten der einen Art auf Kosten von anderen. Die Kiesgrube in der Aue, der Steinbruch im Wald - erst heftig als unvertretbarer Landschaftsschaden bekämpft, dann später als wertvolles Biotop unter Schutz gestellt. Es scheint fast unmöglich, zu einer "richtigen" Entscheidung zu finden. Wir befinden uns in der Zwangslage, Maßnahmen auf rein rationaler Ebene entscheiden zu wollen, wo niemand die Komplexität und die langfristigen Auswirkungen überblicken kann, aber der Zeitdruck, der unser tägliches Handeln bestimmt, schnelle Entscheidungen erfordert. So stülpen wir unsere Zwänge der Natur über, lassen ihr keinen Raum für Eigendynamik und uns keine Möglichkeit für neue Erfahrungen.

Die Lektion der Borkenkäfer

Es war ein großes Verdienst der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, trotz heftiger Proteste durchzusetzen, den quadratkilometerweit abgestorbenen Wald sich selbst zu überlassen und damit viel Zorn auf sich zu ziehen. Das Holz der abgestorbenen Fichten einfach verrotten zu lassen statt es ökonomisch zu nutzen, war den meisten Waldlern unbegreiflich. Schließlich war ihre Existenz seit jeher vom Wald abhängig, und in den Köpfen hatte sich die Meinung festgesetzt, der Borkenkäfer sei am Waldsterben schuld und müsse deshalb bekämpft werden, damit er nicht auch noch den Privatwald auffrisst. Statt der befürchteten Katastrophe offenbart der Wald seine kraftvollen Selbstheilungskräfte. Eine erstaunliche Artenvielfalt an jungen Bäumen wächst zwischen der Fichtenmonokultur. Der Nationalparkverwaltung ist es gelungen, ihre Motive zumindest den Besuchern erfolgreich nahezubringen.

Das Fühlen wieder erlauben

Waren Sie schon einmal in einem Naturschutzgebiet? Haben Sie das Schild je wahrgenommen: Zelten, Bootfahren, Angeln, Reiten, Feuermachen, das Verlassen der Wege usw. ist verboten? Es stehen überall die gleichen Schilder, egal, ob da Wasser, Felsen, Wald oder Wiesen sind. Was schützenswert ist, erfährt der Besucher nicht. Die meisten nehmen die langweiligen Schilder nicht einmal wahr. Kennen Sie diese Werbeplakate? Irgendein beliebiger neuer Fahrzeugtyp ist inmitten der schönsten, von Menschen scheinbar unberührten Landschaft abgebildet. Das Auto hat mit der Landschaft selbstredend nichts zu tun. Aber die Bilder sprechen die Sehnsüchte und Gefühle der potenziellen Kunden an, nicht ihren Verstand - drei Viertel der Kaufentscheidungen werden emotional gefällt. Warum beschränkt sich ausgerechnet der Naturschutz auf abstrakte, fachliche und rechtliche Argumente? Er hat Angst vor dem Fühlen und der dahinter liegenden Tiefe, obwohl doch gerade unser Fühlen so stark mit der Erde zu tun hat. In früheren Jahrhunderten sahen die Menschen die Natur als Offenbarung Gottes. Goethe fand durch Naturschau Einblicke in das "Lebendige Buch" (die Natur), in das Wesen Gottes. Gerade in Deutschland bringen alte Literatur, Musik und Malerei eine besondere seelische und geistige Tiefe in der Beziehung zur Natur zum Ausdruck, die doch noch nicht ganz verlorengegangen sein kann. Doch die Zeit der Aufklärung hat die Natur entzaubert, die Hexenverfolgung hat tiefe Wunden hinterlassen, vor allem aber die jüngste deutsche Geschichte. In einem brillanten Aufsatz analysierte Wolfgang Schmidt-Reinecke (Hagia Chora Nr. 8) die Hintergründe, warum sich in Deutschland ein so auffällig rationalistisches Menschenbild - und damit einhergehend eine kollektive Ignorierung seelisch-mythischer Realitätsebenen - herausgebildet hat. Die Ursachen liegen im tragischen Missbrauch der zentralen, mythisch-religiösen Anteile der "deutschen Seele" durch den Nationalsozialismus. Die geistig-seelische Identität und das Eingebundenfühlen in die Geist-Seele der Landschaft erfuhr dadurch tiefe Verletzungen. Indem wir die Wunden offenlegen, unsere Ängste wahrnehmen, uns damit auseinandersetzen, uns unserer Macht und ihrer Grenzen (jeder Eingriff, jede Maßnahme ist Ausdruck von Macht, bisweilen auch von Machtüberschätzung) bewusst und damit auch fähig werden, wirklich Verantwortung anzunehmen, können die Wunden heilen.

