Inmitten der Ahnen
Landschaft und Identität im Neolithikum
Mit ihren Schriften zur Politik von Stonehenge hat Barbara Bender das Establishment der britischen Denkmalpflege herausgefordert. Ihr Beitrag hinterfragt das zwischen Traditionalismus und Modernismus eingeklemmte Verständnis von Natur und Kultur und führt die in ihren Augen absurde Trennung von rituellen und weltlichen Landschaften vor.

Manche Menschen tun sich nicht leicht mit der Idee, Landschaft - und Gleiches gilt für unsere Vorstellungen von Ort und Identität - sei etwas Fließendes, Relatives und Kontext-Abhängiges. Sie zeigen aus dem Fenster und sagen: "Schau, so ist es, das ist die Wirklichkeit." Oder sie sagen: "Schau, dort ist sie, die Landschaft." Und dann seien wir Menschen gekommen und hätten sie geformt und gestaltet. "In der Frühgeschichte", so wird dann fortgefahren, "haben sie die Wälder gerodet, und ihre Nachfahren haben Felder, Wege und Siedlungen angelegt." Sie haben ja Recht - sie ist "da draußen", und sie wurde gestaltet, doch der Punkt ist: Was dort draußen liegt und was dort getan wurde, haben Menschen durch ihre Wahrnehmung und ihr Tun erlebt. Dies wiederum ist abhängig von unseren sozialen Beziehungen und kulturellen Vorstellungen, die immer geschichtsspezifisch sind.
Andere Weltsichten
Steinmauern wurden aufgeschichtet, der Boden wurde umgebrochen, Steine wurden aus dem Fels gelöst und Grabmale errichtet mit Techniken, die wir verstehen und sogar nachmachen können. Wer aber kam auf die Idee, so einen Steinwall zu errichten, mit wem zusammen hat er ihn gebaut, und was war deren Einstellung zu den Steinen, dem Wall, dem Land und dem Grabmal? Das sind entscheidende Fragen; sie machen zugleich deutlich, warum Landschaft nicht von der menschlichen Wahrnehmung und dem Eingebundensein des Menschen darin getrennt werden kann. Dass wir tatsächlich oft über Landschaft als etwas sprechen, das "da draußen" liegt, als sei es etwas Objektives, von uns Getrenntes, kennzeichnet unsere besondere Weltsicht, wie es Julian Thomas herausgearbeitet hat. Alle Menschen schaffen sich Kategorien und Einteilungen, und dies ist eine typisch westliche Variante. Seit Jahrhunderten folgen wir einer Entwicklung, beschleunigt durch den Kapitalismus, die uns vom Eingebundensein in die natürliche Ordnung der Dinge entfernt, ja im Versuch gipfelt, sie zu kontrollieren. Wir machen uns zum Mittelpunkt der Welt und überblicken von dort die Landschaft. Wir trennen Kultur von Natur, Geist vom Körper, setzen immer noch "Mann" mit Kultur und Aktivität gleich und "Frau" mit Natur und Passivität.
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