Was wissen die Pflanzen
Überlegung zur Bewusstseinsdimension der pflanzlichen Welt
Die Entdeckung des "geheimen Lebens der Pflanzen" und die Begegnung mit der besonderen Art des Pflanzen-Bewusstseins ist für Jochen Kirchhoff eine Grund-Übung auf dem Weg zu einer integralen Kultur und damit zu einem neuen Verständnis von Landwirtschaft.

Die Natur liebt es, sich zu verbergen", sagt der altgriechische Philosoph Heraklit. Ein tiefsinniger Aphorismus, über den man vielfältig und lange nachdenken kann, ohne ihn je zu erschöpfen. Warum? Heraklit berührt hier einen der rätselhaftesten und faszinierendsten Aspekte der sinnlich-natürlichen Welt, insbesondere der Pflanzen: den des Entbergens und Verbergens. Die natürlich-sinnliche Welt liegt vor uns ausgebreitet in der überwältigenden Fülle ihrer Erscheinungen und Formen, eine Fülle, die sich unaufhörlich enthüllt, zeigt, offenbart und doch zugleich verschließt. Goethe hat vom "Geheimnisvoll-Offenbaren" gesprochen: Das Offenbare, vor aller Augen Daliegende, uns ganzheitlich Umgebende, ist zugleich das immer Geheimnisvolle, immer Verborgene. Hinzu kommt die zeitliche Dimension des Nacheinanders, die der unaufhörlichen Metamorphose, des Werdens und Vergehens, unter anderem im jahreszeitlichen Rhythmus. Im Frühjahr verströmt sich die Gestaltungskraft des Pflanzlichen im Sprießen und Sprossen, in die grüne Blatt- und Laubwelt sowie in die zart-sublime Manifestation der Blüten - ein Prozess, der gleitend in die satte und lösende Fülle des Sommers übergeht, der eine Art Innehalten bedeutet, bevor der Abstieg in die Vergängnis und die Zurücknahme der stofflichen Erscheinungsformen erfolgt. Jedenfalls bei den Pflanzen, die dem jahreszeitlichen Zyklus in diesem direkten, physisch-stofflichen Sinn unterworfen sind und darauf reagieren.
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