Beobachten ist das Wichtigste

Der oberösterreichische Ökorebell Sepp Holzer und seine Vorstellungen von Agrarwende

von Barbara Aigmüller , Clemens Zerling erschienen in Hagia Chora 14/2002

In den letzten zwei Jahren ist der Berghof des Bauern Sepp Holzer im oberösterreichischen Lungau berühmt geworden. In alpiner Höhe hat er ein kleines Paradies geschaffen. Seine aus der sorgfältigen Anschauung der Natur entwickelte Methode entspricht der Philosophie der Permakultur. Barbara Aigmüller und Clemens Zerling besuchten ihn auf dem Krameterhof.

Steil führt die schmale Fahrstraße bis auf 1300 Meter den Berg hinauf. Wiesenhänge und Waldflächen prägen das Bild. Hin und wieder sehen wir auf ein Gehöft, das sich an die Hänge schmiegt. In den scharfen Kurven öffnet sich ein weiter Ausblick in die Lungauer Berge, die das Thomatal umrahmen. Endlich erreichen wir den Eingang zum "Ökodorf Krameterhof". Das schmiedeeiserne Tor steht offen. Ein freundlich wedelnder, alter Hund begrüßt uns. Als wir das Tor passieren, empfängt uns vielstimmiges Vogelgezwitscher und vibrierendes Summen geschäftiger Insekten. Jetzt erst wird uns bewusst, wie still es vorher war. Den Kiesweg zu den ersten Häusern des Ökobetriebes säumen beidseitig ungewöhnlich hochgewachsene Blumen, Gräser, Kräuter, Sträucher und Bäume. Wohin man schaut, wuchert es. Modernde Baumstümpfe, flache Steine und Felsbrocken unterstreichen den Eindruck einer fast ursprünglichen Natur. Irgendwo plätschert Wasser in einem Trog. Betörender Blütenduft steigt in unsere Nasen. Wie ist es möglich, in dieser Höhe - bis auf 1500 Meter Seehöhe, Bergbauernzone III bis IV - solch ein Paradies für Pflanzen und Tiere zu schaffen? Der Lungau gilt zudem als "Sibirien Österreichs" und erreicht häufig Wintertemperaturen bis zu minus 30 °C. Wieso gedeihen hier - in eklatantem Widerspruch zu allen Lehrbüchern - Obstbäume, selbst Feigen und Kiwis, Zitronen- und Eukalyptusbäume? Wieso übertrifft allein die Vogelvielfalt selbst die von geschützten Auenlandschaften? Wie ist es möglich, hier oben zum Teil bis zur 17-fachen Rentabilität gegenüber der konventionellen Landwirtschaft zu erreichen?

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