Getrenntsein existiert nur im Kopf

"Begreifst du die Erde als ein lebendiges Wesen?" Diese Frage löst bei einem Teil der Gesprächspartner Entrüstung aus, beim anderen ein beglückendes Aha-Erlebnis. Ende des 15. Jahrhunderts wurde am spanischen Hof heftig darüber gestritten, ob Indianer eine Seele hätten oder nicht. Wenn ja, so wurde argumentiert, könne man sie zwangsmissionieren, wenn nicht, könne man sie töten wie Tiere. Diese Denkweise erscheint uns heute absurd. - Aber wir denken, die Erde, die unzähliges Leben hervorbringt und nährt, sei einfach nur ein lebloser Klumpen Materie .? Wir leben in der Erdatmosphäre, und unser Sprachgebrauch verrät, dass wir mit Atmosphäre nicht nur ein Gasgemisch meinen. Wir alle haben es schon oft erlebt, dass wir an verschiedenen Orten ganz verschiedene Stimmungen wahrnehmen: uns wohlig und geborgen fühlen, nach innen gekehrt, melancholisch oder beschwingt und heiter. Plötzlich mögen Bilder aus der Vergangenheit auftauchen, oder wir werden an einem Ort innerlich ganz still und von tausend Gedanken inspiriert. Bäume z.B., die ja nicht weglaufen können, bringen besondere Schwingungsverhältnisse ihres Standorts in ihrer Wuchsform zum Ausdruck. Dass Menschen eine Ausstrahlung haben, eine Aura, und wir fühlen können, ob der andere gerade glücklich und zufrieden ist oder vor Zorn gleich platzt, wissen wir wohl. Wir können mitfühlen, weil die jeweiligen Ausstrahlungen einander durchdringen. Wir sind im selben Raum, so wie wir dieselbe Luft atmen. Es ist nicht unser analytischer Verstand, der uns den anderen Menschen in seinem ganzen Menschsein als lebendiges Wesen mit Körper, Seele und Geist wahrnehmen lässt. Vielmehr ist das Fühlen der Schlüssel zu den höheren Bewusstseinsebenen. Aus meiner Sicht gibt es viele Parallelen zwischen der Erde und dem Menschen, auch im Umgang, den wir mit uns selbst und mit der Erde pflegen. Die Schulmedizin z.B. hält ebenfalls an ihrem antiquierten mechanistischen Menschen- und Weltbild so zäh fest wie an ihrem Herrschaftsanspruch. Weiterentwickelt wurden im Wesentlichen nur die technischen Mittel, so dass menschliche Körper wie Autos repariert werden. Das Geschwür hat sein Wurzeln nicht im Magen, der Krebs nicht in der Gebärmutter. Das Wegschneiden vermag die Symptome zu beseitigen, aber den Menschen nicht wirklich zu heilen. So genannte alternative Heilweisen beziehen den ganzen Menschen ein, die Lebensenergie, die Seele und den Geist. Sie arbeiten alle mit energetischen Schwingungen unterschiedlicher Frequenzen. Auch Homöopathie ist Schwingungsmedizin - das ist keine Esoterik, sondern selbst die moderne Physik bietet hier Erklärungsmodelle. Alles ist Schwingung, auch Materie. Krankheiten beginnen nicht im physischen Körper, sondern auf den höheren Schwingungsfrequenzen der seelischen, mentalen und geistigen Ebenen. Deshalb ist es möglich, Krankheiten auch auf diesen Ebenen zu heilen. Die Querdenker und Pioniere, die diesen Heilweisen zur Verbreitung halfen, wurden anfangs belächelt, angefeindet und ausgegrenzt. Heute finden sie zwar nicht auf politischer Ebene, aber doch gesellschaftlich zunehmend Anerkennung. Auch die Geomantie ist vielen noch fremd und trifft in den etablierten Institutionen auf Ablehnung. Bei den "normalen" Menschen ist die Neugierde größer als man glaubt. Bei der letzten Landesgartenschau in Bayern hatte ein Planer eine kühne Idee, die Stadtverordnetenversammlung zog mit, die ansässigen Landschaftsbaufirmen auch, und so entstand der geomantische Garten in Cham. Die Besucher spürten, dass dort mehr zu finden ist als nur eine ästhetische Gestaltung mit Steinen und Pflanzen. Auf den Bänken und großen Steinen sitzend, wurden die hektischen Menschen, die nichts von der Schau verpassen wollten, "zufällig" ganz ruhig und still. Es gibt dort einen bestimmten Stein - "zufällig" redete immer nur die Person, die darauf sitzt. Schnell entdeckte eine betreute Jugendgruppe diesen Platz für ihre täglichen Treffen. Als Rednerplatz bestimmten sie "zufällig" diesen Stein, den der Geomant auf dem so genannten Punkt der Beredsamkeit platziert hatte. Der Garten erwies sich als Besuchermagnet, auch für Kommunalvertreter.

