Der Kristallplanet, Teil 05

Ideengeschichte der globalen Gitternetze - Buckminster Fuller

von Marco Bischof erschienen in Hagia Chora 11/2001

Unser "Grundlagenkurs" über die Ideengeschichte der globalen Gitternetze soll Licht in einen schillernden Bereich der Geomantie bringen: Woher stammen die Konzepte von Gittern, Leys, Energielinien? In dieser Folge würdigt Marco Bischof das Werk Buckminster Fullers, der sein Leben lang die Strukturgeheimnisse des Kosmos studierte und die zeitgenössische Architektur und ihre Konstruktionsprinzipien nachhaltig geprägt hat.

Durch das neue Element, das Bethe Hagens und William Becker in den 80er-Jahren in die Gitternetzforschung einführten, nämlich die "synergetische Geometrie" Buckminster Fullers, kam der bereits in den früheren Arbeiten angelegte platonisch-pythagoräische Zug der Gitternetzkonzepte voll zum Tragen. In diesem Teil meiner Arbeit behandle ich deshalb zunächst Buckminster Fuller und sein Werk, um dann in der nächsten Folge auf die gegenwärtige Renaissance eines "pythagoräischen Design- und Konstruktionsdenkens" im Werk von Critchlow, Lawlor und anderen Vertretern dieser Richtung einzugehen, das teils von Buckminster Fuller neu inspiriert worden ist, teils mehr auf esoterische Traditionen, wie z.B. das Werk von R.A. Schwaller de Lubicz, zurückgeht. Mit Ursprung und Inhalt der pythagoräisch-platonischen "geometrischen Mystik" wird sich daran anschließend die übernächste Folge befassen. Der Amerikaner Richard Buckminster Fuller (1895-1983), Erfinder, Ingenieur, Architekt, Designer, Mathematiker, Philosoph und Dichter, wegen seiner großen Popularität oft auch einfach "Bucky" genannt, hinterließ ein Werk von enzyklopädischer Breite. Er war ein Visionär und Wegbereiter für unzählige Neuerungen mit großem Einfluss auf viele Wissensgebiete und Praxisfelder, vor allem im angelsächsischen und japanischen Kulturkreis (Krausse, 1973, 2000/2001; Garfield, 1981; Miyazaki, 1987; Urner, 1991; DeVarco, 1997). Er gilt als einer der wichtigsten Innovatoren des 20. Jahrhunderts und war jedenfalls einer der ersten Zukunftsforscher und globalen Denker. Er prägte 1951 den Begriff vom "Raumschiff Erde", und auch der Wahlspruch der Nachhaltigkeitsbewegung, Think global, act local ("Denke global, handle lokal"), stammt von ihm. Sein Werk wurde jüngst in einer umfassenden Ausstellung gewürdigt, die vom Museum für Gestaltung in Zürich eingerichtet und in Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Buckminster-Fuller-Institut Sebastopol (www.bfi.org) sowie dem Bauhaus Dessau organisiert wurde, das Fuller als konsequenten Fortführer seines interdisziplinären Erbes betrachtet. Die von Joachim Krausse, Professor für Designtheorie an der Hochschule Anhalt-Dessau, und von Claude Lichtenstein konzipierte Werkschau "Your Private Sky - R. Buckminster Fuller", die erstmals das Gesamtwerk Fullers mit mehr als 1000 Ausstellungsstücken präsentierte, wurde im Juni 1999 eröffnet und wird, nach Zürich, Dessau, Tirol und London, derzeit in Tokyo gezeigt.