Göttliche Steine
Können geomagnetische Felder religiöse Erfahrungen auslösen?
Nachdem wir in der Rubrik Neue Wissenschaften zuletzt weite Ausflüge in den Kosmos unternommen haben, wenden wir wir uns wieder einmal der "messbaren" Welt zu. Anne Silk forscht über Geomagnetismus und berichtet über die seit alters her verehrten Meteore und Basaltsteine. Dass magnetische Felder die Aktivität des Gehirns beeinflussen, ist neurophysiologisch nachvollziehbar, doch was schließlich eine Erfahrungen zu einem religiösen Erlebnis werden lässt, bleibt wohl immer ein Rätsel.

Die Wissenschaft ist kein feststehender, statischer Tatsachenkomplex - sie ist eine dynamische intellektuelle Vorgehensweise mit dem Ziel, Kenntnisse über die Natur zu gewinnen. Sie baut auf einer rationalen Methodik auf: Es werden Beobachtungen gemacht und erklärende Hypothesen gebildet, die dann auf Grundlage sorgfältiger Arbeit bestätigt oder widerlegt werden. Aber die Zeit und neues, in andere Richtungen weisendes Beweismaterial können bei jedem Modell zu Rissen in der Fassade führen. Dabei ist es gleichgültig, ob die Beweise aus der Geologie, der Technik oder der Religion stammen. Ein Beispiel für diese Art von neuem Beweismaterial sind die ungewöhnlichen Reaktionen des Menschen auf den magnetischen Gradienten. Man weiß, dass Magnetfelder unabhängig von ihrem Ursprung Auswirkungen auf das menschliche Gehirn und die Wahrnehmung haben. Wenn diese Wirkung mit der Verteilung von magnetischem Gestein und Gebieten mit bekanntermaßen starkem Erdmagnetismus, einschließlich Meteoriten, in Wechselbeziehung gebracht werden, dann sind viele scheinbare Anomalien plötzlich logisch (Wadas 1991). Einer der ersten, der sich mit Naturphänomenen beschäftigte, war Lucretius. Er schrieb: "Wenn Jupiter den Blitz geschickt hat, warum sollte er seine Blitzstrahlen dann so verschwenderisch auf das Meer, zu seinen Tempeln und den hohen Bergen, den Wäldern und Bäumen schicken?" Blitze können Magnetismus erzeugen. Man hat nachgewiesen, dass Basaltfelsen in der Nähe eines Blitzableiters nach einem Blitzschlag dauerhaft magnetisiert werden. Dabei fällt die Stärke des Magnetfeldes mit zunehmender Entfernung vom Ort des Blitzschlags deutlich ab. Sich an oder dicht unter der Erdoberfläche befindliches Gestein kann daher nach einem Blitzschlag stark magnetisiert sein. Es gibt auch natürliche magnetische Minerale, wie Magnetit, Hämatit, Magnetkies (Pyrrhotin) und Eisenstein. Die Magnetfelder dieser Minerale können bis zu 200000 Nanotesla erreichen, ein Vielfaches des natürlichen Magnetfelds der Erde. Basaltadern und -intrusionen können Tausende und Zehntausende Nanotesla erzeugen (Milsom 1989).
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