Buntes Land

Farbfelder - Land-Art als soziales Experiment

von Frank Schumann erschienen in Hagia Chora 14/2002

Eine Art Erdheilungsarbeit leisten Frank Schumann und Bernd Schindler, wenn sie mit ihrem Projekt "Farbfelder" versuchen, die emotionale Beziehung zu den landwirtschaftlichen Ackerflächen, die sonst unzugängliche Bereiche sind, zu stärken. Seit 1999 experimentieren sie mit Brachen und legen dort "Farbfelder" an.

Landschaft ist die Handschrift einer Gesellschaft und, vor allem in Europa, ein Produkt menschlicher Kultivierung. Herrschaftsverhältnisse, ökonomische Systeme und technische Standards gravieren sich deutlich und nachhaltig in das Landschaftsbild ein. So war über Jahrhunderte hinweg das Landschaftsbild die ästhetische Veräußerung eines maßvollen Verhältnisses von Ökologie und Ökonomie. Dieses Landschaftsbild wurde als schön wahr genommen, es war Ausdruck des menschlichen Maßes der Tätigkeiten. Die Ästhetik der Landschaft änderte sich mit ihrer Technisierung. Immer mehr Fläche wurde von immer weniger Menschen in Anspruch genommen. Heute haben z.B. in der Prignitz nur noch ca. 2,5 % der im ländlichen Raum lebenden Menschen produktiv an der Flächennutzung Anteil. Dadurch ergeben sich Arbeitslosenraten von 18-25 % und eine bedrohliche Landflucht.

Der Acker - ein fremder Raum?

Vor diesem Hintergrund haben wir uns mit der Perspektive neuer Tätigkeitsformen im ländlichen Raum beschäftigt und mussten sehr schnell feststellen, dass die Ressource "Fläche" durch Nutzungspläne definiert ist, die keinen Bezug auf sich verändernde gesellschaftliche Phänomene nehmen. Deutschland ist kein Agrarland mehr, der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt liegt bei nur 1,2 %. Gleichzeitig nimmt sie den größten Teil der Fläche in Anspruch.

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