Objekte der Spekulation

Sind Keltenschanzen enegetische Resonatoren?

von Ewald Kalteiß erschienen in Hagia Chora 1213/2002

Nachdem Richard Warner im vorigen Artikel über die Mythologie und Archäologie einen Zugang zum Rätsel der Henge-Monumets gesucht hat, kehren wir mit Ewald Kalteiß Beitrag zur mitteleuropäischen Variante der umwallten Kultplätze der keltischen Epoche zurück. Aus der Kantenlänge der Anlagen schließt er auf eine besondere Resonanzfähigkeit.

Von Böhmen bis nach England finden sich so genannte keltische Viereckschanzen, ein deutscher Begriff, der in die Keltenforschung eingegangen ist. Allein in Süddeutschland sind mehr als 250 solcher Anlagen bekannt. Die in Irland typischen Hillforts (Hügelburgen) und Hengeforms (Wallanlagen mit Innengraben; siehe dazu auch den Beitrag von Richard B. Warner, "Gebändige Anderswelt", S. 82; Anm. d. Red.), unterscheiden sich dagegen durch ihre runde Form von den - bis auf wenige fünfeckige Ausführungen - meist annähernd einem verschobenen Quadrat gleichenden Viereck-Keltenschanzen. Ohne auf möglicherweise blutige Riten an diesen Orten einzugehen, scheint Eines klar: Die Schanzen hatten hauptsächlich kultischen Charakter. Andererseits dürfte es nicht von der Hand zu weisen sein, dass Schanzen in unruhigen Gebieten auch als Schutzanlagen gedient haben könnten. Eine gewisse Unsicherheit bleibt, wie das Beispiel der keltischen Siedlungen um Hochdorf (zwischen Ludwigsburg und Mühlacker) zeigt. Dort fand man unter anderem das beeindruckende Grab eines Keltenfürsten, dem keinerlei Waffen beigegeben waren (aber 400 Liter Met in einem Kessel), was auf eine friedliche und lebensfrohe Epoche deutet. Und hier gibt gibt es im Umkreis von 30 Kilometern keine Schanze, nur Siedlungen. Im Gebiet des Fürsten von Hochdorf scheint über lange Zeit der Friede regiert zu haben, und es muss weitere kultische Plätze (nicht in Schanzenform) gegeben haben, die noch nicht gefunden wurden. In Landschaften aber, wo wir viele Schanzen finden, kann die Kombination von Schutz und Heiligtum durchaus zutreffen: Jede Schanze gehörte einem bestimmten Clan, und je nach Glauben und Einstellung wurden Schanzen mit oder ohne Kultschacht, mit oder ohne "heiligen Ort" erbaut. Eine Ähnlichkeit mit den späteren Wehrkirchen scheint offensichtlich: geschützter kultischer Platz! Die meisten Viereckschanzen liegen an einem Hang, gelegentlich in der Ebene, selten jedoch auf einer Anhöhe. Auch finden sich keine Schanzen, bei denen der Eingang im Norden läge. Aus dem Norden erwarteten auch die Kelten nichts Gutes. Was aber sollte durch die Errichtung einer Viereckschanze erreicht werden?

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