Das neue Bild der Erde
Ganzheitliche wissenschaftliche Konzepte zum Verhältnis von Mensch und Natur
Parallel zum mechanistischen Weltbild entwickelten sich auch wissenschaftliche Konzepte von einer lebendigen Erde. Marco Bischof zeichnet den Weg von den ersten ganzheitlichen Ideen in der Geologie vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur spirituellen Ökologie der Gegenwart nach.

Im Lauf des 20. Jahrhunderts hat im Verhältnis des Menschen zur Natur eine grundlegende Wandlung in Richtung Ganzheitlichkeit stattgefunden, die im allgemeinen Bewusstsein noch nicht ganz aufgenommen worden ist, jedoch in einer Reihe von neueren wissenschaftlichen Denkrichtungen und Disziplinen ihren Ausdruck gefunden hat. Einige dieser Konzepte stelle ich im Folgenden vor, wobei ich zunächst die Entwicklung eines ganzheitlicheren Bildes von Natur, Umwelt und Erde schildern werde, die zu einer Wandlung der Vorstellungen über die materiellen Aspekte von Erde und Umwelt führte. Anschließend möchte ich zeigen, wie heute als Konsequenz dieses ökologischen Weltbilds auch eine (Wieder-)Einbeziehung des Subjektiven und damit eine fundamentale Revolution des wissenschaftlichen Weltbildes im Gange ist. Die Ökologie als wissenschaftlicher Zweig der Biologie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von dem deutschen Biologen Ernst Haeckel (1834-1919) begründet. Ursprünglich Mediziner, war Haeckel später Zoologe und Naturphilosoph geworden und ist vor allem als der wichtigste Verfechter von Darwins Evolutionstheorie und eigentlicher Begründer des "Darwinismus" bekannt geworden. Er prägte 1866 den Begriff Ökologie und definierte ihn wie folgt: "Unter Ökologie verstehen wir die gesamte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt, wozu wir im weitesten Sinne alle Existenzbedingungen rechnen können" (Haeckel 1866). Haeckel unterschied organische und anorganische Existenzbedingungen. Zu den ersteren zählte er die Beziehungen zu den übrigen Organismen, die ihm als Nahrung dienen und solchen, die als Parasiten auf ihm leben.
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