Die Trennung aufheben

Viele Landschaftsplaner und Naturschützer spüren - zumindest insgeheim - ein gewisses Unbehagen bei ihren Planungen, weil trotz aller Gutachten immer ein Rest von Beliebigkeit bleibt und die Konsequenzen auf den Naturhaushalt nicht wirklich absehbar sind. Der Planer hat die Macht, Landschaft zu verändern, ohne wirklich in der Lage zu sein, sein Handeln auch zu verantworten. Das Hineinfühlen in einen Ort, die Kommunikation mit den verschiedenen Ebenen eröffnet eine völlig neue Sichtweise für Zusammenhänge und Beziehungen in einer Landschaft und auf den Zustand einzelner Landschaftselemente. Natur kann in einer bisher nie geahnten Intensität als lebendig erlebt werden. Wenn es uns gelingt, mit der Geist-Seele einer Landschaft zu kommunizieren oder gar den Zustand des Eins-Seins zu erreichen, erkennen wir von innen heraus, was zu tun und was zu lassen ist, und brauchen dem Ort nicht mehr als Fremde etwas überzustülpen. Wir sind Teil der Natur, der Erde. Wir sind ständig in Resonanz. Wenn wir uns darauf einlassen, entdecken wir, dass Orte, Bäume, Tiere auf unsere Anwesenheit, auf unsere Gedanken, Gefühle und Absichten reagieren. Wissenschaftliche Experimente mit Pflanzen zeigen, dass liebevolle Zuwendung sie viel vitaler und gesünder gedeihen lässt als negative. Am schlechtesten wuchsen diejenigen, die ignoriert wurden. So würden auch wir reagieren - oder nicht?
Ich wünsche mir, dass viele Kollegen, die sich entschieden haben, mit der Erde zu arbeiten, nicht auf halber Strecke in den längst überholten und erstarrten Denkmustern hängen bleiben, sondern den Weg - zeitgemäß - konsequent weitergehen, aus Liebe zu sich selbst und aus Liebe zur Erde.